kurz angerissen*
Wenn sich Künstler gerade in der kritischen Phase der Selbstreflektion befinden, entdecken sie bisweilen erstaunlich kreative Wege, ihre ausbleibende Kreativität zu ihrem neuesten Geniestreich zu erklären. Die Welt ist voll von Geschichten über alkoholabhängige Romanautoren, Comiczeichner, die in ihre eigenen Panels gesaugt werden und Drehbuchautoren, die in ihren Alpträumen von flatternden Drehbuchseiten verfolgt werden. Insofern ist es nicht besonders originell, wenn "Dave Made A Maze" einen 30-jährigen Nichtsnutz zum Titelhelden erklärt, der noch nie wirklich etwas zu Ende gebracht hat und sich auf einmal in den Eingeweiden seines finalen Projektes wähnt, das trotz aller Bemühungen einfach kein Ende finden will.
Die Originalität liegt diesmal im Detail. Die zumeist starr im Winkel verharrende Kamera fängt Pappkarton-Räume ein, deren Gestaltung Aberhunderte von Stunden verschlungen haben muss. Die liebevoll gefalteten, zurechtgeschnittenen und zusammengeknüllten Recycling-Materialien erzählen Legenden davon, wie man sich in der eigenen Fantasie verirren kann - und zwar nicht im Stil der perfektionistischen Miniatur-Panoramen eines Wes Anderson, sondern eher im schnoddrigen Do-It-Yourself-Stil, der sogar zur Nachahmung inspirieren kann (gesetzt den Fall, man hat genug Zeit, Raum und Karton zur Verfügung). Perspektivische Spielereien und kurze Puppen-Sequenzen lassen außerdem Ambitionen erkennen, die Dimensionen der Filmtheorie zu dehnen, so weit es nur geht.
Alleine das ist schon die Erfahrung wert, denn echte, handgefertigte Ausstattungswunder sind in der aktuellen Filmlandschaft zum raren Gut geworden. Oben drauf gibt es noch trockenen, indirekten Humor, der gerade deswegen äußerst erfrischend wirkt, weil man es gewohnt ist, mit hysterischen Frontalangriffen attackiert zu werden. So wie jedoch Splatter-Fontänen durch flatternde rote Krepppapier-Bänder ersetzt werden, präsentieren sich auch die Gags in metaphorischer Verkleidung. Vielleicht wirken Dave (Nick Thune), seine Freundin Annie (Meera Rohit Kumbhani) und all seine Kumpels deswegen auch etwas zweidimensional, fast wie Figuren aus der Sesamstraße, was sich hemmend auf das Zwischenmenschliche auswirkt. Aber dafür darf man ja auch 80 Minuten lang durch ein Spaß-Labyrinth mit der Scherenschnitt-Ästhetik von Videospielen wie "Little Big Planet" und "The Puppeteer" rennen, bei dem jeder neue Raum spektakulärer ist als der vorherige.