Review

Ein einsam gelegenes Herrenhaus mit angeschlossenem Wald ist das Ziel einer Gruppe befreundeter Studenten, deren Abschluß bevorsteht und die noch einmal zusammen das neue Jahr feiern wollen, bevor jeder seiner eigenen Wege geht. Die mit einem Kleinbus angereisten jungen Leute, von denen jede/r ein bestimmtes Klischee bedient (schüchtern, aggressiv, Drogenfreak, Schlampe, graue Maus, Möchtegern-Rapper, Tussi mit Handtaschenhund etc.) sondern reichlich blödsinnige Kommentare ab, bevor sie ihre Zimmer beziehen. Dann treffen sie sich zum Abendessen im Speisesaal wieder, wo sie in einem fort plappernd den Silvesterabend verbringen. Als einem von ihnen schlecht wird und er nach draußen geht, tritt er nicht nur in einen Hundehaufen, sondern entdeckt im Gras auch den zugehörigen Kopf des Handtaschenhundes. Dessen Besitzerin bricht natürlich sogleich in Tränen aus, während die Schüchterne nach dem Genuß dreier frisch gebackener Pilz-Plätzchen des Drogenfreaks alleine in den Wald marschiert, wo ein Wildschwein zu ihr spricht...

Horror und Komödie, das ist immer eine schwierige Kombination - die französich-belgische Produktion Le manoir ist aber eher als Parodie auf US-Horrorstreifen wie Scream zu verstehen. Bis man zu dieser wohlwollenden Interpretation gelangt, wird dem  geneigten Horror-Freund jedoch einiges abverlangt, und besonders in den ersten 20 Minuten lassen einen die meist belanglos-nervtötenden Dialoge ein vorzeitiges Abschalten in Erwägung ziehen. Während der Aggressive, der früher mit der Schlampe zusammen war und sie unbedingt zurückhaben will, diese der Untreue zeiht, macht sich die unbefriedigte Dicke mit oranger Perücke an den großen Schüchternen heran, der gar nicht weiß wie ihm geschieht. Die blondierte Tussi muß derweil von ihrem stets auf Mäßigung bedachten Freund getröstet werden, während die graue Maus begeistert mexikanische Plätzchen aus dem Ofen nascht. Nein, dieses Sammelsurium unentwegt schwafelnder Selbstdarsteller mit seinen zotigen, meist bestenfalls halblustigen Sprüchen vermag zu Beginn weiß Gott nicht zu unterhalten. Einzig der Drogenfreak - ein vollbärtiger Typ in Fliegermontur, der ins Schwärmen gerät, wenn er von frischem Gras bester Qualität spricht, welches er fein säuberlich verpackt in einem Köfferchen mit sich führt, ansonsten jedoch stets beherrscht auftritt - ist ein interessant entworfener Charakter, hat aber als einer von neun viel zu wenig Screentime, um der Geschichte seinen Stempel aufzudrücken.

Als der Möchtegern-Filmstar in einem Seitentrakt des Gebäudes zu seinem imaginären Publikum über sein angeblich so großes Gemächt spricht, finden ihn die anderen alsbald an genau diesem Körperteil erhängt vor, während ein Nachzügler mit plüschverziertem Van und lauter Mucke vor dem Tor stehend sofort in eine Bärenfalle tritt - da nimmt die Geschichte langsam Fahrt auf: irgendjemand hat es auf die Wochenendgäste abgesehen. Wer bis dahin durchgehalten hat, bekommt eine untereinander zerstrittene, langsam weniger werdende aber immer noch ununterbrochen plappernde Gruppe zu sehen und am Ende immerhin einen (absurden) Plottwist.

Positiv festzuhalten bleibt, daß sich Le manoir (95% Komödie und 5% Horror) zu keiner Zeit ernst nimmt und die Proponenten sich meist selbst verarschen - Spannung kommt somit freilich zu keiner Zeit auf, aber darum scheint es Regisseur Tony T. Datis auch nicht gegangen zu sein. Das Setting mit dem großen Herrenhaus, in dem es auch Geheimgänge zu erkunden gibt, ist genauso einfach wie wirkungsvoll, auch an Schnitt und Kameraführung gibt es nichts auszusetzen. Die ganz wenigen Splattereffekte sind für eine Low-Budget-Produktion immerhin einigermaßen sauber getrickst und wer mit dem leider nur zeitweilig aufblitzenden schrägen Humor (Stichwort: Pistorius) etwas anfangen kann, sollte durchaus - mit nicht allzu hohen Erwartungen - mal einen Blick riskieren. 4 Punkte.

Details
Ähnliche Filme