Es ist immer wieder interessant, zu beobachten, welche Filme des Fantasy Filmfests es bei den Besuchern am schwersten haben. Es sind immer die leisen, langsamen Werke, die einem Konzentration abverlangen, einen überdurchschnittlichen künstlerischen Anspruch vertreten. Dieses Schicksal traf dieses Jahr BLACK HOLLOW CAGE (und auch THE STRANGE ONES). Alles, was über gewöhnliches Kasperletheater hinausgeht, scheint den Mainstreamseher durchgängig zu überfordern. Leicht Konsumierbares wird dagegen einhellig bejubelt. Nun ja, nicht zu ändern, damit zu BLACK HOLLOW CAGE:
In einer spektakulär designten Villa am Waldrand lebt ein Vater alleine mit seiner Tochter. Sie hat einen Arm verloren, wodurch, wird nicht erzählt. Ihr treuester Bundesgenosse ist ein Hund, der einen Sprachcomputer umhängen hat, in dem die Komponenten der Persönlichkeit der verschwundenen Mutter gespeichert sind. Der Hund und dessen Ansprache durch die Tochter ("Mum") haben bei nicht wenigen Zuschauern zu Heiterkeitsausbrüchen geführt. Welch Missverständnis. Nicht der Hund wurde mit "Mutter" angesprochen, sondern der Computer, der dann mit der Stimme einer erwachsenen Frau auf die Fragen der Tochter reagierte. Die findet auf einer Waldlichtung eines Tages einen schwarzen Würfel, der Dinge weiß, die sich erst noch ereignen werden. Ein junges Geschwisterpaar taucht auf, bricht in das Gebäude ein. Die Geschwister scheinen - wie die Bewohner - Schlimmes erlebt zu haben, mit Traumata zu kämpfen. Zeit- und Realitätsebenen beginnen sich zu überlagern ... Rätsel über Rätsel.
Regisseur Sadrac Gonzalez liefert uns keine schnellen Erklärungen, verlangt den Zuschauern eigene Interpretationen ab. Ist der Würfel z.B. eine Zeitmaschine oder existiert er nur in der Phantasie der Tochter, die auf diese Weise schrecklicher Erlebnisse zu verarbeiten vermag?
Die beiden größten Pluspunkte des Films sind indes das subtile Sounddesign und die überragend komponierten Bildausschnitte. Man hört kaum Musik, nur die natürlichen Geräusche, kann seine Sinne weit öffnen. Die Bilder sind von hypnotisch-suggestiver Kraft, ohne manipulativ zu sein, und mysteriöser Schönheit. Hier vertraut ein Regisseur seinem visuellen Konzept, hat es nicht nötig, mit platten Witzen und ohrenbetäubendem Getöse Eindruck zu schinden. Nicht zuletzt überzeugen auch alle Darsteller in ihren gewiss nicht einfachen Rollen, vor allem Lowena McDonell als Tochter.
Insgesamt ist BLACK HOLLOW CAGE ein ungemein beeindruckendes Werk, ästhetisch-visuell wie konzeptionell aus einem Guss, anspruchsvoll und fordernd. Und so musste dieser Film zwangsläufig scheitern bei einer Klientel, die, durch jahrelangen Funsplatter-Konsum emotional abgestumpft, Filme (und vor allem die darin vorkommenden Gewalt-/Tötungsakte) nur mehr als Witz verstehen und verarbeiten kann.
9/10