Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (19)

5-HEADED SHARK ATTACK

(5-HEADED SHARK ATTACK)

Nico De Leon, USA 2017

Weiter geht’s mit Sharxploitation und feinstem zeitgenössischen Trash aus dem Hause Asylum. 5-Headed Shark Attack, man ahnt es, ist die unumgängliche Weiterführung einer Filmreihe um mehrköpfige Haie, die bisher mit den beiden Christopher-Ray-Gurken 2-Headed Shark Attack und 3-Headed Shark Attack weder die schlechtesten noch wirklich kostbare Vertreter des Asylum-Schaffens vorzuweisen hat.

Wo aber, fragt man sich natürlich ganz besorgt, ist denn dann der 4-Headed Shark abgeblieben, der jetzt eigentlich an der Reihe wäre? Nun, den gibt es genau hier – nur wächst ihm warum auch immer zur Mitte des Films ein fünfter Kopf aus dem Schwanz. Fertig ist der Titelheld, und er darf mit dem fortfahren, was er am besten kann und schon als Vierkopf ausgiebig getan hat – unvorsichtige Badegäste und andere Menschen fressen, die sich gerade im Karibischen Meer herumtreiben.

Das macht er ganz ordentlich: Auch die fünfköpfige Variante des „X-Headed-Shark“-Prinzips kann sich im Kontext ihrer Herkunft durchaus sehen lassen. Die Betonung liegt auf Kontext – natürlich ist Nico de Leons Regiedebüt beileibe kein guter Film, aber den Vergleich mit anderen zeitgenössischen Tierhorrorstreifen seiner Preis- und Leistungsklasse (darunter selbstredend auch allerlei Sharxploitation-Heuler wie die Sharktopus-Streifen von Roger Corman) muss er nicht scheuen – im Gegenteil. Immerhin schafft er es, eine gewisse Wucht in seine Monsterattacken zu legen und in einigen verschwindend kurzen Momenten sogar einen Hauch von Spannung zu generieren. Spannung in einem Asylum-Film – das erlebt man wirklich nicht aller Tage.

Grundsätzlich liefert 5-Headed Shark Attack jedoch die erwartete Kost mit allen unverzichtbaren Zutaten wie Haihäppchen in Bikinis oder eine junge Meeresbiologin, wobei ein angenehm flottes Tempo angeschlagen und auch durchgehalten wird und das Personal im Großen und Ganzen zu ertragen ist. Am ehesten hapert’s beim ohne Hingabe heruntergeschluderten Skript von Jacob Cooney, Bill Hanstock, Stephen Meier, Daniel Lawlor und Sean P. Hale (echt jetzt, fünf Leute – für jeden Kopf einer?), dessen einzige „Heldentat“ ein abstruser Kopfzuwachs beim Monster vom Dienst darstellt. Ansonsten ist das Geschehen vom altbewährten Hintergrundkonstrukt (ein Interessenkonflikt zwischen Leuten, die den Titelhelden entweder ausstellen, erforschen oder töten wollen) bis hin zum erschreckend einfallslosen Ende eine Abfolge des ewig Gleichen: Irgendwelche Leute fahren aufs Meer, wollen den Hai fangen oder töten und betteln gleichzeitig regelrecht darum, das nächste Opfer zu werden, indem sie immer und immer wieder am äußersten Rand ihrer Boote herumturnen. Zumindest den Fünfköpfigen freut’s – über mangelnde Verpflegung muss er sich nicht beklagen. Seine reichlich blutigen Auftritte sind es dann auch, die dem Streifen das gewisse Etwas verleihen: Mag sein, dass der mutierte Meeresräuber grundsätzlich hanebüchen und gar lächerlich ist (in einer Szene springt er auf ein Boot und sieht dabei aus wie ein riesiger silberner Handschuh – zum Brüllen), aber in manchen Momenten fand ich ihn doch ziemlich beeindruckend.

An der Optik gibt es zumindest jenseits der visuellen Effekte nichts auszusetzen: 5-Headed Shark Attack wurde on location an der sonnigen Küste Puerto Ricos gedreht und weist nicht ein einziges dunkles Bild auf – entsprechend makellos ist die allgemeine Bildqualität. Der CGI-Titelheld konnte derweil mit dem Hintergrund einer vieljährigen Hai-Erfahrung der Asylum’schen VFX-Künstler ohne böse Ausrutscher animiert werden. Selbst die vier Köpfe der, ähm ... Kopfseite hat man ganz gut hinbekommen, und wenn Blut fließt, sah das auch schon mal schlechter aus. Bei alledem gilt jedoch: Wir befinden uns immer noch mitten in der C-Klasse.

Die Darsteller sind kaum der Rede wert – was in einem Streifen wie diesem aber auch schon eine Art Lob sein kann. Nikki Howard geht als Meeresbiologin halbwegs durch, wird vom Skript aber weitgehend zur Passivität verurteilt, Chris Bruno ist in der klassischen Heldenrolle als ruppiger Profi-Haijäger eher blass als überzeugend, Lindsay Sawyer, deren „Karriere“ nach dem kurzen Auftritt in einem weiteren Asylum-Streifen (Tomb Invader) beendet war, kommt unfallfrei über die Runden und Jeffrey Holsman reicht schon sein (sorry) unangenehmes Aussehen, um einen brauchbaren Antagonisten abzugeben – schauspielern muss er da nicht mehr. Ich bin mir auch nicht sicher, ob er’s gekonnt hätte. Der Score von Chris Ridenhour und Chris Cano lässt schließlich zwei- oder dreimal interessiert und überrascht aufhorchen, verfällt aber schnell wieder in das gestaltlose Dauergedudel, das die meisten Asylum-Streifen begleitet.

Dennoch will ich nicht meckern – 5-Headed Shark Attack kann zwar selbstredend nicht über den Schatten seines Subgenres und seiner zweifelhaften Herkunft springen, hat aber durchaus seine Momente und reiht sich bei allen Mängeln unter die auch objektiv besseren Produktionen der kalifornischen Schundschmiede meines Vertrauens ein. Trash-Freunde können sich von diesem Streifen ganz gut bei Laune halten lassen, und wer schon sein Leben lang sehnsüchtig darauf gewartet hat, einmal einen fünfköpfigen Hai zu sehen, wird hier endlich erlöst.

(03/20)

Großzügige 5 von 10 Punkten, also für jeden Kopf einen – das bietet sich einfach an.






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