Review

Ein Cowboy muss tun, was ein Cowboy tun muss

"The Rider" erzählt von einem jungen Rodeo-Cowboy, dessen Kopf nach einem Sturz heftige Bekanntschaft mit der Pferdehufe gemacht hat und der sich nun zurück ins Leben und seine Bestimmung kämpft und vielleicht einsehen muss, dass es niemals mehr so wird wie früher... Das Westerngenre überzeugt schon seit Jahren durch Qualität statt Quantität, hat sich enorm weiterentwickelt und beeindruckend aufgefächert, sozusagen positiv dem Zeitgeist angepasst. Auch "The Rider" ist solch ein Neo-Western, der ungemütlich und erfrischend ehrlich ist, dem Genre neue Facetten abgewinnt und derart nah an einen Cowboy herankommt, dass es oft gar nicht mehr wirkt wie ein Film und man Schmerzen, Enttäuschungen und Wut fast körperlich spürt. Der jungen Regisseurin ist in ihrer erst zweiten Langfilmregiearbeit (!) ein meditatives und durchschlagendes Kleinod der Gefühle gelungen, das jedes Licht verdient hat, das man in diesem Kinojahr auf es werfen kann, ja muss.

Von den donnerdurchzogenen, erhabenen Aufnahmen der weiten Prärielandschaften über die innige Beziehung und das glaubhafte Verständnis zu Pferden bis hin zum verletzlichen Kern eines Cowboys, eines Mannes, eines Amerikaners - "The Rider" ist eine Mischung aus "The Wrestler" und "Der Pferdeflüsterer", ein Blick in die Seele eines Typs, eines Berufsstands, der nicht vielen gelingt oder gegönnt ist. Ein weicher Film über harte Kerle. Ein mögliches amerikanisches Meisterwerk, von dem die Welt nicht wusste, dass sie es gebraucht hat. Umso schöner, dass es existiert. Hier einen falschen Ton oder Schritt zu finden, grenzt an eine unmögliche Aufgabe. Ein besonderes Lob geht an den Hauptdarsteller und die gesamte Castriege - egal ob sie sich zum Teil selbst spielen oder nicht: man ist verzaubert, gefangen, schockiert, mitgenommen. Hinter jedem Blick verstecken sich Berge an Gedenken und Emotionen. Und dafür muss man weder reiten können noch auf einer Ranch gross geworden sein. "The Rider" zu verpassen wäre ein Sünde für jeden Kinofan.

Fazit: ein extrem emotionaler Ritt auf dem Rücken der Freiheit, im Wind der Leidenschaft, unter dem Druck der Gesellschaft, im Ruf der Bestimmung. Cowboys waren selten menschlicher, nahbarer, emotionaler, verständlicher. Ein leises und kraftvolles, niederschmetterndes und aufbauendes Highlight des Kinojahres!

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