Mit der Loveparade verbinden Generationen von jungen und jung gebliebenen Menschen positive Emotionen hinsichtlich lauter Techno-Musik und fröhlich-bunter Happenings, meist in Berlin, später auch anderenorts - bis zu jenem verhängnisvollen Juli-Tag 2010 in Duisburg, an dem 21 Teilnehmer in einem völlig überfüllten Bereich zu Tode gequetscht und hunderte weitere teils schwer verletzt wurden. Danach war nichts mehr so, wie es einst war und die Loveparade Geschichte.
Wie aber kommen nun Menschen, die damals mit dabei waren, mit diesem Trauma klar, wie haben sie das schreckliche Erlebte verarbeitet, sofern sie es verarbeitet haben? Darauf versucht die deutsche Produktion Das Leben danach eine Antwort zu geben.
Die 24-jährige Antonia Schneider (Jella Haase) gehört zu jenen, die das Unglück zwar ohne körperliche Schäden überlebt haben, deren Psyche dadurch jedoch nachhaltig negativ beeinflußt wurde. Sie hat nach wie vor Flashbacks und kommt mit sich und ihrer Umwelt überhaupt nicht mehr zurecht. Wenn es ganz schlimm wird, geht sie zu der mit Blumen, Kerzen und Bildern geschmückten Gedenkstätte und läßt ihre hilflose Wut an ebenjenen Erinnerungsstücken aus, nicht nur einmal übrigens. Dieses Mal wird sie von einer Streife entdeckt und muß stiften gehen, wobei ihr der Taxifahrer Sascha (Carlo Ljubek) behilflich ist, der seinen Fahrgast anhand der Sofortfahndung zwar identifiziert, aber nicht an die Polizei ausliefert.
Stattdessen nähert sich der ruhige, alleinerziehende Enddreißiger ganz behutsam der impulsiven jungen Dame und lernt dabei neben Antonias Eltern auch ihre Selbsthilfegruppe kennen. Als deren Leiter in Sascha jedoch einen jener Gutachter wiedererkennt, die seinerzeit das - sich im Nachhinein als ungeeignet erwiesene - Veranstaltungsgelände geprüft und genehmigt hatten, schlägt die zögerliche Zuneigung der jungen Frau ins Gegenteil um: sie will sich an Sascha, den sie für das Unglück (mit-)verantwortlich macht, rächen...
Leider weiß Das Leben danach nicht so recht, ob es mehr eine verunglückte Love Story oder eher ein pessimistisches Psychogramm einer Überlebenden sein will, denn viel mehr als die von einerseits Distanz und andererseits einigen schnellen Nummern geprägte Beziehungsgeschichte hat der Film nicht viel zu bieten. Mitleid oder gar Sympathie sind hier fehl am Platz, denn Jella Haase verleiht ihrer Hauptrolle eine ebenso eindrucksvolle wie grundsätzlich negative Aura, und die Motive des Taxifahrers, solch eine Beziehung einzugehen, bleiben auch weitgehend im Dunklen. Immerhin gelingt es Carlo Ljubek, einen prinzipiell verständnisvollen Vater darzustellen, der gedanklich allerdings nie zu seinem love interest vordringt.
In den Nebenrollen vermögen Antonias Eltern zu überzeugen, doch die jugendlich tätowierte Mama Kati (Christina Große) und der alte Brummbär Thomas (Martin Brambach, mit seiner Oldie-Rockband im Keller übend an ein musikalisches Comeback glaubend) haben viel zu wenig Screentime und dringen ebenfalls nicht zu ihrer sich allem und jedem verschließenden, unberechenbaren Tochter vor.
So mag man sich am Ende fragen, was Das Leben danach eigentlich vermitteln will, denn einen seelisch verletzten jungen Menschen beim Ausleben seiner durch Panikattacken verstärkten schlechten Manieren zu beobachten ist weder unterhaltsam noch lehrreich, zumal der Film auch nicht die geringste Perspektive für traumatisierte Loveparade-Opfer (hier stellvertretend Antonia) bietet.
Vielleicht wäre für ein größeres Publikum eine halbdokumentarische Aufarbeitung der Geschehnisse (die bis auf ein paar Sekundenbruchteil-kurze Schnipsel hier völlig unterbleibt) interessanter gewesen, doch das sinngemäße Zitat "wenn Du nicht dabei warst, weißt Du gar nichts" schließt auch empathische Zuschauer kategorisch aus. Schade, dafür gibts dann auch nur distanziert-neutrale 5 Punkte.