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„Tanz der Vampire“ ist Regisseur und Drehbuchautor Roman Polanskis („Rosemaries Baby“) Interpretation der Vampir-Thematik in Form einer beschwingten Horrorkomödie. Der Film stammt aus dem Jahre 1968, entstand in britisch-US-amerikanischer Koproduktion und stellt damit Polanskis Hollywood-Debüt dar. „Tanz der Vampire“ gilt seit langer Zeit gemeinhin als Klassiker.

Professor Abrosius (Jack MacGowran, „Der Exorzist“) und sein Schüler Alfred (Roman Polanski persönlich) suchen im Rahmen ihrer Vampirforschungen die transsylvanische Provinz auf und geraten in die Fänge des Vampirs Graf von Krolock (Ferdy Mayne, „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“) und dessen Gefolgschaft. Abrosius und Alfred versuchen, Wirtstochter Sarah zu retten und geraten selbst in tödliche Gefahr...

Polanski gelang es mit „Tanz der Vampire“, eine klassische Slapstick-Komödie mit Vampirfilm-parodistischen Elementen zu verknüpfen und in starke Bilder in kräftigen Farben zu tauchen, die viel winterlich-morbide Atmosphäre ausstrahlen. Daraus entstand eine im positiven Sinne alberne Komödie für die ganze Familie, an der sowohl die Kinder als auch ältere Freunde dieser Art Humors sowie zur Selbstironie fähige Horrorfans ihre Freude haben dürften. Dafür sorgen allein schon die schrulligen, kauzigen Charaktere, angefangen beim zerstreuten Professor Abrosius über den trotteligen Alfred, den schwulen Krolock-Sprössling Herbert (Iain Quarrier, „Wenn Katelbach kommt...“) bis hin zu den Dorfbewohnern, die allesamt aus herrlich geschminkten Charakterköpfen bestehen – von erotisch in Szene gesetzten drallen Dirnen wie Sharon Tate („Rosemaries Baby“), die die Tochter des Dorfwirts spielt, einmal abgesehen. Die mit viel Liebe zum Detail aberwitzig und überzeichnet ausstaffierten Kulissen bieten den richtigen Spielgrund für die sich in ihr abspielende Farce. Die mit schwelgerischer Kamera eingefangenen Außenaufnahmen der verschneiten Winterlandschaft setzen den hellen Kontrastpunkt zum dunklen Gemäuer und sind wunderschön anzusehen.

Der grundlegend sympathische und bei allen Albernheiten niveauvolle Film ist allerdings – sicherlich seiner Ausrichtung geschuldet – wenn überhaupt, dann nur bedingt als spannend zu bezeichnen. Wessen Humor er nicht trifft, dem wird er neben dem visuellen Genuss nicht viel zu bieten haben. Leider ist „Tanz der Vampire“ für meinen Geschmack auch immer wieder zu lange frei von musikalischer Untermalung, die, wenn sie denn eingesetzt wird, so manche Szene veredelt. Gewiss hätte man aus der Vampir-Thematik auch noch einiges mehr herausholen können, doch Polanski nimmt sich die Freiheit, sich von ihr nicht einengen zu lassen; zieht sein eigenes Ding durch, ohne allzu sehr auf die Genreklassiker zu schielen. Eine hervorragend und höchst amüsant choreographierte Tanzszene im Ballsaal ist dabei einer der Höhepunkte, die „Tanz der Vampire“ in all seiner Unbekümmertheit zu bieten hat. Ein weiterer ist die mit der Tradition der Komödien-Happy-Ends brechende Pointe.

Fazit: Sehenswerter Film, mit dem Polanski sein filmschaffendes Geschick ebenso beweist wie viel Humor, der so gar nicht zu seinen ansonsten gern düsteren Filmen passen will und wesentlich leichter verdaulich ist als der schräge „Was?“, für den er sich ebenfalls im komischen Bereich bewegte und eine Rolle übernahm.

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