Von Bienenstichen und Wespenbissen
"Sommerhäuser" ist eine geniale Visitenkarte von Regiedebüt, dass der Nostalgie den Mittelfinger zeigt und das Gartenparadies der Bundesrepublik unterwandert wie ein alptraumhafter, unaufhaltsamer Schimmel. David Lynch trifft auf Paolo Sorrentino, "M" auf "Grey Gardens". Erzählt wird aus einem Jahrhundertsommer in den 70ern, wo eine Familie sich nach dem Verlust ihrer Großmutter in ihrem Gartenparadies zusammenrottet und bald schon das Bröckeln hören kann - das der Familie, das einzelner Scheinleben und vielleicht sogar das einer ganzen Generation & Gesellschaft. Meditativ, geerdet, jedem bekannt.
Subtil und beunruhigend skizziert Sonja Kröner beeindruckt detailliert eine allzu oft verklärte Epoche. Eine Momentaufnahme voller Kuchen und Wespen, Schein und Sein, Sonne und Schweiß, Leben und Tod, Jugend und Alter, Natur und faulender Zivilisation. Ein zutiefst pessimistischer und böser Ansatz, besonders wenn man die Jugend und deren Ausblick in diesem grünen, schleichendem Alptraum betrachtet. Kein Film für ältere Herrschaften, die gerne von den "guten alten Zeiten" schwadronieren. Oder für gerade eben diese. "Sommerhäuser" ist der beste Horrorfilm des Jahres, der selbst kaum weiß, dass er einer ist.
Fazit: eine wunderschöne, böse, unterschwellig bedrohliche Dekonstruktion der deutschen Familienidylle und unserer Früher-war-alles-besser-Schrebergartennostalgie. Love & Peace war gestern - oder eben nicht. Green Velvet!