Review
von Leimbacher-Mario
Große Klappe, nicht genug dahinter
Pfiffige Helden/Protagonisten mit coolen Sprüchen, die vielleicht sogar selbst leicht angetrunken sind - ein Gewinn für jeden Splatterspass, bei dem auch wir Zuschauer öfters mal ein Bierchen zischen und gerne frech, neunmalklug unterhalten werden?! Grundsätzlich stimmt das - aber „Dead Shack“ ist das perfekte Beispiel dafür, dass frotzelnde Sprüche, sprudelnde Familienchemie und lässige Teenager es auch übertreiben und kontraproduktiv sein können... Die knackige kanadische Zombiematscherei erzählt von einem alleinerziehenden, junggebliebenen Familienvater, der zusammen mit seiner neuen Freundin und drei Teenagern (zwei davon seine Kinder) einen Ausflug in eine alte Waldhütte macht - und feststellen muss, dass die dortige (heiße) Nachbarin Leute an ihre angekettete Zombieverwandtschaft verfüttert...
Wenn „Dead Shack“ splattert und matscht, dann macht er das gut. Selbst wenn er erst viel zu spät einigermaßen warm läuft. Doch die Mischung aus „Wyrmwood“ und „Tucker & Dald vs. Evil“ hat weit größere Probleme, als seine respektablen Goreeinlagen und Horroreinschübe. Mir gingen nämlich selten Jugendliche so sehr auf die Nerven, wie die beiden Kinder hier! Besonders der Sohn ist eine ätzende Nervensäge, ein heilloses Plappermaul und ein unsympathischer Besserwisser, wie man ihn selten sieht. Und der betrunkene Vater ist auch nicht viel besser. Immerhin ist die Abstammung so nicht zu leugnen... Spaß beiseite - augenzwinkernde Sprüche, Familienbande und Insiderjokes schön und gut, doch irgendwie wurde hier mein Bogen total und erstaunlich flott überspannt, zudem dadurch oft jegliche Anspannung und jeder Einsatz heruntergefahren. Da war ja selbst das vierte Rad im Bunde, der (anfangs) feige Loser noch erträglich gegen. Man man man, selten hat mich eine Kleinfamilie so sehr auf dem falschen Fuß erwischt. Vielleicht war ich auch einfach nicht in der richtigen Stimmung oder deren Wellenlänge, vielleicht habe ich mehr Horror als familiäre Stand Up-Comedy erwartet. Aber die gingen für mich gar nicht! Und da sie und ihre Verbundenheit und Gefühle füreinander hier ohne Frage den Kern der Chose darstellen sollen, hatte „Dead Shack“ auch nie wirklich eine Chance auf den grünen Bereich... Obwohl ansonsten eigentlich viel stimmt und sogar sympathisch ist, von der gesunden Härte bis zum leichten Retrofeeling. Wer die Gören, die Familie allerdings fühlt - für den steigt „Dead Shack“ bestimmt direkt zu einem Geheimtipp...
Fazit: in seinen besten Momenten ein lobenswert unreifer, spaßiger, frecher Zombieerguss aus Kanada. Auf der anderen Seite aber mit unfassbar nervigen, möchtegern-coolen Angewohnheiten/Figuren, zu viel grau-blassem Brei und wenig Abwechslung. Gemischte Tüte für Funsplatter-Unpingelige. Und starke Nerven. Oder Kindergärtner.