Eigenwillige Genremixe spalten gerne das Publikum und so dürfte es auch dem Beitrag des französischen Regieneulings Mathieu Turi ergehen, der eine Mischung aus Endzeithorror und Romanze präsentiert, an dessen Pointe sich die Geister scheiden dürften.
Juliette (Brittany Ashworth) ist eine der wenigen Überlebenden einer Apokalypse, als sie sich mit ihren Jeep in der Wüste überschlägt und mit gebrochenem Schienbein dazu verdammt ist, im Fahrzeug zu verharren. Während sich ihr blutrünstige Kreaturen nähern, denkt sie an ihre Beziehung zum Galeristen Jack (Grégory Fitoussi) zurück…
Die Geschichte ist klar in zwei unterschiedliche Ebenen eingebettet: Zum einen der Belagerungszustand und zum anderen die regelmäßig eingestreuten Rückblicke, die einer Melange aus „Pretty Woman“ und „Love Story“ folgen und so rein gar nicht zum Terror in der Jetztzeit passen wollen.
Zumindest anfangs nicht, denn auf Dauer ergeben sich einige Parallelen zwischen den Ebenen, die teilweise erst im letzten Drittel einen Sinn ergeben.
Bei der Konzentration aufs nackte Überleben macht Turi nahezu alles richtig. Er zeigt die Angreifer lange Zeit nur schemenhaft und fokussiert sich stattdessen auf Umgebungsgeräusche, während die Kamera stets die passenden Blickwinkel findet, welche zusätzlich Suspense schüren. Folgerichtig nimmt die Romanze stets Fahrt heraus und folgt zahlreichen Klischees, zudem neigt sie zur Sprunghaftigkeit. Ferner dauert es eine ganze Weile, bis sich die Rückblicke aufgrund einiger dramatischer Ereignisse ein wenig interessanter gestalten und einen Bezug zur gegenwärtigen Situation herleiten.
Irritierend ist bei alledem die qualitativ sehr unterschiedliche Leistung von Hauptdarstellerin Ashworth. Innerhalb des Endzeitszenarios performt sie sehr überzeugend und kraftvoll und gibt eine taugliche Identifikationsfigur ab. Als modernes Aschenputtel hingegen versagt sie in nahezu allen Belangen, wirkt verkrampft und vermag es nicht, die anberaumte Chemie zu ihrem Partner Fitoussi zu entwickeln, welcher als uneigennütziger Samariter zumindest sympathisch erscheint. Als Glücksgriff erweist sich indes mal wieder Javier Botet in seiner Paraderolle als Mutant, der mit entsprechender Körperbeherrschung und hilfreichem Make-up einige Gänsehautmomente generiert.
Mutig ist so ein ungewöhnlicher Genremix allemal, befriedigen dürfte er jedoch nur einen geringen Anteil der Zuschauer, zumal der arg konstruierte Ausgang ebenfalls aneckt.
Während die Horroranteile durchaus atmosphärisch intensiv gestaltet und mit einigen spannenden Einlagen versehen sind, kommt die Beziehungskiste nur sehr langsam in Fahrt und bedient einige Klischees, bevor es in der letzten Viertelstunde ans Eingemachte geht.
Ein homogenes Gesamtwerk sieht zwar anders aus, doch mit entsprechender Erwartungshaltung kann man „Hostile“ eine kleine Chance gewähren.
Knapp
6 von 10