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Hier handelt es sich weniger um eine biografische Dokumentation im ursprünglichen Sinne, sondern vielmehr um den Versuch, Nostalgie zu entfachen und das Phänomen "Bud Spencer" gebührend zu feiern. Was gäbe es auch Informatives über diesen Mann zu berichten, das nicht ohnehin schon jeder weiß, der es seit Kindheitstagen mit dem Dampfhammer hält? Den "seriösen" Ansatz verwerfen die Macher mit Augenzwinkern schon nach wenigen Minuten: Trockene Interviews werden lieblos auf Italienisch mit deutschen Untertiteln eingeblendet, bevor uns Terence-Hill-Synchronstimme Thomas Danneberg erlöst und den Startschuss gibt für einen liebevoll montierten Vorspann, der reichlich Farbe in das Grau-in-Grau der Retrospektive pfeffert und die Marschrichtung angibt für den ab sofort angeschlagenen Ton.

In Sachen Regie und Schnitt ergibt sich im Anschluss eine Collage, die ohne jeden Zweifel von Fans für Fans angefertigt wurde. In jeder einzelnen Montage spürt man den Enthusiasmus und das Feingespür, mit dem die passenden Sprüche aus dem legendären Repertoire Rainer Brandts ausgewählt werden, als ginge es darum, die passende Bohnensorte zum edlen Wein zu finden. Und was wäre ein solches Unternehmen ohne die Ohrwürmer der Oliver Onions? Gemischt mit den gut dosierten (d.h. nicht omnipräsenten, aber stets zur richtigen Zeit zurückkehrenden) Worten Dannebergs und den Audio-Zitaten der vier Fäuste ergibt sich auf der Tonspur ein Feuerwerk an Memorabilia, das übermenschliche Kräfte freizusetzen weiß.

Die Struktur der Handlung folgt dabei einem klassischen Road Movie. Man hat erkannt, dass der Fan-Kult um den italienischen Schauspieler der Kern seines Schaffens ist, also führen uns zwei Fans als Repräsentanten der Zuschauer durch den Film. Anfangs noch getrennt voneinander, lassen sie uns an ihrer Geschichte teilhaben, bevor sie auf einer Convention erstmals aufeinandertreffen und sich dazu entschließen, ihrem großen Idol zu nachreisen, was aus dramaturgischen Gründen mit vielen Rückschlägen und Zwischenstationen verbunden ist. Auch wenn die Protagonisten einen grundsätzlich sympathischen, sehr selbstironischen Eindruck machen, so nimmt man die geskriptet anmutende Zusammenkunft der Beiden doch sehr zwiespältig auf. Den Anspruch an Authentizität kann das Werk in dieser Hinsicht nicht aufrecht erhalten; bereits die Ähnlichkeit ihrer äußeren Erscheinung zu Spencer und Hill hat nichts mit Zufällen zu tun, sondern dient lediglich dazu, dass sie sich nach Art der Filme gegenseitig anpflaumen können. Immerhin pfeift jeder von ihnen auf politische Korrektheit und treibt erfrischend offen Späße mit den Handicaps des jeweils anderen, was durchaus erfrischend herüberkommt.

Fremdscham wird jedoch freigesetzt, wenn sie begleitet vom Kamerateam an den Türen ehemaliger Wegbegleiter klopfen und stammelnd wie kleine Kinder zu Halloween vortragen müssen, auf welcher Mission sie sind - insbesondere, weil die erste Reaktion der Besuchten ausnahmsweise alles andere als geskriptet wirkt, sieht man in ihren Gesichtern doch zunächst nur Verwirrung und Ablehnung. Und doch ist es schön, all die Bekannten von früher wiederzusehen, darunter die eingangs genannten Oliver Onions oder Stamm-Prügelknabe Riccardo Pizzuti, der sich trotz der vielen blauen Bohnen, die er in seiner Karriere kassiert hat, ziemlich gut gehalten hat. Andere Prominente wie Rainer Brandt oder Terence Hill kommen in Interviews außerhalb der Haupthandlung zusätzlich zur Sprache.

Eigentlich macht "Sie nannten ihn Spencer" genau das Richtige: Er setzt die passenden Schwerpunkte, um eine Ahnung davon zu geben, was den Kult um den 2016 verstorbenen Carlo Pedersoli ausmacht und weshalb diese stumpfsinnigen Prügelkomödien aus den 70er und 80er Jahren immer noch in aller Munde sind. Die Montage in Sachen Ton- und Bildschnitt setzt regelrechte Frühlingsgefühle frei. Allerdings erzwingt die Haupthandlung die Bezüge zwischen den Fans und den Stars zu sehr, was bisweilen in verkrampft wirkenden Situationen resultiert, die das forsche Duo immerhin manchmal mit respektlosen Sprüchen zu kontern weiß.

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