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"Der Schuh des Manitu" hat Fußabdrücke Größe 50 in der deutschen Filmlandschaft hinterlassen, die auch heute noch sichtbar sind. Dass man nicht damals schon die komplette "Bullyparade" auf die Leinwand brachte, sondern sich gezielt eine Sketch-Reihe aus der Show aussuchte, war eine bewusste Entscheidung im Umgang mit dem Transfer von einem Medium ins andere. Es ist eine Breitwand-Westernparodie geworden, deren ursprünglicher TV-Rahmen bis zur Unsichtbarkeit zurückgedrängt wurde. Alleine schon visuell kokettierte man leidenschaftlich mit US-Filmproduktionen und entfernte sich dadurch so weit wie möglich vom bundesdeutschen TV-Zapping, nicht zuletzt, um einen humoristischen Kontrast zwischen international konkurrenzfähigen Produktionswerten und der urigen Zelebration regionaler Dialekte zu erzeugen. Knautschige Visagen, die sich mit Bayrisch und Sächsisch einen abknödeln, versetzt in die künstliche Welt des Films, darin liegt vermutlich das Geheimnis des Schuhs.

Mit "(T)Raumschiff" (den vollen Titel möchte niemand mehr aussprechen und bestimmt auch niemand mehr hören) strebte man zumindest bezüglich der cineastischen Maßstäbe Vergleichbares an, hinterließ aber nur eine infantile Fußnote. Der Genre-Spagat zwischen Western (der als Geheimzutat sozusagen die "Surprise" darstellte) und Science Fiction als Verbeugung vor dem Format der "Bullyparade" wollte damals schon nicht so recht gelingen und nun sauert das kurzlebige Astronauten-Abenteuer im Kellerregal irgendwo neben "7 Zwerge - Männer allein im Wald" vor sich hin und wird die Mülltonne wohl mit höherer Wahrscheinlichkeit von innen sehen als noch einmal den DVD-Player.

Tja, und jetzt also doch noch "Bullyparade - Der Film". Die vollständige Bekenntnis zum Episodenformat muss nicht grundsätzlich etwas Schlechtes sein; immerhin hat der Sketch-Film dank Monty Python und Zucker-Abraham-Zucker eine traditionelle Basis, auf welche Bully allerdings kaum bis gar nicht eingeht. Nimmt man den vielversprechenden Prolog um "Zurück in die Zukunft"-Zitate, den Mauerfall und die Verhinderung von David Hasselhoffs Mauernsprenger "Looking For Freedom" mal aus, liefert die Verfilmung der TV-Show eine gerade Linie von A nach B, hangelt sich also fein säuberlich von Abahachi über Sissi Richtung Spucki und Captain Kork. Und ja, das ist so öde wie es klingt.

Der gemäß Zeitstrahl eröffnende "Manitu"-Abschnitt ist in vielerlei Hinsicht gar nicht so weit vom Original entfernt und hätte sich für dessen Fans auf Filmlänge gestreckt möglicherweise sogar als brauchbares Sequel entpuppt. Es zitiert erwartungsgemäß (und wenig originell) jüngere Western-Filmgeschichte ("Django Unchained") und sich selbst (die allseits bekannte "Gesamtsituation", dargeboten als selbstreferenzieller Sketch - hat man da möglicherweise beim Theaterstück von "Thor 3" abgeguckt?), bietet alte Bekannte (Sky Du Mont) und dicke BMX-Stunts (!?) auf und lässt die Künstlichkeit der Sets in grellen Farbkontrasten strahlen.

Als der Off-Kommentator dann den ersten Jump Cut anmoderiert und zu Sissi beim Umdekorieren ihres neuen Erwerbs überleitet, ist der Film immer noch nicht so hundertprozentig verloren; doch je weiter er voranschreitet, desto gleichförmiger und weniger originell erscheinen die Verbindungen. Nicht einmal die drei Avantgardisten mit Sonnenbrille, quacksalbernd in ein Fischauge, können mit ihren Nonsens-Cameos die Ordnung durcheinanderbringen, die irgendwann unumgänglich in die von Lens Flares zum Strahlen gebrachte Zukunft führen würde, wo das Hauptdarsteller-Trio dann einmal mehr seine Paradefiguren aus der Mottenkiste holen darf, tuckig und albern wie eh und je.

Mag man die "Bullyparade", wird man sicherlich recht passabel bei Laune gehalten, aber selbst dann ist spürbar, dass Herbig, Tramitz und Kavanian ihren alten Rollen im Grunde längst entwachsen sind. Mag man sie nicht, erlebt man gar eine Zeitreise in die Hölle: Je tiefer man in die Zukunft vorstößt, desto qualvoller das Leid.

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