Irgendwo abends in Ljubljana: Zina (Nina Ivanisin) ist Anfang dreißig und hängt mit ein paar Freunden in einer Kneipe ab - sie hat gerade eine Enttäuschung in ihrem Privatleben erfahren und kann etwas Zuspruch gebrauchen. Nach einigen Runden Schnaps einer ganz besonderen Hausmarke jener Kneipe schafft sie es gerade noch, einen aufdringlichen Kneipenbesucher am Klo abzuwehren, dann muß sie sich auf ihren nächsten Job vorbereiten: Zusammen mit der deutlich jüngeren und bezüglich Model-Karriere ambitionierten Mia, die sich als nervtötende Quasseltante entpuppt, steht tags darauf ein Foto-Shooting in den nahegelegenen Bergen an, zu dem der Profi-Fotograf Blitcz geladen hat. Gesagt, getan, bald sitzt das Trio in dessen SUV und steuert die malerische Location an, die Visagistin Dragica gesellt sich auch noch dazu. Dann aber betreten zwei häßlich degenerierte Hinterwäldler die Szenerie und greifen die drei Damen und den Fotografen unvermittelt und ohne Warnung an...
Ein Horror-Film aus Slowenien? Tatsächlich, Idylle wurde im 2-Millionen-Einwohner-Staat ausgedacht und gedreht - es ist das Regiedebut von Tomaz Gorkic, und ich darf es vorwegnehmen, es ist durchaus gelungen. Zwar wird das Genre nicht neu erfunden und enthält viele Versatzstücke aus der bekannten Redneck-Thematik (Wrong Turn und Konsorten lassen grüßen), dennoch gelingt Killbillies (unter diesem Titel wird der Film in den USA vermarktet) ein fast schon eigenständig zu nennendes Profil. Das liegt zum Teil am verwendeten Panorama der Berge, die als prächtige und friedliche Kulisse für den Hinterwäldler-Horror dienen, zum anderen aber an den Rednecks selbst, speziell an Francl (Lotos Sparovec).
Diesem Francl hat die Maske nicht nur ein weißgott ekelhaftes Aussehen verpasst, sondern vor allem sein selbstherrliches, von keinerlei Zweifeln oder gar Mitleid geprägtes Auftreten machen einen Großteil der Faszination des Films aus. Der in der Krachledernen agierende Francl, den man von Weitem für einen inzest-degenerierten Stallknecht halten könnte, der wenig spricht und nur ein altes Beil mit sich führt, sperrt mithilfe eines (ebenfalls bemerkenswert häßlich missgestalteten) Handlangers die verängstigten Städter im Keller ein. Die ältere Visagistin wird dann als erstes Opfer auserkoren und in einen anderen Raum gebracht. Nun könnte man ein Dahinmetzeln oder eine Vergewaltigung vermuten, aber stattdessen wird Dragica auf einen Holztisch geschnallt und eine geheimnisvolle Apparatur wird in Gang gesetzt: Genüßlich zelebriert die Kamera, wie in den Kesseln und Flaschen langsam Dampf aufsteigt, sich die zahlreichen Schläuche füllen und leeren und schließlich am Ende das Produkt in eine Flasche rinnt: Es ist der Schnaps! Jener Schnaps, den Zina am Abend zuvor in der Kneipe genossen hat und der von den Hinterwäldlern an der Strasse verkauft wird - allerdings nicht an jeden.
Von dieser Schnaps-Produktion auf Menschenopfer-Basis wissen die Eingesperrten noch nichts, als sich eine von ihnen entschließt, aktiv um ihr Leben zu kämpfen - ein blutiges Katz- und Mausspiel durch Haus und Wald beginnt, bei dem alle Seiten Verluste erleiden. Die wenigen Splatter-Szenen sind dabei durchaus überzeugend in Szene gesetzt und bis zum Schluß bleibt es spannend, wer am Schluß triumphieren wird. Lediglich das vor dem Abspann zitierte Gedicht vom Leben, das einen zynischen Abschluß des mit Idylle ebenso zynisch betitelten Films darstellen soll, hätte man weglassen können. Ansonsten steht die slowenische Low-Budget-Produktion seinen unzweifelhaft amerikanischen Vorbildern in nichts nach. Bei der geheimnisvollen Keller-Apparatur handelt es sich übrigens um eine alte Destillier-Vorrichtung, wie sie im ehemaligen Jugoslawien (und damit auch in dessen nördlichstem Nachfolgestaat Slowenien) allüberall am Land zu finden war und ist - ein ebenso preisgünstiges wie wirkungsvolles Requisit, das man aufgrund des Standorts "vor der Haustür" genauso wie die Bergkulissen ohne Studio-Tricksereien nutzen konnte und wirkungsvoll eingesetzt hat.
Insgesamt ein unterhaltsamer Streifen aus Slowenien, der möglicherweise (beachte die Schlußpointe nach dem Abspann) auch noch eine Fortsetzung erfährt - ich jedenfalls hätte nichts dagegen. 7 Punkte.