Review

Zuweilen kann es recht prickelnd sein, wenn Protagonisten im Horrorfilm in ihr Unglück rennen, obgleich lange unklar ist, wie dieses denn konkret aussehen mag. Auch Regieneuling Max Perrier spielt mit mehreren Möglichkeiten, nur leider kann er sich bis zum Schluss für keine entscheiden.

Marcus wittert das schnelle Geld in den Wäldern von Alaska, wo sich einer schlichten Beschreibung nach eine Menge Marihuana befinden soll. Mit Freundin Stella und deren Schwester Lydia im Gepäck begibt sich das Trio in ein Gebiet, in dem es mehr als nur spukt…

Mit der hölzernen Vorstellung der Figuren läutet Perrier einen Horror-Trip ein, der zunächst recht amateurhaft anmutet, als Marcus seiner betrunkenen Mutter Geld stehlen will und die Quittung in Form eines Baseballschlägers erhält. Als er kurz darauf bei einem Kumpel auftaucht, der ihm den Wink mit den Drogen gibt, schaut es kaum besser aus, denn Szenen in geschlossenen Räumen liegen Perrier offenbar gar nicht, wofür die schwache Kamera und die hölzernen Dialoge nebst schwacher Nebendarsteller sprechen. Und auch die Wegbeschreibung, die mit fünf Bäumen, zwei Straßen und einem Schild nach der vagen Beschreibung eines Kindergartenkindes aussieht.

Doch sobald das Trio im Wald strandet und sich Hinweise auf begangene Gewalttaten mehren, nimmt die Szenerie eine latent bedrückende Stimmung an. Marcus ist zwar alles andere als ein Sympathieträger, da er ständig flucht und nur auf das eigene Wohl bedacht ist, doch zumindest ist Lydia eine ruhige, die realistische Träume verfolgt, denn sie will nach Europa reisen, um die Pyramiden zu sehen. Na, viel Spaß bei der Suche.

Diesen haben unsere Figuren nur bedingt, denn Stella will per Anhalter zurück in die Zivilisation, während die beiden anderen durch Waldabschnitte latschen, Indianerdämonen begegnen, im Motel auf einen mental kaputten Typen treffen, um kurz darauf erneut ins Grüne aufzubrechen, wo man schließlich auf ein stummes Indianermädchen, einem vermeintlichen Kannibalen und zig Skelette an Bäumen trifft.

Das Drehbuch wechselt von einer möglichen Bedrohung zur nächsten. Erst sind es streunende Wölfe, dann eine hünenhafte Gestalt mit Fell, es gesellen sich Geister hinzu und noch einige Indianer mit undurchsichtigen Zielen. Bethel (in Alaska, nicht in Bielefeld) scheint ergo ein merkwürdiger Fleck zu sein, wo sich einige Mysterien abspielen, die sich allerdings nicht so ganz erklären lassen. Auch nicht von Autor und Regisseur Perrier, der sich offensichtlich nur halbgare Gedanken gemacht hat.

So offenbart sich ein Survivaltrip mit interessanten Einzelideen, die im Gesamtgefüge teils wenig bis gar keinen Sinn ergeben. Passabel gefilmt ist das, zweckdienlich performt wird auch und mit einfachen Mitteln wird eine morbide Grundstimmung erzeugt, die nicht von ungefähr an die Kannibalenfilme der 70er und 80er erinnert. Hinsichtlich der spärlich eingestreuten Gewalteinlagen scheint die FSK18 allerdings etwas zu hoch angesetzt, denn über etwas Gekröse, viele Menschenknochen und angedeutete Steinschläge kommt das Gezeigte nicht hinaus.

Handwerklich ist das für ein Debüt okay, doch storytechnisch bietet sich ein heilloses Durcheinander ohne Erklärungen oder Background. Schauplätze, Set-Design und Sounduntermalung reißen noch etwas raus, doch wer letztlich etwas Schlüssiges erwartet, darf sich stattdessen sein eigenes Mysterium zusammenreimen.
4,5 von 10

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