Review

Kalter Knastkrieg


Nachdem Linda Blair in jungen Jahren dem eingeschlichenen Teufel gerade so entkommen konnte, wird sie in „Red Heat“ vollkommen unschuldig in ein echtes DDR-Drecksloch gesteckt, das dem siebten Kreis der Hölle sicher Konkurrenz machen kann... 

„Red Heat“ ist ein klassischer Knast-Exploitationer und Women-in-Prison-Schocker, der seiner Zeit zwar nicht gerade voraus war, ganz im Gegenteil, der aber dennoch überraschend viel her macht. Die Darstellerinnen sind nicht nur fies, frech und zeigefreudig, sie können oft genug sogar was. Zudem ist der sphärische und vollkommen typische Tangerine Dream-Score edelste Sahne, trotz all dem Dreck stimmt der 80er-Glanz und vor allem ist die trostlose, kalte Atmosphäre wahnsinnig abstoßend und lässt fast jeden unfreiwilligen Lacher im Halse verstummen. Das ist ein ganz nihilistischer Propaganda-Kotzeimer, der auch mal die Schattenseite seines glitzernden, oberflächlichen Jahrzehnts beleuchtet. Selbst wenn diese hier gnadenlos überzogen, alptraumhaft aufgezogen und einseitig betrachtet werden. Aber von den gesichtslosen Richtern oder lesbischen Spielchen über die selbstgestochenen Tattoos bis zu Pömpel-Vergewaltigungen und einer bleihaltigen Befreiungsaktion - „Red Heat“ macht seinem Namen alle Ehre. Und das schon Jahre vor dem gleichnamigen Arnie-Kracher... Kritik? Das Ende macht es sich etwas leicht, eine etwas kürzere Laufzeit hätte auch nicht geschadet, die Nebenfiguren bekommen kaum Zeichnung und die (überschaubaren) Actionsequenzen sind zu beliebig, zu zahm und oft auch noch in Dunkelheit aufgenommen. Ansonsten passt das schon.
 
Fazit: die Stimmung ist bedrückend, die Atmosphäre ist dicht, die Damen sind dreckig und dennoch nett anzusehen und der Tangerine Dream-Score zergeht im Ohr - deswegen reicht's trotz einiger Längen und wenig inhaltlicher Höhepunkte zu einem der besseren WiP-Movies seiner Zeit. Bei weitem nicht so trashig und billig, wie man meinen könnte... 

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