Review

kurz angerissen*

Man munkelt ja, dass Nicolas Winding Refn sich darauf vorbereitet, William Lustigs „Maniac Cop“ neu anzugehen. Vielleicht sollte er zur Vorbereitung nicht nur den New-York-Slasher studieren, sondern in der Kaffeepause zwecks Horizonterweiterung auch mal einen Blick auf das Insel-Psychodrama „Depressive Cop“ werfen.

Bertrand Mandico spinnt binnen 12 Minuten wahnwitzige symbolische Verknüpfungen, die an der melancholischen Titelfigur wie weißes Rauschen vorbeiziehen. Spurensuche, Zeugenbefragung, all das wird gesteuert durch die Augen einer trostlosen Maske der Unbeweglichkeit, die kaum mehr Emotionen sichtbar macht als die konturlose Maske des Michael Myers.

Dabei fördert das grieselige Grau-in-Grau der schottischen Küste allerhand Geheimnisvolles zutage, das an die Tage des Verschwindens von Laura Palmer erinnert. Elina Löwensohn scheint der Schlüssel zu allen Rätseln zu sein; von ihr gehen nicht nur sämtliche Monologe aus, sondern auch alle surrealen Mutationen des Drehbuchs: Vom Auge im Kaffeebecher bis zum Buch vor dem Kopf. Typisch für Mandico ist die verwendete Symbolik grobschlächtig, effekthascherisch und ein wenig prätentiös, durch die kreative Bildmontage und die Verlinkung mit dem betäubenden Soundtrack (inklusive Party-Szene mit mindestens einem Aphex-Twin-Kenner) entsteht aber eine Stimulation von Sinnesreizen, die man als Freund verschrobener Lynchismen nur genießen kann.


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