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Als Wu Jing 2015 mit seiner autark gestemmten Projektarbeit (Special Force) Wolf Warrior zum zweiten Mal in der Laufbahn und diesmal nach einem kleineren Knick in der Karriere die Geschicke erneut in die eigenen Hände nahm, gestaltete sich dieses Werk in seiner Anpassung an sowohl Politik als auch Publikum bereits als Abbild des modernen Chinesischen Filmes, wie er in den folgenden zwei Jahren bis heute mit weiteren eklatanten Beispielen à la Operation Mekong, Operation Red Sea und Sky Hunter angehäuft wurde und dies wohl auch die zumindest nähere Zukunft des einstmals in sich selber verschlossenen, nach außen hin eher künstlerisch und kulturell wertvoll betrachteten Mediums ist. Der Weggang vom leisen Programmkino und den geadelten Festivalitäten hin zu einer vermehrt (inter)nationalen Ausrichtung,  mit teils westlichen Darstellern wie damals vor allem Scott Adkins als Gegenspieler, zeitgenössisch illustrativen Actionszenen und einer im Grunde rudimentären, bestenfalls konventionellen, schlechterdings recht fadenscheinigen Geschichte versehen, die auch für Außenstehende allgemein verständlich ausgerichtet und zusätzlich mit mehr oder minder offener Propaganda auf den gesteigerten Geltungsdrang von Staat und Bevölkerung Rücksicht nehmend ist. Eine Mischung aus Golan/Globus, Bruckheimer und dem Parteiheft, aus Fahnenschwingen im kommunistischen Puppenhaus und gelebter Globalisierung.

Mit seinem Werk zwischen Popcorn und Agitation, eher in seiner Unbeholfenheit im Ausdruck bzw. dem allzu viel an bemüht Offensichtlichen unfreiwillig komisch als tatsächlich ärgerlich, und dennoch als B-Picture so noch im Bereich des mild Sympathischen und als regimeunabhängiger Actionfilm eben nicht als reiner Staatsauftrag platziert, gelang Wu ein kleiner Überraschungserfolg, der auch in westlichen Kreisen wesentlich distribuiert wurde und aufgrund dessen schnell eine Fortsetzung (und so dem Mittelteil einer geplanten Trilogie) generierte. Ein Sequel, dass wie sein Vorgänger solange belächelt wurde, wie die Ankündigung noch Ankündigung war und das Marketing noch Marketing; bis die ersten Einspielzahlen an den einheimischen Kinos verlautbart wurden und ein Kassenrekord nach dem anderen und dies bis in dato unvorstellbarer Schnelligkeit und Auswuchs bis zu insgesamt über 850 Mio. USD fiel. Im Dschungel ist der Teufel los. Die jetzige Aufmerksamkeit, inklusive auch zahlreichen Berichten in eben dem Film als Kunst- und Unterhaltungsform fernen Medien oder profilierten 'Blättern', die sich gewöhnlicherweise nicht dem gemeinen Spektakelkino mit seinen Schießereien, Schlägereien, Explosionen als simplen dramaturgischen Aufbau und schon gar nicht der (üblicherweise) damit hausieren gehenden DtV - Veröffentlichung widmen, ist natürlich rein der finanziellen Kraft geschuldet, die die immerhin in allen Belangen großspurige und so zuweilen auch druckvolle Produktion erwirtschaften konnte. Und nur zufälligerweise damit einhergehend ist auch die laute Diskussion um den (je nach Meinung offensiven, teilweise gar mit dem Deutschen Staatskino der Dreißiger des Vergangenen Jahrhunderts verglichenen) Inhalt und die allgemeine Aktualität.

Zahlen wurden geliefert, Vergleiche auf- und angestellt, Analysen zum politischen, sozialen, gesellschaftlichen, militärischen Tagesgeschäft errichtet und teils auch Warnungen vor der neuen Großmacht China und seine Auswirkung auf die Weltöffentlichkeit ausgesprochen, als ob der (sicherlich national gehaltene und das Kollektivbewusstsein ansprechende) Film in seiner Mentalität als pubertärer Radaubruder im Blutrausch, mit viel englisch Radebrech und Augenrollen allein und entscheidend Faktor und Vorbote einer neuen gefährlichen Bedrohlichkeit vom Fernen Gelben Osten aus ist:

Drei Jahre nach dem Einsatz bei der Spezialeinheit der Wolf Warriors, einer Elitetruppe der PLA hat Soldat Leng Feng [ Jacky Wu Jing ] zwangsweise den Dienst quittiert, seine Freundin Long Xiaoyun [ Yu Nan ] in einem Einsatz verloren und befindet sich nun in Afrika auf einer Seelenreise, die ihn sowohl auf die Suche nach dem Täter des Mordes an seiner großen Liebe näher bringen soll als auch wieder etwas Glück im Leben. Eines Tages wird die Stadt seines Aufenthaltes von Rebellen blutig überrannt, Leng kann zwar mit seinem Patenkind Tundu [ Nwachukwu Kennedy Chukwuebuka ] und einigen anderen Wenigen zur Chinesischen Botschaft fliehen, wird dort aber gebeten, sowohl die Mutter von Tundu noch zu retten als auch den Virologen Dr. Chen. Bei der Rettungsmission im Landesinneren trifft er auf die Ärztin Rachel Prescott Smith [ Celina Jade ], den alternden, aber noch höchst aktiven ehemaligen PLA-Soldaten He Jianguo [ Wu Gang ] und den schiessfreudigen Jungspund Zhuo Yifan [ Hans Zhang ], deren Hilfe er bei der Gegenwehr gegen die Söldnertruppe von Big Daddy [ Frank Grillo ] dringend benötigt.

Ein etwa völkisches Gedankengut oder auch das Stehen über anderen Nationen und deren Bevölkerung gleich mit wird hier allerdings (trotz auch der patriotischen Präsentation von China als Weltpolizei in der Not und dem Mandat quasi als edler Ritter in der Weltgemeinschaft, und der gleichzeitigen Hilflosigkeit der Einheimischen, die in die Opferrolle gedrängt außer Singsang, Stammestänze und Kugelfang nicht allzu viel zu dem Budenzauber beitragen) nicht angestrebt und so auch nicht erreicht. Ist dafür auch die formelle Inszenierung der ausufernden und wohlgenährten Materialschlacht selber und die stumpfe materielle Dramaturgie im Text schon dermaßen mit der Axt hinein geprügelt und gleichzeitig weltfremd über den Dingen schwebend, dass keinerlei Bodenhaftung mehr für eine ernsthafte Debatte und eine ernsthafte politische Aussage in dieser Scheinwelt besteht. Allein schon die Eröffnungsszene, in der vor der Küste Afrikas ein Trupp Piraten vom Allroundtalent Leng Feng auf hoher See bzw. in einem Unterwasserkampf hopsa und festgenommen wird, erinnert grob an eine alberne Parodie; womit auch schon der häufige Vergleich des asiatischen (Ex)Spezialsoldaten mit seinem Achtziger Jahre Kompagnon Rambo hinfällig ist, und spätestens bei der nächsten ungeschlachtenen Kampfattacke – einem rabiaten Flächenbombardement in der Stadt – vielmehr Erinnerungen an die (allerdings humoristische und mit Naivität spielende, aber auch höchst ehrenrührig-moralische) Zeichentrickserie Rambo: The Force of Freedom, ein Fernsehprogramm für Kinder am Ehesten als Vorbild bereitsteht. Leng kann alles und er kann auch mit jedem, er fängt den Raketenbeschuss mit einem Bettenrost ab und zückt inmitten der schwersten und wenig zimperlichen Schießerei erstmal das kleine Taschenmesser, ohne sich damit benachteiligt zu fühlen oder anderweitig großartig über die Übermacht mit den Schnellfeuerwaffen und Großkalibern nachzudenken.

Etwas unangenehm auffallend und auch aufstoßend ist dabei der Umgang mit der Brutalität, das Animationsgeschehen war zwar auch extrem bleihaltig und gegenüber Objekten destruktiv, aber wurden dort keinerlei Opfer beklagt, während hier vielmehr keinerlei Gefangenen gemacht werden, vor allem im zivilen Bereich ein Massaker schlechthin auf das nächste folgt, Hundertschaften an Toten jeglicher Herkunft, Alters und Geschlechts angehäuft und das (CGI)Blut durch Kopf- und Körpertreffer bei allen zufällig Umherstehenden oder ungünstig Anwesenden ständig quer durch den Bildkader und auch mal mitten hinein in die Kamera spritzt. Ein Bus mit verängstigten Frauen und Kindern wird vor Augen Aller gesprengt. Ein armes Menschlein wird bei der Flucht in Großaufnahme noch lebend und schreiend von einem Panzer überrollt, und ein Jeep während einer Verfolgungsjagd in ein offenes Seuchengrab katapultiert; was insgesamt auf Dauer eher widerlich und unnötig sowieso wirkt und zusätzlich mit recht plump umgesetzten Botschaften versehen ist, in der Jegliches an Emotionalität sowieso reine Behauptung und voller Kalkül ist. Auch die voluminösen Actionszenen mit Panzern, Drohnen, Raketenwerfern und Granathagel selber schlagen gerne mal in die gleiche Kerbe der Übertreibung bzw. des leicht zuviel des Guten bzw. eher Unguten, wird nahezu in jeder der und vor allem auch längeren Szenen ein technisch nicht ausgereifter digitaler Effekt um des Effektes willen und gleichzeitig der Negierung des zuvorigen Bodenständigen eingesetzt; während in kleineren Kampfaktionen oftmals der Schnitt recht schnell und die Kamera eher ungünstig platziert ist und in der Endmischung so vieles ein großer lauter Brei an visuellen Eindrücken ist. Ein Kaschieren selber hätte die Choreographie normalerweise gar nicht nötig, befindet sich mit Wu ein ausgewiesener Kampfsportexperte in der Arena und hat er sowohl mit dem chinesischen Actionregisseur Jack Wong als auch dem von amerikanischer Seite aus angeheuerten Sam Hargrave und Regis Harrington zwei ebensolche Profis auch erfahren im Umgang mit höheren Budget am Werk, die immerhin eine rasante Verfolgungsjagd mit gleich drei unterschiedlichen Parteien durch eine zugebaute Eingeborenensiedlung bewerkstelligen und viel chaosartiges Vernichtungskriegsgeschehen.

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