Als im September 2016 mit Kickboxer: Vengeance gleichzeitig die Neuverfilmung (gleiche Handlung mit gleichen Konstellationen) und der Fortschritt vom Kickboxer (Altersrolle vom Original übernommenen Van Damme) als auch der Rückschritt (Hommagen und ebensolche Banalität und Trivialität) dazu erschien, war das Echo der Aufnahme geteilter Meinung und auch mehr in Richtung Tadel und genereller Niederstellung zum schon durch die reine Erinnerung und ihre Verklärung gewinnenden Vorbild gehalten. Zuschauer bemängelten und lobten gleichzeitig den je nach Ansicht blassen bis sympathischen neuen Hauptdarsteller und den steifen, aber erstmal durch die bloße Erscheinung eindrucksvollen Bösewicht, sowie natürlich Zugpferd und Markennamen Van Damme selber, plus die Inszenierung der Action- und Kampfszenen, die analog dazu auch eher veraltet dargestellt wurden und wo man zwischen jedem Schlag und jeden Tritt wie in den seligen Achtzigern erstmal eine gefühlt lange Pause ein- und so die eher steife Form eines choreographierten Schlagabtausch hinlegt.
In den Kritiken demnach recht milde bis mäßig begeistert und so im Durchschnitt aufgenommen oder auch mal vernichtet, wurde der Film anders als viele seiner Artgenossen (und mit Ausnahme von Boyka: Undisputed IV), die heutzutage so zahlreich nun nicht mehr sind, wenigstens tatsächlich gesichtet und damit auch registriert. Ein Vorteil gegenüber der weiteren recht untergegangenen Genreware wie dem Female Fight Club, dem Lady Bloodfight oder auch Never Back Down: No Surrender, die bloß den Hartgesottenen bekannt, wenig besprochen und der Nischenabteilung zuzuordnen sind. Einhellige Meinung war allerdings, dass es sicherlich nicht mehr von dem Gleichen in dieser Form der 'Qualität' braucht, und schon gar keine (mit November 2015 beizeiten angekündigte) Trilogie, zumal der wenigstens mit der Gattung Action und einem vergleichsweise höheren Budget von angegebenen 17 Mio, USD erfahrene Regisseur John Stockwell nun auch nicht mehr anwesend ist, sondern der trotz langer Laufbahn im Grunde unbekannte Grieche Dimitri Logothetis als eigentlich die treibende Kraft neben Produktion und Drehbuch auch die Hauptverantwortung auf dem Regiestuhl übernimmt. Beibehalten wird als Altlasten ein Teil der Besetzung und später auch wieder die Location Thailand, die vor einem Vierteljahrhundert mal für Exotik und Optik sorgte, heute aber ebenso wie Neuzugang Christopher Lambert und der lautmalerische Ex-Boxer Mike Tyson eher das müde Gähnen entlockt. Der Mittelteil einer 'Saga', die in Kickboxer: Armageddon ( ehedem Arbeitstitel Syndicate ) den glorreichen Abschluss finden soll und dann zur angedachten Krönung zum The Godfather des Kampfsportfilmes auswächst:
Etwas über ein Jahr nach dem Kampf und der Rache gegenüber Tong Po wird der mittlerweile wieder in die Staaten zurückgekehrte Kurt Sloane [ Alain Moussi ] von zwei scheinbaren U.S. Marshalls gekidnapped und nach Thailand zurückgeschleppt, wo er sich wegen der Anklage des Mordes an eben Tong Po im Gefängnis wieder findet. Dies ist allerdings nur die Ausrede für den dort ein und ausgehenden Gangster und Wettkampfveranstalter Thomas Tang Moore [ Christopher Lambert ], der Sloane für einen Wettstreit gegen seinen besten Manne Mongkut [ Hafþór Júlíus Björnsson ] organisieren will und den noch Unwilligen entweder freiwillig überreden oder eben dazu zwingen muss. Als Sloans Frau Liu [ Sara Malakul Lane ] zwecks Überzeugungsarbeit ebenfalls von Moore entführt wird, willigt dieser scheinbar ein, und macht sich mithilfe seines früheren Trainers Master Durand [ Jean-Claude Van Damme ] und der Gefängnis-Crew, darunter v.a. der gleichso inhaftierte Briggs [ Mike Tyson ] an die Herausforderung, die ihn an die Grenzen und darüber hinaus führt.
Im Gegensatz zum im Grunde gleich startenden und dort sich erstmals mit mehreren Kämpfen in die richtige Stimmung bringenden Vorgänger braucht Retaliation gleich mehrere unschlüssige Anfangsszenen, die zuweilen aus Traum- und Erinnerungsfetzen bestehen, sowie aus Bildern aus den Geschehnissen zuvor sowie auch aus dem Original und beide so verbindend in ein gemeinsames Universum bringen. Dabei kann man die ersten Minuten, im Grunde gleich die ganze einleitende Viertelstunde getrost als Debakel abtun und eigentlich überspringen, erst danach, bei einer längeren Plansequenz bereits im Gefängnis und der ersten Konfrontation mit einem einheimischen Schlägertrupp über Treppen und zwei Etagen hinweg kommt so etwas wie Ahnung seitens des 'neuen' bzw. jetzt im Vordergrund stehenden Machers auf, was er denn da tut, insgesamt vorhat, und wie er die Reihe auch ein Vierteljahrhundert nach dem Erstling hin zum Publikum bringen will. Denn mit so einer abgenudelten Story von Anno Asbach, final in der Prügelplatte gar noch mit etwas Esoterik und Mummenschanz 'angewürzt', und der Präsentation sonst bestenfalls durchschnittlicher Actionszenen sicherlich nicht.
Dabei deutet sich erst später sowieso eine gewisse Level-Dramatik und auch (bekannte) Dramaturgie überhaupt an, hat man sich vorher aus Nichtssagenden, Nichtsfühlenden und vielerlei Klischees ergeben, in denen vor allem Lambert als geifernder Giftzwerg recht schlecht wegkommt und wie die Karikatur seines einstigen Daseins wirkt. Tyson, der später unvermittelt als weiterer Insasse in das Geschehen tritt, erwischt es aus durch dann auch sporadisch installierten Humor etwas besser, während Van Damme halt er selber ist und nicht mehr spielen muss und wahrscheinlich noch in 25 Jahren im nächsten Reboot als Van Damme oder doch als Jean-Claude Van Johnson, hier übrigens mit seinem zweiten Sohnemann Nicolas Van Varenberg im Filmdebüt als natürlich Filmsohn auftritt.
Im Übrigen ist der Film (noch) weniger farbenprächtig als der Vorgänger, ersäuft zuweilen in Nachtszenen im schwarz-gelb und vielleicht noch ein bisschen grau, und hat auch das Problem, jetzt allgemein eher etwas schäbig und durch den Kniff mit dem Endgegner, dem frisch einem Monstrositätenkabinett entlaufenen Mongkut, der gleich 4x so stark wie Tong Po sein soll und noch zusätzlich mit Chemikalien fixiert wird, noch mehr wie banal-brunftiges "Brot und Spiele" für die ganz niederen Instinkte auszusehen. Die Action selber (vor dem ermüdenden, da fast halbstündigen Blood Circus Finale gegen den hünenhaften Kloß auf zwei Beinen) ist durchaus variantenreich, aber nicht gleich automatisch gut oder gar besonders gehandhabt, anfangs viel Dresche für den leidenden Heroen natürlich (und das obligate Auspeitschen am Jesuskreuz, dass hier gleich mehrmals vorkommt), und dann auch viel Training, aber plötzlich auf gewisse spielerische Art und Weise durchaus interessant und locker-flockig mit phasenweise gelungenen Einstellungen und Wiederholungen für den knackigen Effekt hin montiert. Ein mittiger Befreiungsversuch innerhalb der Stadt und insbesondere eines Apartments weist einige theoretische Ideen wie den Kampf gegen zwei frisch dem Pool entschlüpften, noch voll Wassertropfen perlenden Badenixen im Bikini auf, die sich schnell als Killerladies entpuppen und ein Versteckspiel gegen den eindringenden Sloane in einem Spiegelkabinett manövrieren; wozu noch fluoreszierende Tätowierungen auf dem halbnackten Leib der Damen und entsprechendes Neonlicht in der Spiegelkammer dazu gehören, was alles insgesamt aber besser klingt, als es in der untalentierten Umsetzung selber gelingt.
Hauptdarsteller Moussi, der ein bisschen wie Kommissar Hansen aus den Rosenheim-Cops aussieht und sowieso wie der Hamburger Jung am falschen Ort zur falschen Zeit, aber eben weiterhin sympathisch wirkt, kann sich als ausgebildeter und reichlich aktiver Stuntman entsprechend fachgerecht bewegen, auch die Stürze ungedoubelt annehmen und gar hinter den Kulissen als Choreograph mitwirken, was der allgemeinen Überzeugungsarbeit ganz zuträglich ist; zumal ein Teil der thailändischen Kollegen in der erwähnten Plansequenz hier und da eindrückliche Trefferwirkung und so ein wenig ehedem fernöstliches Schmerz-Spektakel à la Panna Rittikrai & Co., hier nur höchstens in der Güteklasse 2 simulieren.