Die Vorzeichen sind scheinbar weithin klar. Schnelle Fortsetzung zum Actionthriller SPL II: A Time of Consequences, der als damalig eher später Nachzügler zum lange zurückliegenden SPL (von Wilson Yip) mit teils gleichen Motiven und Darstellern in neuer Funktion die Verbindung zum nunmehr datierten HK-Kino noch kurz nach dem Millennium suchte und sich dennoch als neues, gerade finanziell hauptsächlich chinesisches Filmgeschäft generiert. Finanziell sowohl im Heimatland mit guten 85 Mio. USD erfolgreich als auch durch die Verwendung eines zugkräftigen Titels, mit ebensolchen Darstellern und der auch international gefragten und gesuchten Mischung aus modernen Actionszenen gerne in einer ansprechenden Geschichte für das westliche Auge involviert. Eine Fortsetzung namens SPL III: War Needs Lord wurde entsprechend früh angekündigt, allerdings unter Beibehaltung der dortigen Regie (mit Soi Cheang), während parallel dazu der ursprünglich mit dem Arbeitstitel Fate versehende und dann umbenannte Paradox vorgestellt wurde, der im Grunde der gleichen Formel und (wäre es von einem anderen Drehteam vorgetragen) eher dem Anschein eines zeitigen Rip-offs entspricht.
Erst spät und dies schon auffällig verzögert wurde dem bis dato etwas untergegangenen Projekt der schlagkräftige Titelvorsatz beigefügt und die Promotion erneut angekurbelt, was doch merkwürdigen Unterton hat und Beigeschmack des Unvertrauens in die eigenen Stärken gleich mit; Regisseur Wilson Yip selber 'weigert' sich in Interviews auch, den Film – ein eher schweres Thrillerdrama mit drei zunehmend wilden und zusätzlich fatalistischen Actionszenen – so zu nennen und bleibt kontinuierlich (und wie auch bei der Inszenierung insgesamt verbissen wirkend) bei der reservierten Überschrift. Fraglich sind im Nachhinein natürlich die Auswirkungen des veränderten Marketings auf das eigentlich schon zufriedenstellende, aber nicht berauschende Endergebnis – im Grunde fast das Gleiche wie der Vorgänger, bei etwas weniger als den Kosten, während aber bspw. Genrekollege Wolf Warrior 2 quer durch die Decke ging – , und fraglich auch die Erleichterung beim Hauptverantwortlichen, der dringend einen Bonus braucht, schwer angeschlagen durch mehrere Flops, künstlerische Schwächen, filmische Nichtigkeiten und folgerichtige Unkenrufe, und scheinbar massiv abhängig von Donnie Yen und seiner Ip Man - Mitgift ist.
Yip hat wieder gut zu machen und vor allem auch zu beweisen, was man hierbei deutlich merkt, muss sich in der eigenen Reputation und gegenüber bald bevorstehender Konkurrenz (durch bspw.Jonathan Lis The Brink und Fruit Chans Invincible Dragon, sowie dem Außenlieger Master Z: Ip Man Legacy durch Yuen Woo-ping) bewähren und erwehren, wozu er hier letztmalig Möglichkeit zu hat und die geeigneten Faktoren dafür theoretisch auch anwesend und möglicherweise auch umgesetzt sind:
Von dem spurlosen Verschwinden seiner 16jährigen Tochter Lee Wing-chi [ Hanna Chan ] während einer Reise nach Thailand verängstigt und irritiert, reist ihr Vater Lee Chung-chi [ Louis Koo ], ein Witwer und ehemaliger Polizist ihr nach und verständigt sich mit dem ortsansässigen Ermittler Chui Kit [ Wu Yue ], der zusammen mit seinem Partner Tak [ Tony Jaa ] und Officer Ban [ Ken Lo ] die Nachforschungen angeht. Währenddessen erkrankt der lokale Bürgermeisterkandidat schwer am Herzen, was seinen Wahlkampfmanager Cheng Hon-sau [ Gordon Lam ] zusammen mit dem amerikanischen Gangster Sacha [ Chris Collins ] zu einigen drastischen Maßnahmen zwingt, und Chui Kits Schwiegervater, Commissioner Chai [ Vithaya Pansringarm ] zu merkwürdigen Methoden gleich mit.
Die Stärken von (SPL III:) Paradox liegen dabei in der Kürze; abgesehen davon, dass man mit 100 Minuten auch exakt 20 Minuten weniger läuft als der vergleichsweise fast epochale Vorgänger, benötigt man hier auch keine in mehreren Zeit- und Ortsebenen erklärte Vorgeschichte, die dort zwar für genügend Tension bis zur ersten Eruption sorgte, hier aber durch einen im Grunde Fliegenden Start ersetzt wird. Die Idylle ist schon nach wenigen Bildern vorbei, und auch vorher hat man mit den Credits über einer auf den Kopf stehenden und aus vielerlei Ecken von oben nach unten blutenden Stadt für ein böses Vorzeichen und ungutes Gefühl gesorgt, dass unweigerlich eingelöst wird. HK als die Heimat der Hauptperson wird auch nicht wirklich gezeigt, sondern flugs das Geschehen nach Pattaya, ein für die Touristen interessanten, hier aber recht unübersichtlichen, übervölkerten, insgesamt bunt-turbulenten Fleckchen Erde gezeigt, dass für den Außenstehenden und so fremden Ex-Polizisten wenig einsehbares und scheinbar uneinnehmbares Terrain und auch von der Landessprache her unkundig ist.
Waren schon zuvor in den beiden zuvor (und auch in Flash Point) die Beziehungen und Verbindungen der Männer untereinander und zueinander interessant, so wird dieses Prozedere hier über mehrere Punkte weiterverfolgt und in die Tiefe verlegt. Abgesehen davon, dass der offizielle thailändische Ermittler auch chinesische Wurzeln hat und als Art Führer für den Neuankömmling mit eigenen Wissensdurst und Tatendrang und gleichzeitig auch als Bremse fungiert (und selber mit einem schwangeren Familienmitglied, seiner Frau nämlich und gegenüber dem Vater der Tochter, einem zwangsweise involvierten Vorgesetzten agiert), hat dieser auch noch einen gleichberechtigten, nur hierbei anfangs nicht offiziell eingeschalteten Partner und wiederum einen aufmerksamen Beobachter, nämlich einen immer wieder mal anwesenden Streifenpolizist.
Weiterhin hinzu kommt zu dem anfangs 'privaten' Verschwinden auch nur langsam angedeutet im Hintergrund und als Geschehen aus der Perspektive der Machtmenschen und Strippenzieher für all die Marionetten da draußen eine geschäftliche Ebene, die erstmal erkundet werden muss und im Grunde von klein auf und gründlich gesäubert. Eine Hierarchie der Korruption und des menschenunwürdigen Handelns eben nicht von Objekten, sondern von Subjekten, was man auch aus dem Vorgänger kennt und wozu hier nicht bloß die unlautere Obrigkeit missbraucht wird, sondern das politische Ansehen und seine Befugnisse gleich mit. Das abermalige Verlegen der Örtlichkeit nach Thailand erklärt sich bei dieser Behandlung des andauernden Filzes in den höheren Rängen und auch dem weiter gegebenen Druck nach unten natürlich auch damit, dass das Motiv und die Prämisse selber für die dramaturgische dann effektvolle und auch so gehandhabte Geschichte gebraucht wird, es aber gegenüber der staatlichen (chinesischen) Zensur schwer zu verkaufen ist, und entsprechend ins Ausland ausgewandert wird. Zudem kann man den auch global interessanten und als Gimmick immer gern genommenen und gesehenen Tony Jaa besser in die Handlung einfügen, wobei dieser die Sache in seinem besseren Cameo auch abermals gut macht, die meiste Aufmerksamkeit aber auf Neuzugang Wu Yue liegen sollte, einen ehemaligen Spitzensportler in u.a. B?jíquán, der Faust der acht Extreme, und Nánquán, der Südlichen Faust, der sich nach Ende der athletischen Karriere bislang in Fernsehen und Nebenrollen (u.a. als Scherge mit flotten Finalkampf in Wong Jings From Vegas to Macau 2 und 3 sowie Mission Milano) verdient gemacht hat, und der sich in der ersten Kino-Hauptrolle erstaunlich wacker, darstellerisch integer und vor allem auch empathisch für den Zuschauer und natürlich glaubhaft in den Actionszenen schlägt.
Weniger positiv, dass mit Louis Koo im Mittelpunkt des Geschehens jemand ist, der sicherlich seinen Bekanntheitsgrad hat und für die Finanzierung und Re-Finanzierung wichtig, aber weder von Natur aus für die körperliche noch die gefühlsmäßige Regungen gemacht ist. Letzteres macht Koo mit manchen emotionalen 'Entgleisungen' und abgesehen von einigen Arbeiten unter Johnnie To hier recht starken schauspielerischen Leistung für seine Verhältnisse wett. Ersteres versucht die schnelle und harte Choreografie (durch Sammo Hung, Sohn Jimmy Hung und langjährigen Begleiter Lam Hark-min) fleissig zu kaschieren, ist der Einsatz von Stuntmen bei einzelnen komplizierteren Formationen aber ebenso offensichtlich und so auch hinderlich für einen Sog des bald blutverschmierten Geschehens, und sind andere Aktivitäten wie die Aufräumarbeiten gegen ein Dutzend Schergen immer etwas steif ein- und umgesetzt. Also für den Moment gelernt und auswendig einstudiert, was gerade den längeren Vorlauf zum eigentlichen Finale, einen ausgiebig ruppigen und blutigen Einsatz in einer für das Schlachtfest passend sterilen Fleischerhalle (und inklusive einem schießwütigen SDU-Team im Vernichtungsmodus und ausgiebigen Gebrauch der Präzisionswaffen) trotz vieler starker Einzelszenen im Gesamteindruck leider dennoch unter den Möglichkeiten und bisweilen fast anstrengend uneben aus echt und 'falsch' bzw. 'unecht' hält.
Eine Fehlentscheidung von Yip, der mit Absicht einen nicht in Martial Arts ausgebildeten Darsteller genommen hat, um etwas zu beweisen, was man a) nicht unbedingt herausfordern muss und b) ihn hier einen unnötigen Kraftakt aufbringen lässt, um c) trotzdem in der Überzeugungsarbeit zu scheitern und so nachteilig auf eigene Verantwortung und Rechnung ist. Zudem bräuchte der Film einen aufbauend-katharsischen und wahrhaft explosiven Showdown wie weiland bei A Better Tomorrow II oder Tragic Hero, um vollständig über die Runden und aus dem ganzen herunterziehenden Morast und aufgeladenen Ballast heraus zu kommen, was aber im Ansatz nicht geboten, und eher das Gegenteil dessen bereitgestellt wird.