Review


Ich liebe die berühmte Erzählung 'Turn on a screw' von Henry James, der dieser Film zugrunde liegt. (ein Stoff  der viele Künstler inspiriert hat).  Allem voran ihre Ambivalenz und und dass sich verschiedene Deutungsmöglichkeiten in Etwa die Waage halten. Als Verfilmer dieses Stoffs kann man sich natürlich auch für eine der Deutungsversionen stark machen. Genau dies tut die vorliegende Fassung 'The Tutor' und – meines Erachtens – fast zu stark. Der Stoff verliert so erheblich an Charme und Reiz.

Weitgehend orientierungslos kommt die Anpreisung auf der DVD-Hülle daher, die behauptet, das engagierte Kindermädchen "zerschelle an ihrer überholten Moral". Dann werden uns – deutlicher als in den anderen Filmfassungen die ich kenne – zwei völlig verwahrloste, geistig regredierte "Naturkinder" präsentiert, deren "sexuelle Frühreife" sich auf bestem Weg befindet, in den Inzest zu münden. (Interessant finde ich, dass die Natur selber, dieser Form der Fruchtbarkeit einen Riegel vorgeschoben hat, was vermutlich nichts mit Moral zu tun hat. Das sei hier nur am Rande bemerkt.)

Erziehungskultur bietet ja auch immer einen Ansatz zur Reflexion der Sitten und Lesen und Schreiben sind vermutlich Errungenschaften die die Bewusstseinsentwicklung des Menschen voranbringen. Die Tendenz des Filmes und in das was er mündet, bezieht hingegen eher Position für eine radikale Freiheit. Jedoch existiert eine solche nur, wenn der Mensch auch eine echte Wahl hat und diese haben diese Kinder – sich selbst überlassen – definitiv nicht. So habe ich mich zum Schluss gefragt, ob die pure Diabolik die sich schliesslich vor uns entfaltet nicht einfach dem Selbstzweck eines simplen Horrorfilms Genüge tut, statt uns in die feinsinnige Auseinandersetzung mit einem höchst vielschichtigen Stoff zu führen.

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