Anthony Hopkins spielt den Leiter eines Medien-Unternehmens, der bei einem Herzinfarkt beinahe gestorben wäre. Doch der Tod, gespielt von Brad Pitt macht ihm einen Deal: Hopkins hat noch ein paar Tage zu Leben und Pitt macht eine Art Urlaub und lernt das menschliche Leben einmal aus der Nähe kennen. Doch dann verliebt sich Pitt in die Tochter seines Opfers, gespielt von Claire Forlani.
Diese Story polarisiert auf jeden Fall. Einige werden sie lieben, andere werden sie hassen. Die Grundidee ist bereits sehr einzigartig und bietet viel Spielraum, so hätte man hieraus von einem Horror-Film bis zur Komödie wirklich alles machen können, aber Martin Brest entscheidet sich für eine Art übersinnliche Mystery-Romanze. Und diese Idee ist definitiv nicht schlecht. Nachdem fast aller Liebesfilme innerhalb eines stereotypen Musters, ohne große Spielräume blieben, ist es ein wirklich einzigartiger Versuch mal einen frischen Wind in das verstaubte Genre zu bringen und allein diesen sollte man entsprechend honorieren. Hier und da ist die Handlung noch nicht ganz ausgefeilt, aber im Großen und Ganzen ist sie sicherlich gut und, im Gegensatz zu vielen anderen Liebes-Filmen nicht sonderlich vorhersehbar und damit gleich viel unterhaltsamer. Die Charakterkonstruktion der Hauptfiguren, ist alles in allem ordentlich. Allerdings hätte man mit dem Thema Leben und Tod noch auf eine wesentlich tiefere und philosophischere Ebene gehen können, aber statt sich mit existentiellen Fragen zu beschäftigen, liefert Brest lieber ein Mystery-Liebes-Märchen.
Auch die Umsetzung, die sich ebenfalls jeder Stereotype entzieht, dürfte nicht Jedermanns Geschmack treffen, gefällt mir persönlich aber sehr gut. Martin Brest lässt sich, wie schon bei "Der Duft der Frauen" alle Zeit der Welt und lässt wirklich lange Passagen frei, um den Gefühlen Raum zu lassen. Damit ist die Umsetzung überaus emotional und dramatisch, verfällt aber kaum in den Gefühlskitsch, da die guten Darsteller dies über weite Strecken verhindern können, indem sie echte Gefühle liefern. Zu diesem langsamen Tempo liefert Brest natürlich auch langsame, getragene und melancholische Musik, die selbstverständlich gut in den Film passt. Die Garderobe und die Kulisse sind überaus stilvoll, genauso, wie der ganze Film. Mit diesem langsamen Tempo, den großen Gefühlen und der stilvollen Umsetzung ist der Film die ganze Zeit entspannend und wohltuend. Und jetzt kommt das Beste: Durch die hervorragenden Darsteller und die, mit der Zeit zunehmende Dramatik, wird der Film nicht einmal langweilig und unterhält über die vollen drei Stunden. "Rendezvous mit Joe Black" ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Werk und nicht nur für diejenigen zu empfehlen, die bei "Pretty Woman" und "Bodyguard" päckchenweise Taschentücher verbrauchten. Der Film ist Geschmackssache und damit zunächst einmal für jeden empfehlenswert.
Brad Pitt wirkt in seiner Hauptrolle als Tod relativ überzeugend, wobei er neben dem überaus starken Anthony Hopkins und seiner guten Kollegin Claire Forlani sehr blass wirkt, zumal er stellenweise etwas zu unerfahren rüberkommt. Dafür wirkt er jedoch sehr charismatisch und verkörpert den Tod überaus charmant und sinnlich und kann somit seine leichten Defizite ausgleichen. Anthony Hopkins beeindruckt nach seiner Paraderolle in "Das Schweigen der Lämmer" diesmal in einer sympathischen Rolle und liefert eine überaus ergreifende und emotionale Vorstellung. Hopkins leistet sich wie immer keine Fehler und liefert eine solide Leistung. Claire Forlani wirkt ebenfalls sehr charmant und liebenswert und passt damit hervorragend zu Brad Pitt. Ohne diesen guten Cast, wäre dieser Film so definitiv nicht möglich gewesen.
Fazit:
Mit frischen Ideen und hervorragenden Darstellern präsentiert Martin Brest sein neues Werk, dass sich jeder Stereotype entzieht. Mit einer langatmigen, wohltuenden und stilvollen Umsetzung, die viel Zeit und Spielraum für große Emotionen lässt, wird er sicherlich nicht Jedermanns Geschmack treffen, überzeugt aber auf ganzer Linie. Meine Empfehlung: Unbedingt ansehen, viel dramatischer und emotionaler geht's nicht.