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Regisseur Steven Spielberg hat mit „E.T. – Der Außerirdische“, „Indiana Jones“ und „Schindlers Liste“ schon Klassiker der Filmgeschichte geschaffen. Das ist ihm mit „Catch Me If You Can“ leider nicht gelungen – was nicht heißen soll, dass er damit einen schlechten Film gedreht hätte. Doch allzu bieder und distanziert kommt sein Gaunerstück daher, welches man kaum einem Genre wirklich zuordnen kann. Das großartige Schauspieler-Ensemble – allen voran der sonst so blasse Leonardo DiCaprio – versucht indes gegen die inszenatorische Kälte anzuspielen.

Die Story nach einer wahren Begebenheit: New York 1966: Nachdem Frank Abagnale Sr. (Christopher Walken, „Last Man Standing“) wegen Steuerhinterziehung Probleme bekommt, bricht für seinen 16-jährigen Sohn Frank Abignale Jr. (Leonardo DiCaprio, „The Aviator“) eine Welt zusammen. Sie müssen in eine kleine Wohnung umziehen und seine Eltern lassen sich scheiden. Um seinem Vater beim Abzahlen seiner Schulden etwas unter die Arme zu greifen, versucht sich Junior als Scheckbetrüger. Als er sich bald von verschiedensten Angestellten Informationen über Gehaltsschecks holt, tingelt der Hochstapler fortan als Pilot, Arzt und Anwalt quer durch die USA. Doch das FBI um Carl Hanratty (Tom Hanks, „Cast Away“) ist schon auf seiner Fährte…

Nach einem unkonventionellen Vorspann geht es leider etwas bergab. Spielberg hakt die Stationen in der Biografie von Frank Abagnale Jr. mit leichter Ironisierung und der üblichen Hollywood-Dramatisierung, aber leider viel zu brav ab. So wird das zerbrechende Familienverhältnis und das zunehmende Mitleid sowie die Distanz zum Vater als Ausgangspunkt der Charakterzeichnung von Frank Jr. allzu klischeehaft eingesetzt. Die Hauptfigur wirkt etwas eindimensional und unreflektiert sowie zu stromlinienförmig und es ist schon symptomatisch, dass über seinen Verfolger Hanratty ebensoviel, wenn nicht gar mehr bekannt ist. Allerdings kann man Schönling DiCaprio sichtliches Bemühen um charakterliche Tiefe attestieren, was der etwas planlosen Inszenierung zwischen Drama und Komödie entgegensteht. Spielberg versucht zu unterhalten, setzt sich aber teils mit seinem Genre-Zwitter zwischen alle Stühle. Auch Tom Hanks als gehörnter und humorloser FBI-Mann Carl und Christopher Walken als resignierender Vater spielen sich die Seele aus dem Leib. Spielbergs „feste Angestellte“, Kameramann Janusz Kaminski – welcher farbenfrohe und lichtdurchflutete Bilder zauberte – und Komponist John Williams, erledigen ihren Job wie immer souverän. Auch die Ausstattung im 60er Jahre Nostalgie-Look ist schön anzusehen – was fehlt, sind eigentlich nur noch die großen Emotionen, deren meisterhafter Komponist Spielberg doch eigentlich sein müsste. Hier gibt es aber nur einen unterkühlten „Besuch“ bei der untreuen Mutter zu Weihnachten, eine vorangegangene Nachricht vom Tod des Vaters und ein Reden ins Gewissen am Flughafen – das ist zu wenig.

Fazit: Farbenfrohes und kurzweiliges Gaunerstück mit einem sympathischen, aber zu eindimensionalen „Helden“. „Catch Me If You Can“ fehlt durch seine zu nüchterne Inszenierung leider das Zeug zum Filmevent, obwohl sich das spielfreudige Ensemble durchaus sehen lassen kann. Spielberg kann es dennoch besser.

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