Review

„Catch me if you can“, der neueste Streich Spielbergs, führt nach den futuristischen Filmen „A.I.“ und „Minority Report“ in vergangene Gefilde.
Nachdem sehr gelungenen Oldschool-Vorspann (gezeichnet!) führt uns „Catch me if you can“ ins Jahr 1969, wo FBI Agent Carl Hanratty (Tom Hanks), den in Frankreich gefassten Betrüger Frank William Abagnale Jr. (Leonardo Di Caprio) in die USA überführen will, wobei dieser einen erfolglosen, aber dennoch geschickten Fluchtversuch startet. Zwar fehlt dem Film hier noch seine Leichtigkeit, aber diese kurze Einführung reicht, um sich ein grobes Bild der beiden Hauptfiguren zu machen.
Zurück ins Jahr 1963: Noch ist Frank ein glücklicher Junge im Alter von 15, der mit seinem Vater Frank Sr. (Christopher Walken) und seiner Mutter Paula (Nathalie Baye) ein glückliches Leben führt. Doch es wird immer schlimmer: Aufgrund von Steuerhinterziehung heftet sich das Finanzamt an Papis Fersen, sie müssen aus ihrem Haus in eine Wohnung ziehen und eine Weile später (Junior ist inzwischen 16) lassen sich seine Eltern scheiden. In diesem Moment läuft Frank von zu Hause weg. Da „Catch me if you can“ auf Tatsachen beruht (die Story ist in ähnlicher Form wirklich passiert und der Film beruht auf der Autobiographie Abagnales), ist es gut, dass auch die menschliche Seite seiner Hauptfigur ausreichend beleuchtet wird.

Frank muss sich durchs Leben schlagen und steht bald pleite da. Doch der pfiffige junge Mann beginnt Schecks zu fälschen, um durchzukommen. Dabei wird er immer professioneller und beginnt sogar, sich eine neue Identität als Pilot zuzulegen. Da er jedoch immer dreister wird, wird das FBI auf ihn aufmerksam. Mit Hanratty setzen sie ihren besten Mann aus der Betrugsabteilung auf ihn an, doch dieser ist inzwischen so geschickt geworden, dass sogar ein Identitätswechsel keine Schwierigkeit mehr für ihn ist...
Während „Minority Report“ hintergründige Science-Fiction war, so ist „Catch me if you can“ ein locker-leichtes und beschwingtes Ganovenstück, wenn auch ohne tieferen Ambitionen. Doch auch mit seinem neuesten Streich trifft Spielberg ins Schwarze, was vor allem an der Art liegt. Die Figuren sind einfach liebenswert, das Styling und die Machart herrlich altmodisch und der Erzählstil locker-flockig. Unterm Strich ist „Catch me if you can“ ein Film, der niemanden weh tut, aber punkten kann ohne sonderlich spektakulär zu sein.
Der Humor ist eher unterschwellig und man liegt nie vor Lachen unterm Sitz (abgesehen von der Szene in der Französisch-Stunde vielleicht), aber die pointierten Dialoge (vor allem zwischen Hanratty und Abagnale) sowie die Spielchen und Verarschereien des liebenswerten Gauners können dennoch das eine oder andere Schmunzeln erwirken. Auch Langeweile stellt sich nicht groß ein, auch wenn das Ende ein wenig in die Länge gezogen ist und Spielberg an der ein oder anderen Stelle etwas mehr hätte straffen können.

Die Story ist recht spannend und bietet einige nette Wendungen und Finten, die das Interesse des Zuschauers aufrecht erhalten. Die ernsten und etwas dramatischeren Aspekte des Lebens von Frank gehen nach dem eher ernsten Beginn über sein Leben bevor er Betrüger wurde etwas unter. Denn ab seiner Betrügerzeit gewinnt der Film nicht nur an Leichtigkeit, sondern auch etwas märchenhaftes. Allerdings muss man sich vor Augen halten, dass der Film wie gesagt auf Abagnales Autobiographie basiert, und auch das etwas märchenhafte Happy End in zumindest ähnlicher Form wirklich passiert ist.
Leonardo Di Caprio gibt den charmanten Betrüger gekonnt und leichtfertig, was ihn auch wieder als Schauspieler etabliert, nachdem er zuletzt eher mit seiner „Titanic“-Popularität hausieren ging. Auch Tom Hanks gibt eine tolle Vorstellung als liebenswerter, wenn auch leicht vertrottelt wirkender Gegenspieler Abagnales – immer fein gekleidet und mit einer großen Hornbrille. Auch die Nebendarsteller, vor allem Christopher Walken und Martin Sheen, können auf ganzer Linie überzeugen.

Unterm Strich bleibt lockeres Gute-Laune-Kino für einen netten Kinoabend, wenn auch nicht ganz so gut wie z.B. „Ocean’s Eleven“.

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