Review

Erst das schwermütige, und noch schwerer verdaulichere Science-Fiction-Märchen „Artificial Intelligence“ im Jahr 2001.
Danach das rasante Hochglanz Science-Fiction-Abenteuer „Minority Report“ im vergangenen Frühherbst – Starregisseur Steven Spielberg war auf dem Sci-Fi-Trip.
Doch nach diesem futuristischen Double Feature kehrt er der völligen Fiktion den Rücken, und knöpft sich mit der Lebensgeschichte von Frank William Abagnale –bzw. zumindest einigen Passagen daraus- einen sehr realen, aber –oder gerade deshalb?- umso faszinierenderen Stoff vor.

Abagnale riss als 17jähriger nach der Trennung seiner Eltern von zu Hause, und schlug sich danach erst mit kleineren Gaunereien durch, bis er sich in den 60er Jahren zu einem der größten und meistgesuchtesten Scheckbetrügern emporschwang, und nach mehrjährigem Katz- und Mausspiel dann vom F.B.I. in Frankreich gefasst werden konnte.

Doch Spielberg inszeniert diese spannende Hetzjagd, die sich Hollywood-Drehbuchautoren kaum besser aus dem Hirn hätten wringen können, weder auf die klassische Thriller-Art, noch dreht er den Fokus seiner Betrachtung zu sehr auf die ihm typische Außenseiter-Familienstory mit Zuckerüberguß.
Stattdessen ähnelt Stil und Flair von „Catch me if you can“ in vielen Phasen vielmehr dem Soderberghschen Prototypen des Popcorn-Movies über Gaunereien in den Swinging Sixties, „Ocean’s Eleven“.
Wenn Spielberg auch nicht ganz diese gelassene Souveränität von Soderberghs Werk erreicht, so überzeugt „Catch me...“ doch ebenfalls durch eine verspielte und oftmals lockerflockige Inszenierung, die nur dann manchmal „verloren“ geht, wenn Spielberg zwischen bonbonfarbenen Portrait-Bildern, und den subtil-ironischen Duellen zwischen Abagnale und seinem Verfolger Agent Hanratty, versucht, die familiären Hintergründe des jungen Hochstaplers mit einzuflechten.

Und hier liegt dann auch der Knackpunkt, der „Catch me if you can“, die meisten Punkte kostet. Die Geschichte des Frank Abagnales, der über Jahre hinweg Polizei und Umwelt genarrt hat, als Arzt, Anwalt und Pilot „gearbeitet“ hat, zwischendurch noch diverse Abstecher nach Europa machte und dabei ständig von einem F.B.I.-Agenten gejagt wird, zu dem er über die Jahre ein sehr vertrautes Verhältnis entwickelt, ist schlicht und einfach zu groß und komplex für einen Film von 150 Minuten – zumindest dann, wenn man auch noch versucht, die schwierige Familiensituation von Frank mit hineinzubringen. Natürlich wird Franks Liebe zu seinem Vater mehr als deutlich, immerhin beschert es dem Zuschauer einige sehr denkwürdige Szenen, und darüber hinaus, sind natürlich die Ratschläge, die Frank Senior seinem Jungen mit auf den Weg gibt, mehr als nur Leitsätze für den Frank Junior.
Doch wenn dann noch die Scheidung der beiden Eltern, sowie die verzweifelten Versuche des Jungens seine Eltern wieder zusammenzubringen immer wieder in die Story mit eingebunden werden, dann gibt das zwar vordergründig betrachtet dem Film doch noch etwas mehr Tiefe – nur leider muss dadurch natürlich einiger Platz weichen, den man sonst gut zur besseren Erklärung von Abagnales dreisten Gaunereien, oder aber der Jagd von Hanratty auf den Betrüger hätte nutzen können.
So aber macht Spielberg Abstriche sowohl auf der Seite der Familiengeschichte, als auch auf der Gaunerstory, so dass letztlich bei genauer Betrachtung doch einiges etwas unzureichend erklärt zurückbleibt, was mich für meinen Teil ein wenig im Filmgenuß gestört hat, und so die Schwächenseite, um einiges nach unten zieht.

Doch abgesehen von dieser, sich aus dem Spielbergschen Faible für den Familienaspekt in Filmen ergebenden Schwächen, strotzt dieser Film fast nur so vor Stärken.
An allererster Stelle sie hier der großartige Score von Altmeister und Spielbergs Hausregisseur John Williams genannt, der nicht nur ein Spitzentheme geschrieben hat, dass zur Zeit der Story passt, wie Arsch auf Eimer, sondern auch eins dass die humorvolle und oftmals leicht ironische Inszenierung der Gaunereien Abagnales, sowie den Duellen zwischen ihm und Hanratty so glänzend untermalt, dass man alleine schon deswegen immer ein leicht amüsiertes Schmunzeln auf den Lippen hat.
Neben den komponierten Stücken glänzt der Soundtrack natürlich auch durch eine wirklich exquisite Auswahl zeitgenössischer Musik, die dem ganzen Film auch in dieser Hinsicht die Abrundung geben, und sich perfekt mit den wunderbar warmen und bunten Bildern von Janusz Kaminski ergänzen, so dass „Catch me if you can“ insgesamt nicht nur die Geschichte eines Trickbetrügers auf der Flucht vor seinem Häscher ist, sondern nebenbei auch noch ein Portrait von einem „unschuldigen“ Amerika ist, dass noch nicht von Vietnam geschockt, und in dieser Phase nur bedingt vom Kalten Krieg beunruhigt ist.

Wenn man allerdings über die Stärken des Films spricht, kommt man natürlich unweigerlich zu dem Punkt, an dem man auch auf die Schauspieler eingehen muss, denn schließlich zählen die beiden Hauptdarsteller nun mal zu den großen medialen Zugpferden des Films in Deutschland.
Während Tom Hanks hier als F.B.I.-Agent Carl Hanratty durchaus einen angenehmeren und auch besseren Auftritt hat, als seine One-Face-Pseudo-Bösewicht-Rolle in Road to Perdition, ohne allerdings sein Qualitätspotential auch nur annähernd auszuschöpfen, kann Titanic-Held Leonardo DiCaprio in der Rolle des Titelhelden Frank William Abagnale richtig groß auftrumpfen, und wieder an seine großen Leistungen aus der Vergangenheit, wie z.B. „Jim Carol“ anknüpfen.
Er scheint hier wirklich die absolute Idealbesetzung, um die kindliche Dreistigkeit des jugendlichen Großbetrügers zu verkörpern, der auf der Suche nach Geld, Erfolg und Frauen, einfach das gemacht hat, was den wenigsten Menschen in ihrem Leben gelingt – die Chancen zu ergreifen, die sich einem bieten, wenn man eben nicht die Skrupel hat, mit der Naivität und Gutgläubigkeit seiner Mitmenschen zu spielen. Kleider machen Leute...
Aber nicht nur diesen Part spielt er mit einer wunderbaren Leichtigkeit, sondern auch als langhaariger, von der langjährigen Flucht ermüdeter Twen macht er eine absolut glaubwürdige Figur.

Lediglich während der Szene in der französischen Druckerei hat DiCaprio etwas zu dick aufgetragen, so dass man beinahe den Eindruck von geistiger Verwirrtheit bekommen konnte – etwas, was sich sonst nirgendwo im Film wiederfindet. Ohnehin gingen hier aber wohl auch bei Spielberg etwas die Gäule durch, im Versuch diese Szene zum finalen Showdown der Hetzjagd zwischen Hanratty und Abagnale hochzustilisieren.
Ganz eindeutig die schwächste Stelle eines ansonsten wirklich guten Films, der absolut Spaß gemacht hat – alleine schon unter der Prämisse, dass es eben auf einer wahren Begebenheit basiert.

Das Leben ist halt wie Kino: Zauberspiel und Gaukelei! (Starke 80%)

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