Nach dem aufwendigen und optisch beeindruckenden (wenn auch logisch und inhaltlich unbefriedigenden) "Minority Report" nun eine leichte Fingerübung vom Meisterle Spielberg.
Leichte und unterhaltsame Töne schlägt er an mit seinem lustig-unterhaltsamen Gaunerdrama, in deren Verlauf sich Leonardo di Caprio als ultrajunger Betrüger und Scheckfälscher durch diverse Existenzen als Pilot, Arzt und Rechtsanwalt schlägt, immer einen Schritt schneller als sein dröger FBI-Verfolger Tom Hanks.
Sicher, die Story hat so ihren ganz bestimmten Reiz, der Traum vom Ausbruch aus der eigenen Existenz, das Verstellen, das Schlüpfen in eine andere Hülle, doch Spielberg gibt dem Ganzen den nötigen Ernst, indem er das Auseinanderbrechen von Abagnales (di Caprios Figur) Familie als treibende Kraft für die Handlung werden läßt.
In seinem stetigen Bemühen, seine Familie durch den Erfolg seiner Betrügereien wieder zusammenzubringen, übersieht beständig und gewollt, daß seine Mutter sich komplett von ihm und seinem Vater zurückgezogen und eine neue (verheiratete) Existenz gegründet hat, während sein oft zwangsoptimistischer Vater mit seinem Maus-in-der-Milch-Gleichnis wider eigener Rede die ertrinkende Maus abgibt, obwohl er sich das selbst und seinem Sohn nicht eingestehen will und wird.
Damit filtert Spielberg die nötigen Emotionen in den leichten Spaß und so manches Mal überspannt er ihn damit.
Denn 140 Minuten sind selbst für die beste und ernsteste Komödie deutlich zu lang, doch wenn man schon mal Hanks und Leonardo in einem Film hat, dann will man ihnen auch beiden reichlich Zeit gönnen.
Hanks Rolle des FBI-Beamten wurde dabei dramaturgisch aufgeblasen, doch schafft er es mit einer biederen Standardleistung einen passenden Gegensatz zu dem sprühenden di Caprio zu bieten, der sich mit Freuden und Spiellaune durch seine Rollen schlägt.
Leider ist bei Onkel Steven immer eine dicke Moral bei der Geschicht und deswegen muß auch für die Exposition reichlich Zeit eingeräumt werden. Gehen die Betrügereien dann erst mal los, verfliegt die Zeit auch schon wie im Fluge, wobei das Timing und die gewissen Nuancen genau richtig gesetzt sind.
Am Ende braucht der Film jedoch zur Meisterschaft leider ein paar Schlenker zuviel, denn so langsam er startet, so lange läuft er am Ende dann auch aus, als könnte sich das Drehbuch und die Macher nicht von ihren Figuren trennen.
Die Verhaftung Abagnales in Frankreich dauert schließlich viel zu lange, eine weitere Flucht schließt zwar für die Hauptfigur den Kreis, kostet aber wieder Zeit, bis schließlich sogar die Arbeit Abagnales beim FBI in seinen persönlichen Werdensprozeß eingebunden wird.
Ein Dilemma ist sicherlich, daß man nicht so recht weiß, wo man denn die Schere schmerzfrei ansetzen könnte, um die Story um 20 Minuten auf das zulässige Höchstmaß zu kürzen, denn die schauspielerischen Leistungen sind ausgezeichnet, vor allem Christopher Walken als Leos Vater dürfte seit 15 Jahren minimum keine so zurückhaltende und gerade deshalb so dankbar anrührende Rolle abbekommen haben.
Ansonsten gönnt sich Spielberg ausgiebig seine Zeitreise in eine vergangene Epoche, die der 60er, bietet eine Ausstattungsorgie und weichen Tönen, reichlich sonnenüberfluteten Sets und schickem Zeitkolorit dar, ein wunderbarer Ausflug in die Vergangenheit, unterstützt von einem bemerkenswert jazzigen John Williams, der schon zu dem geradezu meisterlich animierten Vorspann mit ganz neuen Tönen aufhorchen läßt.
"Catch me if you can" wird nie besondere Relevanz oder Bedeutung erlangen, aber er läßt den Zauber, die Magie von dem, was Kino kann, mit voller Lust wieder aufleben und das auch noch still, verspielt und unaufdringlich. Ein leises, beschwingtes Fest für alle, die mal wieder im Kino träumen wollen.
Für den Look : Chapeau, Mr.Spielberg! Ich habs genossen. (8/10)