Review
von Leimbacher-Mario
Sky is not the Limit
Steven Spielberg steht sowohl für höchste Unterhaltung (Indiana Jones, Der Weiße Hai, E.T.) wie auch hohen Anspruch (Die Farbe Lila, Minority Report, Schindlers Liste) - ein Meister kann halt beides. "Catch Me Me If You Can" ist eher eine Randerscheinung seiner beeindruckenden Filmographie & befindet sich so ziemlich genau in der Mitte dieser zwei sich oft schneidenden Kreise. Kunst & Anspruch als ernstzunehmende Geschichte mit familiär-emotionaler Aussage & als Erinnerung an die 60s; pures Entertainment im Sinne von einem sagenhaften, spielfreudigem Cast, verschwimmenden Genregrenzen & einem coolen, bunten Look & humorvollen Ton. Die Geschichte von einem der gewievtesten Trickbetrügern aller Zeiten, der sich u.a. durchaus erfolgreich als Pilot, Arzt & Anwalt ausgab, streift viele Genres, von Komödie bis Thriller, ist im Endeffekt aber am ehesten eine ausgeschmückte, fantasievolle Biographie. Und ähnlich wie der aktuelle "Bridge of Spies", der Beweis, dass selbst Spielbergs Mittelmaß, immer noch fesselt & weit, weit überm Durchschnitt spielt. Die Gauner-Farce mit Di Caprio & Hanks bietet jetzt nicht den Stoff für einen großen Klassiker & ist recht schnell wieder raus aus dem Gedächtnis, macht aber trotzdem eine Menge Spaß & kann durchaus als unterschätzt gesehen werden.
Ein Highlight der Trickster-Story sind die Darsteller, vor allem Di Caprio in eine seiner besten Rolle. Auch wenn er Sonntagnacht für "The Revenant" seinen ersten Oscar kriegen sollte, gefällt er mir in solchen charmanten Schlawiner-Rollen noch immer am besten. Und damals war er wirklich noch fast ein Junge mit diebischem Grinsen, was sich jederzeit auf den Zuschauer überträgt. Er ist der Motor der Geschichte & man hält zu ihm, egal für wen oder was er sich als nächstes ausgibt. Erst recht wenn man die viel Platz einnehmende Familiengeschichte jederzeit unterschwellig spürt. Dagegen verblasst ein routinierter Tom Hanks als fast verzweifelnder Detective etwas & es muss schon ein legendärer Christopher Walken daherkommen, um hier & da mal eine Szene zu stibitzen. Durch ihn wird selbst der mir persönlich etwas zu ausführlich erzählte Part um das Vater-Sohn-Verhältnis sehenswert, wenn wohl mein Ansatz gewesen wäre, dort zu kürzen, um dem Film etwas mehr Straffung & Tempo zu verleihen. Manchmal zieht er sich für seine eigentlich spielerische Art etwas, eine kürzere Laufzeit hätte vielleicht gut getan. Wenn der Film seine Tricks, sowohl erzählerisch als auch optisch, aber erst einmal auspackt, was schon im wunderbaren Vorspann beginnt, dann kann man auch bei einem "Biopic" im weitesten Sinne, eine gewisse Spielberg-Magie nicht verleugnen. Gegen Ende ist man sich etwas zu sicher, dass der Film nicht allzu düster, wahrscheinlich sogar mit Happy End, abschließen wird (Spielberg-typisch wahrscheinlich sogar mehrmals), was sich für mich aber eher sympathisch, warm, fast schon traditionell anfühlt. Und es muss ja nicht alles immer auf achso düster getrimmt werden. Für Fans einer goldenen Ära, die sich schon damals nicht immer bierernst nehmen musste, eh ein goldener Schimmer am grauen Horizont.
Fazit: Spielberg mal lockerleicht & ganz unprätentiös. Schöne Hommage an sympathische Betrüger & die Swingin' Sixties. Nicht Spielbergs Toplevel, aber immer wieder überraschend kurzweilig für die etwas zu lang geratene Laufzeit.