Nach „Noah“ hat sich Regisseur Darren Aronofsky ein wenig Zeit gelassen, damit erneute Parallelen zur Bibel bei „Mother!“ nicht sofort ins Auge stechen. Formal macht der Stoff eine Gradwanderung vom Kammerspiel zur Groteske durch, wobei im letzten Drittel mehr als nur über die Stränge geschlagen wird.
Ein Dichter (Javier Bardem) und seine jüngere Frau (Jennifer Lawrence) haben ein geräumiges Landhaus bezogen, welches sie in liebevoller Kleinarbeit renoviert, während er an einer Schreibblockade leidet. Eines Tages erscheint ein fremdes Paar (Ed Harris und Michelle Pfeiffer) bei den beiden, was bei der Besitzerin Unwohlsein auslöst. Nicht ganz unbegründet, denn als wenig später die beiden Söhne des Paares aufkreuzen, eskaliert die Situation…
Etwas ist faul im Paradies der namenlosen Muse, die aufopferungsvoll gegen Kontrollverlust und Veränderungen ankämpft, während der Dichter eine nazistische Seite offenbart und um Anerkennung buhlt. Zunächst mutet der Stoff wie Home Invasion an, latentes Unbehagen macht sich breit, als die Fremden oftmals respektlos und forsch auftreten, wogegen der Dichter sich geschmeichelt fühlt, in dem Fremden einen heimlichen Verehrer seiner Werke gefunden zu haben.
Lange Zeit zerrt die Erzählung von ihrer Unberechenbarkeit aus Sicht der Muse, deren Perspektive nur selten verlassen wird. Das Haus scheint zu leben oder zumindest an manchen Stellen innerlich zu pulsieren, zudem stellt sich titelgemäß die Frage um Fruchtbarkeit und Schöpfung, was erst einmal zunichte gemacht wird, als Kain und Abel ein kleines Blutbad hinterlassen. Als schließlich immer mehr Menschen die eigenen vier Wände betreten, stellt sich rasch die Frage, warum die junge Frau die Situation mit unmenschlicher Geduld zulässt, obgleich ohnehin niemand auf sie hört. Hier deutet sich bereits an, was schließlich als eine von diversen Interpretationsmöglichkeiten denkbar wäre.
Denn im letzten Drittel holt Aronofsky den Allegorie-Hammer heraus und liefert neben Sodom und Gomorra bürgerkriegsähnliche Zustände, einige unvermittelte Gewalteinlagen und boshafte Momente im Zuge einer Rosemarys-Baby-Stimmung.
Die Heiligen Drei Könige hätten die Wogen vielleicht etwas glätten können, denn der immense Kontrast zur atmosphärisch dichten ersten Hälfte ist dann doch etwas zu gewaltig.
Was und wie viel man auch immer in die Geschichte hineininterpretieren mag, - Lawrence meistert die Hauptrolle mit starker Präsenz und stets treffender Mimik und lässt ihre mindestens solide aufspielenden Mitstreiter zuweilen reichlich alt aussehen, was natürlich auch ein Verdienst der Kamera ist, die stets nah an der Hauptfigur klebt.
Diese mag man letztlich als Mutter Erde, aufopfernde Muse oder naive Hausfrau im Fiebertraum betrachten, - bizarr und zuweilen spannungsgeladen bleibt der Streifen bis zum Schluss.
7 von 10