kurz angerissen*
[Spoiler-Andeutungen im letzten Abschnitt!]
Man konnte es befürchten und es hat sich bestätigt: Im Titel steckt mehr von einer schwülstigen Metapher, als einem lieb sein kann. „The Mountain Between Us“ ist weniger ein Film über den Überlebenskampf zweier Städter nach einem Flugzeugabsturz, sondern letztlich ein triviales Annäherungs-Drama. Nicht etwa die Kälte der schneebedeckten Gebirgslandschaft wird zum Antagonisten erklärt, sondern die vom Leben in der Zivilisation errichtete Blockade in den Köpfen der Überlebenden.
Hany Abu-Assad unterliegt dabei der fixen Idee, große Gefühle seien dazu in der Lage, physische Widerstände völlig aus der Angeln zu heben. Dass er nicht zumindest beides koexistieren lässt und gleichermaßen sorgfältig behandelt, geht zu guter Letzt auf Kosten der Dramaturgie. Niemand mag in einem mit Kate Winslet und Idris Elba besetzten Film einen harten Survival-Thriller erwartet haben, aber die ungewöhnliche Situation im Nirgendwo, die eigentlich volle Aufmerksamkeit erfordern sollte, wird nur verschwommener, je länger das ungleiche Paar in ihr verharren muss. Das ist schon recht ungewöhnlich, gewinnt das Survival-Kino doch gewöhnlich erst dadurch seine Intensität, dass die banalen Belange der Zivilisation angesichts der Gefahren in den Hintergrund gedrängt werden. Die Wahrnehmung der Umweltfaktoren sollte somit eher an Schärfe gewinnen anstatt verlieren; hier ist das Gegenteil der Fall. Zu durchschaubar bleiben auch die Versuche, Thriller-Elemente als Katalysator für Einsamkeit und Sehnsucht einzuspannen; der Hund, der als Seitenbegleiter immerzu die Sorge des Zuschauers bündelt („wieso war der denn jetzt so lange nicht im Bild?“), die so offensichtlich entgegengesetzten Überlebensstrategien der Figuren (Aussitzen vs. Erkunden)... auch wenn es sicherlich legitim ist, primäre Bedürfnisse zu verwenden, um sekundäre Bedürfnisse auszuarbeiten, so sollte das doch nicht derart plakativ geschehen wie hier.
Vielleicht klingt das dramatischer als es in Wirklichkeit ist, da Winslet und Elba immerhin gestandene Schauspieler sind und mit ihrem Können so manchen Szene abfedern, die droht, ins Kitschige abzugleiten. Den Todesstoß jedoch wissen sie bei all ihrer Ausstrahlung nicht zu verhindern, diesen Schlusspunkt kurz vor der Abblende, wenn Berge plötzlich im Nichts verschwinden und Magnete freie Bahn haben...
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