kurz angerissen*
In diesem Fall wäre es ein leichtes, den Besprechungsgegenstand in der Luft zu zerreißen. Aber zäumen wir das Pferd doch einmal von hinten auf. „The Humanity Bureau“ ist nämlich so richtig gut darin, die Fantasielosigkeit bloßzustellen, die auch manch höher budgetierten Endzeitfilmen zugrunde liegt. Jene können ihre einfältigen Prämissen womöglich noch mit kostspieligen Schauwerten kaschieren; eine Option, von der die in kanadischer Einöde abgedrehte Billigproduktion keinen Gebrauch machen kann. Wie ein Kleinkind in der Imitationsphase ahmt sie stattdessen eifrig die Charaktereigenschaften der Erwachsenen nach und legt damit unbeabsichtigt offen, wie idiotisch diese sich manchmal präsentieren.
Wenn Hugh Villain... ähm, Dillon in einer Welt ohne sauberes Wasser dekadent in einem privaten Swimming Pool seine Bahnen zieht, beobachten wir dieses Schauspiel nun endlich mit der gebührenden Skepsis. Selbiges gilt für seine Gesichtsverrenkungen, wenn er als manisch-kontrollierter Psychopath nach Vorbild der großen Film-Gangster eine Maske der überheblichen Coolness zu errichten versucht, die man diesmal mühelos zu durchschauen weiß. Der arme Schauspieler wird in seinen Method-Acting-Bemühungen von Kamera und Regie ja auch völlig im Stich gelassen und wirkt inmitten der wichtigsten Badass-Momente regelrecht hilflos. Die im Drehbuch verschlüsselte Naivität der pessimistischen Zukunftsvision wird glasklar, weil es nichts gibt, was sie verschleiern könnte. Und weil sie von vorne bis hinten bei den großen Jungs abgeguckt ist, gilt diese Erkenntnis für selbige gleich mit.
Für dieses Spiel mit offenen Karten könnte man ja fast schon dankbar sein. Nur macht das leider noch keinen guten Film. Wenigstens auf zünftigen Trash darf man nach den ersten Minuten noch hoffen. Als Nicolas Cage mit Rückprojektionen aus dem Hitchcock-Zeitalter im Nacken hektisch am Lenkrad zerrt, während er an seinem Hologramm-Smartphone auf dem Beifahrersitz fummelt und Off-Kommentare in unsichtbaren Luftblasen absondert, reibt man sich noch die Hände in Vorfreude auf eine Demonstration des schlechten Geschmacks. Die meisten anderen Cage-Vehikel aus der dritten Reihe waren ja eher bodenständige Krimi-Nummern. Würde das überambitionierte Zukunftsszenario also für den nötigen Schuss Absurdium sorgen?
Das mag zwar für ein, zwei typische Cage-Momente gelten und auch für manch blödsinniges Verhalten der Nebenfiguren; insbesondere dem Jungen (Jakob Davies) möchte man permanent links und rechts eine pfeffern für sein bemüht „unauffälliges“ Verhalten auf der Flucht vor den Agenten (beinahe so, als würde man einem Agent Smith einen Open-Source-Code auf dem Silbertablett servieren). Schade, dass Rob King aus den trashigen Anlagen nicht viel macht. Die durchaus regierungskritischen Ansätze (ein von Schutzwällen umringtes Amerika, das zur pervertierten Hochleistungsgesellschaft verkommen ist, Donald Trump auf einem Archivfoto) versanden in einer öden Verfolgungsjagd durch Wüstengebiet, die weder in Sachen Action noch Thrill auch nur annähernd erwähnenswert ist.
Für Cage nur ein weiterer Gehaltsscheck auf dem Weg zu des blinden Huhns nächstem Korn; für den Zuschauer 5664 Sekunden Lebenszeit, die man wohl spätestens im Mittelteil mit dem Anstarren des Timecodes verbringen wird.
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