Review

There'd been a lot of shooting going on that day, but not many Indians had bitten the dust.“ (Ben Johnson, während der Dreharbeiten zu Bis zum letzten Mann.)

When we played Indians, we'd put a feather in our wig, and wear a breech cloth. Sometimes we'd play an Indian in the morning, and after lunch we'd put our western clothes on and chase ourselves all afternoon.“ (Stummfilmstar Hoot Gibson.)
 
When we came to America, there were a few thousand Indians over millions of miles, and I don’t feel we did wrong in taking this great country away from these people, taking their happy hunting ground away. We were progressive, and we were doing something that was good for everyone.” (John Wayne.)

Worte zum Western, als seit Jahrzehnten totgesagten Genre, welches niemals richtig tot war, aber oftmals am Boden lag zum Ruhen, zum Siechen auch, auf den Weckruf wartend, der alle Jubeljahre mal erschallt und wo dann aber kein Nachfolgen ist. Heute im Kino ist der uramerikanische Film noch und das auch selten vorhanden als Komödie oder umgekehrt (wie hier) recht schwer, als anspruchsvolles oder um Anspruch krampfendes Independentdrama mit An-und Aussage, als Elegie auf die Vergangenheit oft und die Einsamkeit im Jetzt und Hier gesetzt. Richtig aktiv atmen und die Tradition fortführen tut oft nur das Fernsehen in Form von Serien, oder der Heimvideobereich, dass sich der zahlreichen Mythen und Legendenfiguren bedienende C-Picture, durch abgehalfterte Ex-Prominente und eine preiswerte bis billige Machart 'geadelt', entsprechend von den Massen übersehen und von den Kritikern ignoriert.

Sein schäbiges Haupt erheben und einsam und allein auf weiter Flur spricht nun Hostiles zu uns, von der großen Leinwand herab, wohin diese Gattung allein schon wegen seiner (gerade hier gediegenen und genussvollen) Bilder, des getätigten Aufwands, des Engagements, der vielen auskostenden Naturaufnahmen epischer Weite und Breite, der liebevollen Ausstattung, der Allgemeingültigkeit der Geschichten und der Erinnerungen an die eigenen Kindheitstage, die Abenteuer vom Cowboy- und Indianerspiel und die Reminiszenzen an 100 Jahre Filmgeschichte und ihre Pioniere auch hingehört. Ford steht immer Pate und wird auch gerne mal erwähnt, hier gleich mehrfach, vom Visuellen sowieso und von den Beobachtungen aus der Kavallerietrilogie – Drei Filme, kurz hintereinander produziert, die damals beim Erscheinen schon mächtig waren und heute noch gewachsen sind – und dem 'Zusammenleben' bzw. doch eher der Konfrontationen der Ureinwohner Amerikas und der Neuankömmlinge und Besatzer in Uniform her. (Der nicht gerade als Menschenfreund bekannte) Ford erzählt und filmt allerdings anders, drakonischer und disziplinierter, mehr auf Kürze und Würze der getätigten Aufnahmen und der Schnittmontage bedacht, die hier zäh wie Büffelleder manchmal und sich oftmals im Kreise drehend bzw. den richtigen Abschluss verpassend wirkt:

1892, New Mexico. Captain Joseph J. Blocker [ Christian Bale ] bekommt von seinem Vorgesetzen Colonel Abraham Biggs [ Stephen Lang ] den Auftrag, ein bewilligtes Gnadengesuch umzusetzen und den schwerkranken Cheyenne-Häutling Yellow Hawk [ Wes Studi ] samt Familie aus der jetzigen Gefangenschaft der US Army hinaus und durch das halbe Land in ihr Stammesgebiet zu geleiten. Blocker, der noch mehr als eine Rechnung mit den Indianern allgemein und dem ihm beauftragten Yellow Hawk speziell hat, weigert sich inständig, und willigt erst bei Androhung des Verlustes der Pension samt unehrenhafter Entlassung aus dem Dienst ein. Als Geleittrupp auf dem Weg begleiten ihn u.a. 1st Sergeant Thomas Tommy Metz [ Rory Cochrane ], und Lieutenant Rudy Kidder [ Jesse Plemons ], die ihre eigenen Ansichten über den ungewohnten Befehl haben, und bald treffen sie auf die Witwe Rosalee Quaid [ Rosamund Pike ], die mitten im Nichts in ihrem von Komantschen verbrannten Haus samt drei toten Kindern und einem skalpierten Ehemann sitzt.

Über die Eröffnungsszene wird natürlich gesprochen, ein kurzer Moment der Gewalt bloß, aber von jetzt auf gleich und als tödlicher Angriff gegen Alles und Jeden, gegen Mann, Frau und ihre Kinder und ohne auch nur den Hauch der Chance von Gegenwehr oder wenigstens der Flucht gesetzt. Eine Mutter, die ihre gesamte Familie binnen Sekunden verliert, und nur allein in der Wildnis überlebt, weil sie einfach "Glück" hat und auch das Baby im Arm nicht mehr am Leben, nicht mehr am Schreien oder sonst einen Ton von sich geben und dadurch die sich versteckende Mutter nicht verraten ist.

Die Tonart ist schnell gesetzt, und Gewalt erzeugt Gegengewalt, eine stete allgegenwärtige Bedrohung und ein ebenso steter Strudel von Grausamkeiten dem Gegenüber, der zusätzlich noch mit Worten traktiert und beleidigt wird und dessen Würde gegenüber der Familie und den Angehörigen im Umkreis heruntergesetzt. Die Nachwehen eines Krieges, der seit Jahrzehnten schon andauert, nie am Ruhen war und nie am Ruhen, bloß noch das Ziel des Vernichten des Andersartigen hat und das ehemals Menschliche in einem längst wie all die ehemaligen Freunde und Wegbegleiter ausgelöscht und begraben ist. Hass und Vergeltung als Hauptantrieb, wird vom Soldaten Joseph als Befehlsempfänger der Befehl selber mit dem Hinweis auf die früher Gefallenen und früher Passiertes, mit dem Erzählen der alten Kriegsgeschichten quasi abgelehnt und diskutiert; eine Gegenwart unbeachtet und eine Zukunft nicht gesucht, sondern sich bloß aus dem Erlebten der Brutalität und der begrabenen Gefährten heraus motiviert.

Das Briefing vom letzten Auftrag, von der finalen Mission, dem Ausritt und Übergang vom Soldatenleben zum bevorstehenden Zivilisten erinnert abermals an John Wayne, welcher als Hauptsiedepunkt und Der Teufelshauptmann bei Fords Dreiteiler vertreten ist, und zusätzlich stark vermehrt an dessen Die Grünen Teufel, in der der Darsteller und dort auch als Regisseur Tätige den Umstehenden, allen voran den Zeitungsredakteuren und dem Zuhause bleibenden Personal die Welt und seine Sicht darauf erklärt. Hier in der gleichen verbalen Auseinandersetzung mit nur scheinbar ähnlicher Position, ist Joseph aber nur ein Glied der Kette und nicht allzu weit oben in der Hierarchie, und würde er zwar gern den 'Zeitungsfritzen' und bloß in der Theorie erfahrenen 'Schreibtischhengst' packen und schütteln und ihm Mores lehren, kann dies allerdings nicht, und auch die begonnene Aufzählung der Namen Gestorbener verfliegt. Eine im Grunde unnötige und unnötig gestellte Szene auch (es gibt keinen erdenklichen Grund, warum der 'Papiertiger' anwesend ist, und sich gegenüber dem bloßgestellten Soldaten als hochnäsig, von vornherein feindlich und mokant gebiert, und es gibt auch keinen Grund, warum dessen Vorgesetzter diese Konstellation erst so einberuft und seinen eigenen Untergebenen vorführt), die die Weichen auf emotionale Dramatik und hochgeladene Gefühle, auf ordentlich Aufpeitschen eben legt.

Als Folge dessen treten auch noch weitere Kommunikationsszenen (während einer Nachtwache im Tal des Todes, oder an Tisch eines weiteren Offiziers, dessen Ehefrau ihre Meinung zur Behandlung der Ureinwohner kundtut und dies missbilligt; was auch durchaus rechtens sein mag, aber angesichts der auch anwesenden, gerade den Tod ihrer gesamten Familie 'verarbeitenden' Rosalee zu dem Zeitpunkt ganz einfach das falsche Thema und recht gedanken- bis gleich pietätlos ist) auf, die allesamt mit dem schweren Hebel angesetzt und bald auch resistent bis redundant wirken, und nur dazu da sind, auf simpelste Art und Weise gleichsam simpelste Reflexionen und dies meist bloß auf die eigentlich vorausgesetzte, da selbstverständliche Aussage vom “Indianer sind auch nur Menschen“ auszulösen. In der Hinsicht findet Regisseur und Autor Cooper, der die rapiden Aktion- und schwelenden Bedrohungsszenen dafür gut im Griff hat, lange Zeit keinen Hebel zur Völkerverständigung und wird das dato sowieso schon lahmende Pferd echt totgeritten.

Verbal überhaupt recht schwach belegt, selbstverliebt wirkend und so wie in Standbildern klebend gefangen und auch darstellerisch nicht die Herausforderung oder die Annahme dieser, gelingt durch den Naturalismus, später auch der Existenzphilosphie und die Konstellation der Personen selber immerhin eine Einsicht in das Geschehen, ist doch nahezu jeder der größer Beteiligten eine Art Spiegelbild von Joseph und dieser so (auch gerade in der Interaktion mit diesen) in verschiedenen Phasen seines Ichs und konkret da auch an drei Polen zu sehen: Sein ältester Freund Metz als Jemand, der sich aufgegeben hat und im Grunde gar nichts mehr spürt, nicht mehr lebt, und selbst die Melancholie bald vergisst. Der junge West Point Absolvent Kidder als eine frühere Ausgabe, dem das erste Töten noch schwer fällt, und der schon Angst hat, sich daran zu gewöhnen. Und der später hinzugefügte Häftling Sergeant Charles Wills [ Ben Foster ], welcher die Handlung auf eine nächste und neue Ebene hievt und quasi nicht mehr die 'moralische Entschuldigung' und das Verstecken hinter dem Auftrag und Job  als Soldat braucht, um zum Mörder zu werden. Rosalee selber zeigt ihm mit ihrem Schmerz und auch Hass und auch dem kurzen Gedanken an Selbstmord angesichts dessen, dass er im Grunde nichts dergleichen erfahren hat, sich (gerade wie in dem Briefing und der anschließenden Fast-Verzweiflungstat in der Wüste auch mit geladener Waffe) viel zu wichtig nimmt und bloß einen Beruf ausführt, und vielleicht irgendwann doch eine friedvollere Zukunft winkt. Er findet kein Gegenüber in den Indianern, die im Grunde unwichtig, da nur Gimmick, Stichwortgeber für Worthülsen und schmückendes Beiwerk und bald nicht mal mehr seinem Feindbild förderlich sind.

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