kurz angerissen*
Zwei Todfeinde, durch die Situation aneinander gebunden und dazu gezwungen, dem jeweils anderen zu vertrauen? Wenn das mal nicht nach einem typischen Drama über Vorurteile und Rassismus klingt, wie es der Tränendrüse alljährlich zur Oscar-Saison aufgezwungen wird. Der älteste Stammeskonflikt der amerikanischen Geschichte wird einmal mehr heruntergebrochen auf das Verhältnis zwischen zwei (repräsentativen?) Anführern, aus deren Geschichte es zu lernen gilt. Mit dem Unterschied, dass es sich diesmal um einen freudlosen Western handelt, der mit der rührseligen Best-Picture-Bildsprache weniger gemein hat als mit einem garstigen Independent-Streifen... und aus dieser Garstigkeit all seine Kraft zieht.
So macht der gnadenlose Einstieg gleich deutlich, dass es hier trotz eines Gefangenentransports im Main Plot nicht darum gehen wird, Gefangene zu machen. Das Land ist groß und weit, der Blick darauf aber immer wieder verstellt durch lange Grashalme, staubigen Boden und Galgen, die von Bäumen hängen. Der Treck, der bereits durchgehend mit inneren Konflikten zu kämpfen hat, wird zu allem Überdruss auch noch ständig von außen attackiert, was in hektische, unübersichtliche Situationen mündet. Regisseur Scott Cooper macht klar, dass seine Protagonisten sich ihre teilweise herzzerreißenden Tragödien durch stures, verbittertes Verhalten selbst verdient haben; Wes Studis versteinerte Maske, die toten, leeren Augen von Rosamund Pike und Christian Bales überanstrengte Trauermiene sprechen Bände.
Die antirassistische Aussage von „Hostiles“ kommt also mit Fanfaren und viel Theatralik, was der Abrechnung mit dieser trostlosen westlichen Welt in den letzten Zügen einer Epoche allerdings wenig von ihrer Bestimmtheit nimmt. Um diesen Film schnell zu vergessen, ist er schlichtweg zu intensiv und erdrückend.
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