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Ironie der jüngeren Chinesischen Filmgeschichte, dass der hiesige Regisseur Stephen Fung jahrelang A Better Tomorrow neu auflegen wollte, was nunmehr als A Better Tomorrow 4 durch Ding Sheng vollzogen wird; während Fung sich stattdessen an Once a Thief versuchte, und John Woo selber mit dem Remake eines 70er Jahre Actionthriller aus Japan an den Start ging. Das aktuelle Chinesische Kino im Bereich des Spektakelfilmes im modernden Gewand trotz stetig steigender Interessen seitens des Publikums und entsprechender Rekorde an den Kinokassen bereits auffällig in diesem Jahr auf entweder Fortsetzungen, Neuverfilmungen eigener Stoffe, Übertragungen aus anderen Ländern für die einheimische Zuschauerschaft oder leinwandfüllende Versionen von ursprünglichen Fernsehserien und anderer eher kreativ schwacher und formell einfältiger Arbeiten eingeschränkt, wobei es zwar auch das Ausnahmen gibt, diesen aber wenig Raum zum Atmen geboten wird und auch das Auditorium nicht so richtig anspringt. Ob sich das in kommenden Jahren noch ändern und eventuell der vergleichsweise raue Ton früherer Polizei- und Dramafilme um die 90er des letzten Jahrhunderts wieder aufgenommen und erreicht wird, ist angesichts der steigenden Kommerzialität und bleibenden Beschränkungen durch Politik, Zensur und eben auch der Hindernisse durch finanzielle Unwägbarkeiten fraglich. Und wird sich in der Zukunft ergeben.

In derlei Hinsicht ist man bis dato demnach bestenfalls, aber dies auch nur im Zusammenwirken von ursprünglich aus HK stammenden und dort groß gewordenen Filmemacher im Umgang mit den 'neuen' Geboten, also in der Anpassung an die bestehenden Regeln aus der Volksrepublik und die 'Anbiederung' und Bedienung des Massenmarktes interessant. (Die Übertragungen bereits fertiger, zumeist koreanischer Produkte für den Innenmarkt laufen zumeist im öden 1:1 ab und haben kaum eigene Meriten und auch keine Bewandtnis im Einspiel.) Zusätzlich fällt vielleicht noch die erweitere Internationalisierung auf, die durch einen auch dem westlichen Augen schmeichelnden bunten Farbkatalog in den Bildern und oft einem ausländischen Mit- oder Gegenspieler von mehr oder minder populären Bekanntheitsgrad, und der gesamten leichten Dramaturgie einer Popcorn-Unterhaltung mit etwas Scherz und etwas Aktion (in Form von zwei Verfolgungsjagden ohne großen Blechschaden und einer Explosion) und exotischen Reiseaufnahmen (nach Cannes, Prag und Kiew) getragen wird:

Als Gentleman-Dieb Dan Zhang [ Andy Lau ] nach mehreren Jahren Gefängnis das selbige wieder verlässt, wird er noch vor den Toren von den ihn seither jagenden Polizisten Pierre Bissette  [ Jean Reno ] angesprochen und gewarnt. Zhang lässt sich davon allein aber sicherlich nicht abhalten, sondern will auch aus persönlichen Gründen und zusätzlich im Auftrag seines Lehrmeister und Hehlers Kong [ Eric Tsang ] ein mehrteiliges Collier stehlen, dass ihn auf die Spur eines Verräters und Verursachers seiner Haftstrafe bringen soll. Sein Team bestehend aus dem Protege Po Chen [ Tony Yang ] und dem Neuzugang Red Ye [ Shu Qi ] heften sich an die Fersen des schwer beschützen Geschäftsmannes Charlie Law [ Sha Yi ], während Pierre selber enge Zusammenarbeit mit Zhangs ehemaliger Freundin und unfreiwilligen Helferin Amber Li [ Zhang Jingchu ], einer Versicherungsagentin beschließt.

Once a Thief bietet sich dafür als Vorlage natürlich explizit an, wurde doch dort schon 1991 genau das selbe Strickmuster und dies in aller seichten Beliebigkeit und exakt als Appetithäppchen für die Kinokassen, als Entertainment dünn wie Flaum und überhaupt schwereloser, allseits unbedenklicher Ablenkungskost bedient. Eines der (damals) recht gescholtenen Arbeiten von Woo, die viele unter seiner Würde sahen und wo die Mischung aus Gaunerkomödie mit Screwballanleihen und etwas gediegener Materialschlacht von Remy Julienne sowie vielerlei Postkartenaufnahmen von Frankreich trotz Starbesetzung und einem Shoot 'Em Up Finale erst spät seine Fürsprecher fand. Das Remake bzw. doch eher das diese Inspiration sich zu eigen machende Adventurers wird es diesbezüglich noch schwerer haben, ist es im Grunde noch unnötiger und auch banaler und (blu)tleerer angelegt; nur vom Alter der Protagonisten her ein Erwachsenenkino, das vielmehr die gesamte Bevölkerung ansprechen soll und es so jeden und alles recht machen und es eher beruhigen als aufregen und so fast wie einschläfern will.

Interessanterweise sind hier die Hauptdarsteller auch nicht etwa jünger oder frischer als beim Original, was ja zumeist auch der Grund für eine Adaption, das der Zubereitung für die nachgewachsene Klientel nämlich ist. Damals waren das Trio Anfang /Mitte 30, hier ist selbst die Jüngste schon 40, und die Männer Mitte 50 bzw. schon fast 70; wobei Andy Lau und Shu Qi, die damalige Freundin des Regisseurs und baldige Ehefrau auch bloß die Zweitbesetzung, der Ersatz für die abgesprungenen William Feng und Crystal Zhang sind.

Zugutehalten muss man dem Werk wenigstens, dass es sich nicht etwa sklavisch an den Ideengeber hält, sondern gerade mit der Figur des Polizisten und der Ex-Freundin vom Dieb neue Elemente hinzu addiert und so eigene Wege im gleichen Wanderungsgebiet quasi geht. Das war es allerdings fast schon an Lob, hat die dünne Geschichte mit im Grunde nur einem einzigen Raubzug dadurch nicht etwa mehr Spannung, verliert auch ein Gutteil der dramaturgischen Komponente (vom unglückseligen Liebesgeflecht zweier Männer und einer Frau, in der ein Faktor immer zuviel des Guten ist), und wird durch das hauptsächlich in Englisch gehaltene Radebrechen im Grunde aller Beteiligten, die nun alle keine Muttersprachler sind die Handlung eher noch mehr auf naiv herunter gebrochen als sie so schon ist. Ein richtiges Schauspiel ist nicht zu vermelden, eher ein bloßes Auftragen der Sätze, die alles andere als gehaltvoll, teilweise schon von weitem erahnbar und quasi von vornherein hörbar sind, was den Film trotz sicherlich technischer Versiertheit und guten Effekten reichlich dahinplätschern lässt und mit den künstlich wirkenden und farblich gesättigten Aufnahmen das Ganze überaus beliebig und langweilig, wie selbst im flüchtigen Showdown noch im Nebenher erscheinen lässt.

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