Mit "Last days of humanity" überrscht uns ein Regie-Duo aus Niederbayern in der vorweihnachtlichen Stille mit seinem kunstblutigen Erstlingswerk.
Die Zero-Budget-Production wurde in zweijähriger Arbeit von Peter Dubiel und Martin Faltermeier mit großer Hingabe realisiert. Die Vorbilder sind bereits nach wenigen Sekunden Filmlaufzeit klar erkennbar: Die Essenz aus allen B- bis Z-Zombie-Reißern wird eingedampft und angereichert mit Laiendarstellern, deren herausragendste Fähigkeit die Duldsamkeit bei ausgiebigen Kunstblut-Bädern zu sein scheint, wieder aufgekocht. Die "Story" ist mehr Feigenblatt als Handlungsstrang, für das Gezeigte ist sie ohnehin völlig bedeutungslos und hält den Zuschauer nur unnötig bei seiner Reise durch das kleine Repertoire des allfälligen Schädeldecken-Massakers auf.
Die Produktion ist so grottenschlecht, dass sie schlichtweg als "genial schlecht" bezeichnet werden muss. In primitiver No-FX-Darstellung mit teiweise Hausfrauenporno-artigen Originalton-Szenen und mit improvisierter Ausstattung wird 60 Minuten lang der Abgesang auf den kommerziellen Horrorfilm zelebriert. Dabei vermeiden die Macher des Films geschickt jede pseudo-professionell ausgefallene Anmassung, wodurch schon so manch anderer Amateurstreifen schlicht als peinlich oder lächerlich abgewertet wurde. Hier ist man mit Leidenschaft bei der Sache, fuck the commerce!
Der Spaß der Beteiligten beim Herunterkurbeln des Streifens dokumentiert sich folgerichtig in jedem Einzelbild. Die Outtakes aus dem Bonusmaterial (30min, sehenswert!!!) des Tapes sind oft unterhaltsamer als die endgültigen Szenen. Ungläubiges Kopfschütteln über die Unbedarftheit bei den Dreharbeiten wechseln sich beim Betrachter mit dem dringenden Wunsch zur Teilnahme am nächsten Wochenend-Massaker ab. "Das Ziel ist der Tod", ein Anmeldeformular für die nächste Produktion liegt dem Tape bei.
Die atavistischen Häckselorgien bieten einen weitgehend vollständigen Überblick aller bekannten Zombie-Verstümmelungs-Techniken. Nach einem einleitenden Kraftausdruck sorgen sich die Protagonisten in strenger Regelmässigkeit um den Durchzug im Oberstübchen der herantaumelnden Untoten. Bei so viel Spaß stört es nicht wirklich dass die Spezialeffekte bei objektiver Betrachtung kaum besser als "komabrutal" zu bezeichnen sind und schlampige Schnitte die liebevollen Kopf-Spreng-Basteleien deutlich an Wirkung beschneiden. Endlich wird der Albtraum eines jeden Autofahrers, dem beim Verladen der Einkäufe schon mal der Kofferraumdeckel in den Nacken gekracht ist, zur kopflosen Wirklichkeit. Und einen von der Machete durchstossenen Kopf, der vom Kinn ab aufwärts (!!!) gespalten wird, habe ich vorher auch noch nicht gesehen.
Die Ausdruckskraft der schauspielerischen Leistung entzieht sich jeder Kritik. Selbst ein früher Ittenbach wäre beim Versuch gescheitert, der Hauptdarstellerin den grausamen Tod der ganzen Famile in derart emotionsloser Artikulation zu vermitteln wie hier vorgeführt. "Es tut mir wirklich leid, dass deine ganze Familie ausgelöscht ist. Du wirst darüber hinweg kommen." - und der Zuschauer schlägt sich die Oberschenkel blau. Eingestreute Sozialkritik ("Untote sind ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.") wird zum Glück sofort vom nächsten Brainslash abgewürgt bevor der Zuschauer ob der Tiefgründigkeit der Aussage dem Wahnsinn anheim fallen würde. "Ich verspreche dir, du wirst nie als Untoter sterben", here we go. Und wie ein roter Faden zieht sich der exzessive Alkoholkonsum eines der Protagonisten als Running-Gag durch die "Handlung" - bis zum magenbitteren Ende.
Leider misslingt der überflüssige Versuch, die regionale Herkunft des Teams durch aufgesetzt (halb-)hochdeutsche Dialoge zu verbergen. Hier wäre etwas mehr Selbstbewusstsein durchaus gerechtfertigt, wegen der rhetorischen Leistung zieht sich den Streifen ohnehin kein Mensch rein.
Nicht wirklich schockierend das Ganze, die Komik dieses Splatt-Sticks ist aber definitiv nicht ungewollt. Eine teilweise extrem unausgeGOREne Nachwuchs-Mutation, Imperfektion in Perfektion. Nur für Genre-Fans mit Chipstüte und Bierdose zu ertragen (dann aber um so besser). Allein das ansprechende Cover qualifiziert den Streifen schon zum Pflicht-Weihnachtsgeschenk für die liebe Familie.