„Erinnerst du dich noch? Letzten Sommer in den Bergen? Das hier ist auch nicht schlimmer...“
„Dämonen“ ist die 1986 veröffentlichte Fortsetzung von „Dämonen 2“, der deutsche Verleih hatte seinerzeit die Titel vertauscht. Wie beim Vorgänger führte Lamberto Bava Regie, während Dario Argento als Produzent fungierte und sich am Drehbuch beteiligte.
Der zweite Teil der Dämonensause ist dem ersten – welch Überraschung – nicht unähnlich. Teil 1 spielte im Kino, wo die Dämonen aus der Leinwand hüpften, Teil 2 in einem Hochhaus, wo es ihnen in den Fernsehern, die gerade über die Ereignisse aus Teil 1 berichten, zu eng wird. Und ab geht das Dämonenspektakel!
„Dämonen“ konzentriert sich voll und ganz auf seine Kreaturen, auf Spezialeffekte, Make-up und Masken. Ja, hier geht’s richtig rund, denn SFX-Künstler Sergio Stivaletti fährt ein wahres Feuerwerk auf. Die Spezialeffekte sind erste Sahne und liefern sogar ein kleines „Best of“ aus anderen Kreaturenfilmen wie „Alien“, „Gremlins“ und wie sie alle heißen. Kopie oder Hommage, ich weiß es nicht, aber das ist hier auch herzlich egal. Genauso egal sind leider die menschlichen Protagonisten, die man allesamt nur oberflächlich vorgestellt bekommt und mit denen mitzufiebern daher schwerfällt. Dafür kann man sie aber anfänglich beispielsweise auf einer Wohnungsparty zu „The Smiths“ tanzen sehen: „Burn down the disco, hang the blessed DJ because the music that they constantly play, it says nothing to me about my life…” Ja, das waren die schönen Seiten der guten alten 80er. Generell gefällt mir die Stimmung dieses Films besser als beim Vorgänger, der den Filmgenuss mit einem grenzwertigen Metal-Soundtrack erschwerte. Bava leuchtet die Szenerie in kräftigen Farben aus, die Erinnerungen an die Farbdramaturgie seines Vaters aufkommen lassen. Die kruden Effekte übrigens machen auch vor Kindern und Schwangeren nicht halt, es gibt die volle Breitseite Make-up- und Kunstblut-Fiesheit.
Die Abwesenheit als solcher klar erkennbarer Hauptrollen und sympathischer Identifikationsfiguren wirkt sich zunächst nicht störend aus, solange die Dämonenparty tobt - irgendwann mutiert, ähnlich wie bei Zombiefilmen nach einem Untotenbiss, ohnehin fast jeder zu einem Dämon. Ab einem gewissen Zeitpunkt nutzt sich das alles aber leider dann doch ein wenig ab – insbesondere, wenn der Film hier und da mit seiner inneren Logik schluderig umgeht. Den kompletten Trash-Overkill bis zum Abwinken, wie ein Jahr zuvor im Vorgänger praktiziert, gibt es aber glücklicherweise nicht. Hatte jener einen sehr mystischen, gruselig-atmosphärischen Auftakt, um später komplett abzudriften, erscheint „Dämonen“ homogener.
Davon, in welcher Stadt der Film spielen soll (Hamburg? München?), merkt man auch nicht viel, was natürlich schade ist. Deutsches Lokalkolorit hätte „Dämonen“ mit Sicherheit gut getan, so aber ist die Handlung austausch- und in quasi jeder Großstadt ansiedelbar. Jene Handlung wurde eben auf das Wesentlichste beschränkt, einzelne Handlungsstränge werden enttäuschend unspektakulär zu Ende geführt, in Dialogen und Verhalten der „Charaktere“ dominiert mitunter die unfreiwillige Komik. Erklärungsansätze, wie und warum die Dämonen sich in der filmischen Realität manifestieren, nachdem sie zuvor lediglich über die Mattscheibe flimmerten, gibt es keine. Ein surreal anmutendes Finale in einem Fernsehstudio aber schließt den Kreis einigermaßen und wirkt in seiner Bizarrerie durchaus stimmig.
Fazit: Das, was „Dämonen“ will, nämlich ein irrwitziges, actionreiches Kreaturenspektakel abzuspulen, macht er sehr gut. Zu einem richtigen Film gehört normalerweise aber ein wenig mehr, wobei bereits ein klein wenig mehr Tiefe und Handlung Bavas Film zu einem rundum befriedigenden Filmerlebnis für den Freund handgemachter, charmanter 80er-Jahre-Horroreffekte hätte machen können. Vielleicht wäre aber auch gerade dadurch alles komplett in die Hose gegangen – was weiß denn ich schon...