Die Kritik beruht auf der neu veröffentlichten, weltweit längsten DVD-Auswertung von XT-Video!
Ein Jahr nach Teil 1, der in einem Berliner Kino spielte, entstand wieder nach einem Drehbuch von Dario Argento und drei weiterer Autoren die nur mäßig gelungenere Fortsetzung von "Dämonen", die diesmal im "The Tower" angesiedelt ist, einem voll elektronisch ausgestatteten, hypermodernen, gläsernen Gebäudekomplex inmitten einer namentlich nicht genannten deutschen Großstadt.
Gedreht wurde das krude Dämonen-Spektakel wieder einmal unter der Regie Lamberto Bavas in Frankfurt, mehrere Autos mit den mit "HH" beginnenden amtlichen Kennzeichen verweisen jedoch auf die Hansestadt Hamburg als Ort der Handlung.
Diese - soweit man gewillt ist sie so zu nennen - erzählt exakt dieselbe Geschichte des ersten Teils, mit dem Unterschied des riesigen Gebäudekomplexes als Handlungs-Schauplatz und der Tatsache, dass das Böse sich diesmal nicht von der Kino-Leinwand auf die Zuschauer erstreckt, sondern direkt aus dem Fernsehgerät. Einfluß auf die Bewohner des Komplexes nimmt, die sich wieder einmal in monströse Dämonen verwandeln.
Fazit nach wenigen Zeilen: das knappe Handlungsgerüst ist austauschbar wie Lego-Bausteine und das Drehbuch eines vierköpfigen Autoren-Teams ideen- und der Regisseur schlicht einfallslos, aus dem höchstens zehn Seiten starken Skript was halbwegs anständiges zu machen.
Anstatt die dunklen Gänge, die Fahrstuhlschächte und die Tiefgarage des riesigen Komplexes zu nutzen, verlieren der Regisseur als auch der Zuschauer alsbald den Überblick über die große Anzahl an Darstellern, die hier zugunsten eines hohen Bodycounts nach Strich und Faden verheizt werden.
Immer wieder ertappt man sich dabei festzustellen, dass man diesen und jenen ja schon einmal irgendwo gesehen haben muss und erfreut sich darüber, dass sich Regisseur Bava in dem hanebüchenen Durcheinander endlich erbarmt, diesen und jenen doch endlich über die Klinge springen zu lassen.
Doch selbst der Bodycount enttäuscht stark: zwar sind auch hier wieder die berühmten Stivaletti-Effekte des ersten Teils zu bestaunen, doch macht "Dämonen" in Sachen Splatter und Gore im Vergleich zum Vorgänger einen gewaltigen Schritt zurück. Trotzdem gibt es Ekel, Matsch und Blutsuppe en masse, doch wirken die Tötungsszenen teilweise wie abgeblendet, so dass explizite Szenen wie im ersten Teil kaum vorhanden sind.
Auch in punkto Dialoge und Darstellerleistungen passt sich "Dämonen" der Qualität des ersten Teils an und setzt hier Akzente, die nur noch von einer Gurke wie "Zombie 4 - After Death" übertroffen werden können.
Allerdings ist es auf Dauer gruseliger der Laienschauspieltruppe bei ihrem unbeholfenen Spiel und den hanebüchenen Dialogen zu lauschen, als die Dämonen-Hatz auf der Leinwand zu verfolgen. Denn bis es soweit ist zieht sich die einleitende Handlung wie ein zähes Kaugummi dahin.
"Dämonen 2" beginnt langweilig und endet langweilig - hochkarätige Namen hinter den Kulissen wie Argento, Bava oder Stivaletti kann man nur als Etikettenschwindel ansehen. Was Argento hier als Autor und Produzent verzapft hat ist kaum noch in Worte zu fassen.
Wie bereits in Teil 1 werden Personen und Handlungsstränge eingeführt ohne dass sie für den weiteren Verlauf der Story von Bedeutung wären und auch bei der Fortsetzung ist der Trashgehalt enorm hoch.
Aber: während Teil 1 in vielerlei Hinsicht nur schlecht war, ist Teil 2 zumindest so schlecht, dass er hin und wieder sogar wieder Laune macht.
Wenn die junge Asia Argento als "Ingrid" ihren ersten Auftritt hat, "Overacting-Master" Bobby Rhodes als Fitness-Trainer Dämonen mit der Hantel platt macht oder sich ein "Willi Wuff" mit Namen "Teufelchen" in einen garstigen Höllenhund verwandelt...dann, ja dann macht dieses bizarre Dämonen-Kuriosum sogar etwas Spaß. Aber auch nur etwas - und deshalb darf sich "Dämonen 2" über ein halbes Pünktchen mehr in der objektiven Kritikerschelte freuen.
5,5/10