Auf „Twin Peaks“ folgt natürlich „Three Peaks“, weil es irgendwie auch internationaler klingt als „Drei Zinnen“, was fast schon an den guten alten Heimatfilm erinnert. Obwohl, ein kleiner Bergfilm ist das düstere Familiendrama von Autor und Regisseur Jan Zabeil nicht nur wegen der drei titelgebenden Gipfel in den Dolomiten.
Zwei Jahre verbringt Architekt Aaron (Alexander Fehling) bereits seine Zeit als Ersatzpapa für den achtjährigen Tristan (Arian Montgomery), den seine Freundin Lea (Bérénice Bejo) aus der vorherigen Beziehung mitgebracht hat. Eigentlich funktioniert das Trio super, doch als die drei für einige Tage eine einsame Berghütte in Südtirol beziehen, häufen sich kleine Kabbeleien.
Als bei einer kleinen Bergtour Nebel aufzieht, spitzt sich die Situation zu…
Zunächst portraitiert Zabeil das scheinbar Alltägliche, wobei Aaron in dieser Konstellation grundlegend am meisten gefordert ist und seinen Job zwischen Liebhaber und Stiefvater augenscheinlich vorbildlich erledigt. Fast schon etwas zu gut. Denn er duldet kleine Manipulationen seitens Tristan, lässt diesen, trotz vorherigen Deals erneut ins „Ehebett“ kriechen und nimmt hin, dass ihr Ex sich bis zu zweimal täglich per Handy nach seinen Sohn erkundigt, - im Urlaub, wohlgemerkt.
Als Kontrast zum Supervater steht Lea, die sich zwar als liebevolle Mutter offenbart, Aaron jedoch unnötig unter Druck setzt: Einerseits soll er Ersatzpapa spielen, dem Jungen aber auch stets klarmachen, dass da noch der „richtige“ Vater im Hintergrund ist. Beste Voraussetzungen also, um einen Achtjährigen, der in der Einöde der Berge nach kurzer Zeit ohnehin schon unterfordert ist, mal so richtig mit sich und der Welt ins Wanken zu bringen.
Aus dieser leicht unbehaglichen Situation kitzelt Zabeil allerdings nicht allzu viel heraus. Es bleibt bei Andeutungen, kleinen Gesten, kurzen Äußerungen, aber es gibt keine emotionale Eskalation. Dafür benötigt es dann doch wieder die Natur, also den kleinen Bergfilm, um ein wenig Spannung zutage zu fördern. Entsprechend wendet sich das Blatt im letzten Drittel, indem in den Survival-Modus umgestellt wird, einschließlich dem, was im ungünstigen Fällen so passieren kann, Logiklücken und dumme Verhaltensweisen eingeschlossen.
Das fördert zwar einigermaßen Suspense zutage, wirkt hinsichtlich der günstigen Grundvorrausetzungen in Sachen Kammerspiel jedoch ein wenig übers Knie gebrochen und mit einigen Metaphern zuviel angereichert. Denn auf seine drei Mimen kann sich Zabeil komplett verlassen, obgleich das Kauderwelsch zwischen Französisch, Englisch und Deutsch zuweilen etwas befremdlich und teils willkürlich anmutet. Zudem arbeitet die Kamera mindestens solide und auch das Sounddesign (als Score dient zweimal ein wenig Orgelspiel) ist sehr genau auf die Isolation in den Bergen und der Hütte abgestimmt.
Lediglich einige Dialoge gehen ein wenig unter, bei denen eine Nachvertonung hilfreich gewesen wäre.
Der Beziehungshärtetest einer Patchworkfamilie bringt interessante und durchaus unterhaltsame Aspekte ein, schaukelt sich im Verlauf jedoch zu wenig hoch und bleibt in Sachen Dramaturgie etwas zurückhaltend und ereignislos. Der Showdown im Nebel kaschiert dies nur bedingt, obgleich einige Elemente des Überlebensdramas nicht unspannend ausfallen.
Handwerklich und darstellerisch ohne Makel, erzählerisch mit guten bis sehr guten Ansätzen, insgesamt jedoch zu mutlos, um das Potential effektiver auszuschöpfen.
6,5 von 10