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Erstaunlich eigentlich, dass bislang noch nicht mehr mysteriöse Verfolger auf vier Rädern auf Zelluloid verewigt wurden.
Denn wie leicht beschleicht einem, vor allem nachts und auf dem Lande, der Eindruck, das Auto hinter dir verfolgt dich. Cops in Zivil? Frisch gebackene Abiturienten, die einfach zuviel Zeit haben? Ein Nebenbuhler? Oder einer, dem du unbemerkt die Vorfahrt genommen hast und der dich deswegen abknallen will?
Ähnliche Gedanken müssen auch John Murlowski, Autor und Regisseur dieses Streifens durch den Kopf gegangen sein.
Der macht aus der simplen Prämisse, die wie ein Aufguss von „Duell“, „Trucks“ und „Joyride“ klingt, einen durchweg unterhaltsamen Thriller, obgleich das „Nach einer wahren Begebenheit“ zunächst nichts Positives verheißen lässt.

Erstaunlich fix und auf den Punkt gebracht werden unsere drei späteren Flüchtigen vorgestellt. Die befinden sich gerade in Partylaune im „Road House“ in Wisconsin.
Während C.J. einer Lady die Geschichte seiner auffälligen Wangennarbe erzählt und diese damit vergrault, erhält Jungfrau Robby abseits des Geschehens seinen offenbar ersten Blowjob, unterdes sein älterer Bruder Scott mit einer Dame in seinem Auto knutscht und plaudert.
Doch kurz darauf gerät C.J. in eine Prügelei, Scott eilt zur Hilfe und mischt den Haufen ordentlich auf, doch ab da ist Rückzug angesagt.
Nach wenigen Meilen Fahrt taucht hinter ihnen ein schwarzer Cadillac auf der einsamen Landstraße auf, doch man macht sich erst Gedanken, als Sheriff Charlie wegen einer Autopanne mitgenommen wird und der Caddy sie von der Straße drängeln will.

Klar ist es nahe liegend, dass der wütende, aber anonyme Verfolger offenbar ein eifersüchtiger oder verprügelter Partygast ist. Und man mag sich auch denken, dass der Sheriff, der noch nicht einmal seine Dienstmarke vorzeigt, die Bierflaschen unter den Sitzen locker toleriert und Fahrer Scott sogar zu einem Rennen mit dem Cadillac anspornt, irgendwie in die Sache involviert sein könnte. Zumal der von Randy Quaid verkörpert wird, der sein markantes, leicht diabolisches Grinsen, trotz auflockernder Oneliner, nicht verbergen kann.

Auch wenn die Sache klar auf der Hand zu liegen scheint, - sie gestaltet sich recht spannend und die zahlreichen Duelle zwischen Saab 900 und Cadillac (Baujahr 1957) bringen ordentlich Fahrt in die künstlich errichtete Schneelandschaft zwischen Wisconsin und Minnesota.
Da wird seitlich und von hinten gerammt, die Straße versperrt, eine tote Kuh als Falle unter einem Schneehaufen verbuddelt und man vollzieht gefährliche Rutschpartien auf einem zugefrorenen See. Da wundert es zwar, dass ein Pinkler im Eis einbricht, während der Saab fünf Meter davon entfernt problemlos stehen bleibt, aber unfreiwilliger Humor ist ja manchmal auch was Feines. Schneetreiben und Kälte bescheren den Figuren nämlich noch nicht einmal einen sichtbar kalten Atem, doch einen total heißgelaufenen Motor kann man problemlos mit einer Handvoll Schnee beruhigen.
Das ist natürlich genauso abstrus, wie die Tatsache, dass beide Fahrzeuge nach diversen Crashs und Böschung hinunter stürzen nahezu unversehrt erscheinen.

Leider bietet die Auflösung nichts Überraschendes, also keinen „Ich bin bereits tot und meinen Freunden als Geist erschienen“ – Effekt. Alles bodenständig, aber von der Motivlage her sehr weit her geholt und im Gesamtbild ein wenig enttäuschend.

Dafür entschädigen die Charaktere, die zwar recht oberflächlich gezeichnet wurden, einem im Verlauf aber immer mehr ans Herz wachsen. Robby ist als kleiner Flennbruder vielleicht etwas eintönig, doch die wahre Herkunft von C.J.s Narben interessiert dann doch und auch Scott scheint nicht der unbefleckte, zukünftige Yale-Absolvent zu sein.

Unterm Strich bleibt also ein flott inszenierter Thriller, der zwar kaum Überraschungen beinhaltet, aber für die Dauer von knapp 90 Minuten ordentlich unterhält und mit ein paar lockeren Sprüchen punktet.
Dazu gesellen sich passable Darsteller, atmosphärisch dichte Momente und solide B-Action.
Für die einmalige Betrachtung durchaus empfehlenswert,
knapp
7 von 10

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