Auch Romantikkomödien brauchen Ideen, denn sonst bleiben sie so beliebig wie Groschenromane mit einem Hauch von Witz. Deswegen sollte ein gewisser Kniff schon dabei sein, bevor man den nächsten Großangriff an das Mitseufzzentrum und den Lachmuskel startet.
Bei „Ein Chef zum Verlieben“ hat man sich dann doch auf ein anderes Rezept verlegt, nämlich einfach zwei relativ große Stars zu casten, deren größte Hits stets Komödien waren und deren ureigenste Qualitäten groß rauszustellen. Und dann Scheiß auf ein raffiniertes Drehbuch.
Letzteres ist dann auch das Unwichtigste und am schnellsten Vergessene an diesem Fertiggerichtfilm. Engagierte, aber tolpatschige Umweltanwältin heuert notgedrungen/forciert bei ihrem Erzfeind, einem Großkapitalisten an, der sich allerdings mehr um sein Outfit und sonstigen Spaß kümmert als um das Gemeinwohl. Am Ende verlieben sie sich ineinander. Thats it.
Mehr braucht der Film auch nicht wirklich, denn es plätschern einige amüsante Szenen an uns vorbei, bei denen sich Grant wie in „About a Boy“ gebärdet (mit mehr Kohle) und Bullock wie weilend in „Miss Undercover“ immer leicht neben der Spur agiert.
Das Interessanteste dabei ist, zu beobachten, daß sich die beiden unterschiedlichen Comedy-Stile dabei nie in die Quere kommen, denn eigentlich arbeiten sich die Methoden gegenseitig zu.
Voraussetzung für ein kurzweiliges Vergnügen ist jedoch, daß man beide Darsteller auch wirklich mag, denn außer sich selbst haben die beiden hier so gut wie niemanden wirklich Erwähnenswerten.
Der „dramatische“ Subplot um ein zu rettendes Gemeindezentrum ist da ebenso Fassade, wie die romantische Komponente ziemlich zu kurz kommt, um Platz für witzige und schlagfertige Dialoge zu machen.
Markant in diesem Zusammenhang, daß eine bereits gedreht großformatige Hochzeitsszene am Ende geschnitten und auf die DVD als deleted scene gepackt wurde.
Wer also Spaß an dem perfekten Timing zweier Schauspieler hat, die mit Spaß an der Sache ihr Ding durchziehen, kann sich hier großartig amüsieren. Wer seine Schwerpunkte auf Plot, Dramatik, große Gefühle oder ein cleveres Skript legt, sollte noch mal umdisponieren. Dafür wird man dann aber auch nie mit suppigem Kitsch zugepflastert. (6/10)