Ich gebe zu, dass ich mit Musicals und Musicalfilmen an sich wenig anfangen kann. Ich war zwar ebenso wie viele andere überwältigt von dem optischen Reizüberfluss "Moulin Rouge", aber mir war auch dieser Film wie so viele andere des Genres vor ihm zu schmalzig, zu betont kitschig. Mit entsprechend geringen Erwartungen hab ich mir deshalb auch "Chicago" angesehen, und muss sagen wenn alle Musicalfilme so wären ich würde ich mir durchaus öfter mal einen anschauen.
Story:
Zwei Frauen, die für ihren Traum über Leichen gehen würden, machen genau das - sie begehen unabhängig von einander Morde. Die eine, Velma (Catherine Zeta-Jones) ist ein Star in der Chicagoer Nachtclub-Showszene und hat alles was man sich wünschen kann - bis sie ihren Mann erschießt, der sie betrügt. Die andere ist Roxie (Renée Zellweger), die sich nichts sehnlicher wünscht als ein Star zu sein, genau wie ihr großes Vorbild Velma. Dafür lässt sie sich mit einem schmierigen Agenten ein, den sie erschießt.
Als die beiden im Knast aufeinander treffen entsteht ein Wettkampf um Macht, Ansehen und den Thron der Nachtclubsängerinnen....
Der Film ist eine erfreulich schwarzhumorige Mischung aus bitterböser Mediensatire und Bloßstellung des Traums von Geld und Berühmtheit. Dabei werden die Klischees geschickt umschifft. Die Liebe ist in diesem Film nur Mittel zum Zweck und jeder steht sich letztlich selbst am nächsten. Egal ob jetzt die beiden Sängerinnen oder der Staranwalt ( Richard Gere ). Keiner tut etwas ohne seinen Selbstzweck an oberste Stelle zu stellen. So wird dann in den mehr als gelungenen Tanz und Gesangseinlagen auch kein Blatt vor den Mund genommen und ein jeder bekommt sein Fett weg. Besonders gelungen: Die Nummer in der Gere und Zellweger als Bauchrednerpuppe und Bauchredner agieren, und die Medien als pure Marionetten bloß stellen und die abschließende Nummer im Gericht. Aber auch die anderen Gesangs und Tanzeinlagen sind perfekt choreographiert und legen eindeutig den Schwerpunkt auf das Können der Akteure, so das in diesen Szenen wirklich nur die nackte Bühne, geschickt ausgeleuchtet, als Hintergrund fungiert. Hier zeigt sich das weniger eben doch oft mehr ist. Leider schwankt die Qualität der Gesangseinlagen etwas, so dass man sich zwar an allen wirklich erfreuen kann, aber teilweise doch ab und an der Gedanke kommt, das auch hier ein bisschen weniger mehr gewesen wäre.
Die Darsteller, die alle ihre Songs selber eingesungen haben und auch die Tanznummern selber durchzogen, wirken als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Auch Richard Gere, der zwar stimmlich etwas schwach auf der Brust ist, überzeugt durch einen genialen Stepptanz. Die beiden Hauptdarstellerinnen bieten neben den optischen Reizen auch Gesanglich eine vorzügliche Leistung. Die Nebenrollen sind bis ins Kleinste sehr gut besetzt, egal ob jetzt Queen Latifah als Gefängniswärterin oder John C. Reilly als Zellwegers Ehemann.
Auch merkt man den Akteuren einfach den Spaß am Mitwirken bei diesem Film an.
Auch die filmische Umsetzung ist fantastisch gelungen. Die Kulissen sind betont einfach gehalten, und erzeugen doch den Stil der 20er Jahre. Sehr viel wird über die Ausleuchtung der Sets gemacht. Immer grell und bunt, aber nie wirklich aufdringlich, erstrahlen die "Bühnen" für die Stars. Die Kamera schwelgt teilweise lange und statisch in den bunten Bildern, um im nächsten Moment hektisch und nervös den Darstellern zu folgen. Das alles fügt sich zu einem eindrucksvollen Gesamtbild zusammen, das man immer wieder gerne sehen möchte.
Fazit:
Sicher einer der Filme des Jahres die man gesehen haben muss, auch wenn man als einzigen großen Kritikpunkt die teilweise schwankende Qualität der Gesangseinlagen nennen muss. Aber die 6 Oscars gehen meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung, so dass es von mir 7 von 10 Punkten gibt.