Jörg Buttgereit ist mit Sicherheit kein gewöhnlicher Amateurfilmer, nicht umsonst genießen seine Filme einen Kultstatus, von dem Andreas Schnaas, Olaf Ittenbach oder Timo Rose nur träumen können. Während die restlichen Genannten ihren Ruf ausschließlich auf brutalen Gewaltszenen und fragwürdiger Provokation aufbauen, so zeichnete Buttgereit schon immer etwas aus und erhob ihn über die restlichen Underground-Filmer Deutschlands: Sein hoch angesetzter Kunstanspruch an die eigenen Werke und die Tatsache das der Berliner immer wusste wie weit er gehen konnte, wo seine Grenzen waren.
Sehr anschaulich beschreibt Buttgereit beispielsweise eine beeindruckende Kamerafahrt aus dem „Todesking“, die so genannte Brückenszene. Gefilmt mit einfachsten Bedingungen und viel technischer Kreativität entsteht eine herrlich suggestive Fahrt aus einer tollen Perspektive. An den Kleinigkeiten wird deutlich, wie viel Arbeit und Aufwand in den Filmen steckt und es wird deutlich warum sich der Regisseur mittlerweile anderweitig betätigt. Schließlich will man ja auch mal geregelt Geld verdienen und sich nicht sein Leben lang für sein Hobby aufopfern, seit einigen Jahren ist Buttgereit beschäftigt beim Radio WDR und verfasst makabre Hörspiele.
Auch die häufig auftretenden Probleme mit der Zensur werden beleuchtet, zum Beispiel erfährt man einiges über die Versuche der Staatsanwaltschaft, „Nekromantik 2“ einzuziehen. Jeder der Langfilme Buttgereits sollte verboten werden, letztlich siegte aber die Freiheit der Kunst und so sind die Meisterwerke auch heute noch frei zugänglich für jeden volljährigen Cineasten. Die Macher äußern sich differenziert zum Thema und bieten verschiedene schlüssige Argumentationen für ihre Seite an, verlieren sich nicht in Phrasen oder im simplen Rumhacken auf Behörden.
Als musikalische Untermalung dient die Originalmusik der hier besprochenen Filme, besonders das Nekromantik-Titelthema kommt oft zum tragen und leitet den Film auch ein. Abschließend gibt es noch einige Szenen zur „Nekromantik 2“ Premiere, inklusive einiger Zuschauer, die zu Wort kommen. Mit nur knapp einer Stunde ist die Laufzeit zwar recht knapp bemessen, insgesamt sind aber reichlich Infos vorhanden und man bekommt eine Ahnung davon, was Buttgereits Filme zum Ausdruck bringen sollen. Innovative Exploitation mit psychologisch interessanten Ansätzen wird ideologisch instrumentalisiert und zum Teil einer Gegenkultur. Diesen Drahtseilakt beschreibt der Film fragmentarisch, nimmt sich für die Komplexität seines Themas nicht genug Zeit.
Weiterhin bringt „Corpse-fucking Art“ zum Ausdruck, wie viel Spaß die Beteiligten beim Dreh haben, wie gut die Chemie innerhalb der Gruppe Rodenkirchen, Jelinski und Buttgereit stimmt, außerdem fällt positiv auf, dass man sich nicht in gegenseitigem Lob ergeht. Vielmehr kommen die charakterlichen wie kulturellen Unterschiede (Buttgereit entstammt der Berliner Punk-Szene, während Rodenkirchens Backround ein eher intellektueller ist) des Teams zum Ausdruck und die daraus resultierende, vielschichtige Themenbearbeitung. Hier trifft Exploitation, Liebe zum Trash und bizarrem Underground auf klassisches Autorenkino und das Ergebnis sind erstklassige Produktionen in kleinem Rahmen.
Fazit: Für Fans der Buttgereit-Filme ein Muss, auch wenn die Dokumentation leider sehr rar geworden ist. Ebenfalls empfehlenswert für alle Hobby-Filmer, einige gute Tipps und Anregungen finden sich hier allemal. Wer mehr über das Schaffen Buttgereits wissen möchte, dem sei das englischsprachige Fachbuch „Sex, Murder, Art – The Films of Jörg Buttgereit“ empfohlen.
6,5 / 10