Hmm…Proto-Slasher ohne Gore gefällig?
Klingt nicht besonders reizvoll, oder?
Kommt man aber an so eine „historische Landmarke“, wie es im Amerikanischen so schön heißt, macht man schon mal eine Ausnahme.
Ich präsentiere also „Nine Girls“!
Klar, das wäre jetzt anno 1981 der perfekte Titel für mindestens 8 sehr kreative Tode und die Option auf noch mehr unglücklich durch die Botanik stolpernde Gelegenheitsopfer.
Allerdings ist „Nine Girls“ von 1944 und daher muss man seine Vorlieben für rote Soße schon mal vorsorglich auf Null stellen.
Was das Filmchen mit seinen adretten 78 Minuten dennoch ganz interessant macht, ist die Tatsache, dass es sich sozusagen um eine Blaupause für eben diese Schlachtplatten der 80er bis 00er Jahre handelt.
Neun Mädels, eine Lehrerin, darunter eine fiese Bitch. Check
Jede definiert sich mehr oder minder durch eine Charaktereigenschaft. Check.
Wochenendurlaub in einer einsamen Hütte. Check.
Unwetter! Check!
Alle sitzen fest! Check!
Fiese Bitch hat ins Gras gebissen! Check!
Acht junge Studentinnen gehen aufeinander mit Verdächtigungen los und schleichen mit Küchenmessern durchs Gebäude. Check!
Jemand macht das Licht aus, verbrennt Beweise und meuchelt dann...Moment..leider nicht…nur ein Opfer.
Wir haben es ja auch nicht mit einem Slasher, sondern mit einem Closed Room Mystery zu tun, bei dem alle auf engstem Raum festsitzen – und eben dann doch mit einer Komödie.
Das bedeutet, es stirbt zwar jemand, allerdings im Off. Es gibt zwar Ansätze, aber der Bodycount bleibt so klein. Es gibt jede Menge Gekreische und spitze Schreie (und Ohnmachten), aber so einiges davon ist humorvoll angelegt.
Immerhin haben wir es hier nicht mit Starlets zu tun, die nur mühsam den Gesichtsausdruck wechseln können, sondern mit einer Ansammlung recht erfolgreicher B-Darstellerinnen besseren Ranges (bei den meisten allerdings nur bis in die Nachkriegszeit). Bei Ann Harding – der Lehrerin – haben wir es sogar mit einer sehr gut angesehenen Actrice zu tun, die aber 1944 schon in die Jahre gekommen war. Evelyn Keyes, Anita Louise, Jinx Falkenburg, Nina Foch, Lynn Merrick und Jeff Donnell waren der Masse wohl bekannt.
Was also lag da näher, als die hübschen Mädels – die eigentlich die komplette Screentime für ihre Frisuren verbraucht haben müssten – in einem Film aufeinander zu stapeln und aufeinander losgehen zu lassen.
Die wahre Qualität von „Nine Girls“ liegt in den bissigen Dialogen, den Todeswünschen und versteckten Andeutungen, den „Quips“ und fiesen Ansagen. Die sind allemal besser als die zusätzlich Humor-Anteile für die zumeist Polizeiassistent William Demarest als Idiot mit Dienstmarke sorgen soll, der hier die Screentime unpassend ausbaut, meistens in Kombination mit Jeff Donnells (ja, in diesem Fall ein Frauenname) „Butch“ Hendricks, einer angeblich nur sportbegeisterten jungen Dame („Butch“ ist ja auch eine Umschreibung für eines Lesbierin), die sich hier nicht eben als Geistesriese durch die Handlung hangelt und übt.
Was sonst noch so alles in den dunklen Fluren passiert, ist relativ zahm, aber es gibt einen Täter und es gibt auch einen zweiten (dritten?) Mordversuch, auch wenn das Drehbuch tatsächlich den Kardinalfehler begeht, den Täter noch vor der Ein-Stunden-Marke zu zeigen.
Dennoch erkennt sich der moderne Filmfan in diesem schnatternden Filmchen mit all seinen Versatzstücken wieder, wobei man zu Kriegszeiten eindeutig auf die Reize der Mädels setzte, deren Reichweite hier zwischen „dumm wie Brot“ und „raffiniertes Stück“ changiert.
Für den Erstseher ist es – da warne ich vor – mit den Mädels ziemlich verwirrend, denn mitunter sehen die sich im Halbdunkel alle ziemlich ähnlich. Einfacher ist es nur bei Foch (die mit Brille), Donnell (das hangelnde kurzhaarige Etwas) oder Falkenburg (die große Brünette). Merrick müht sich die volle Spielzeit um eine Katherine Hepburn-Imitation, aber das erkennt auch nicht jeder unbedarfte Zuschauer, immerhin trägt sie erkennbar dick auf.
Wer also möchte, mag sich den Spaß mal gönnen, der Film ist – in mäßiger Qualität und mit ein paar Tonaussetzern – bei Youtube verfügbar (ansonsten ist das Internet nicht eben voll mit Infos über ihn) – vorzugsweise eher wegen seiner Dialoge denn wegen der Innovation genießbar, hat aber einige Schmunzler auf der Pfanne. (6/10)