„Wenn man da runterschaut, hat man das Gefühl, hier kommt man auf direktem Weg in die Hölle...“
Nach dem eher durchwachsenen, dennoch genremitprägenden ersten „Amityville“-Spukhausfilm aus dem Jahre 1979 und der sehr eigenwilligen, aber besseren ersten Fortsetzung Damiano Damianis (1982) folgte ein Jahr später der dritte Teil, diesmal inszeniert von US-Regieveteran Richard Fleischer („Stiefel, die den Tod bedeuten“). In den Kinos lief „Amityville 3” als 3D-Film, ein Effekt, auf den man bei der Heimkinoauswertung verzichten muss.
„Ein furchtbares Haus!“
Der Journalist John Baxter (Tony Roberts, „Serpico“) und seine Partnerin Melanie (Candy Clark, „Das fliegende Auge“) lassen zusammen mit Wissenschaftler Eilliott West (Robert Joy, „Ragtime“) zwei Betrüger auffliegen, die im berüchtigten Amityville-Spukhaus vermeintliche Seancen durchführen und sich damit die Taschen füllen. John ist dennoch fasziniert vom alten Gemäuer und erwirbt es kurzerhand, um es mit seiner Tochter zu beziehen Bald mehren sich jedoch unerklärliche Phänomene, bis er sich eingestehen muss, dass dies der falsche Ort für seine Tochter ist – bzw. war…
„Warum wolltest du in dieses Haus, John?“
Schwere Streicherklänge begleiten die Seance, die direkt zu Beginn als fauler Zauber enthüllt wird. Noch siegt die Ratio. Dass das Haus ein Eigenleben aufweist, wird jedoch schon früh durch kontinuierlich eingestreute Point-of-View-Perspektiven aus einem der oberen Hausfenster suggeriert. Und schon bald wird es sich bewahrheiten: Makler Mr. Sanders (John Harkins, „Tödliche Fracht“) sieht auf den entwickelten, im Haus geschossenen Fotos seltsam entstellt aus – und als er noch einmal ins Haus geht, beschlägt erst ein Spiegel und tötet ihn schließlich eine Fliegenplage im oberen Stockwerk. John glaubt, Sanders habe einen tödlichen Schlaganfall erlitten, und zieht mit seiner Tochter Susan (Lori Loughlin, „Full House“) ein. Eine gut gemachte Spannungsszene wiederum endet als falscher Alarm. Doch ein Fahrstuhl spielt verrückt und als sich Melanie allein im Haus aufhält, bricht ein Eissturm über sie herein.
Johns Ex-Frau Nancy (Tess Harper, „Silkwood“) stellt Nachforschungen über das Haus an; Susans Freundin Lisa (Meg Ryan, „Die wilden Reichen“) kommt zu Besuch und erzählt, was schon alles in diesem Haus geschehen sei. Noch will John all dies aber nicht wahrhaben. Die Kamera lässt erahnen, dass auch etwas mit dem sich im Haus befindenden Brunnen nicht stimmt, und unbemerkt von John verschieben sich gar die Wände. Letzteres bleibt kurioserweise unaufgegriffen und wirkt dadurch, als sei lediglich jemand von der Crew versehentlich in die Kulissen gestolpert. Melanie entdeckt einen kleinen Dämon auf einem der Fotos, erleidet anschließend einen Autounfall und verbrennt in einer gut gemachten, überraschend harschen Szene bis aufs Skelett. Da ist es verständlich, dass Nancy ihrer Tochter verbietet, das Haus noch einmal zu betreten. Dies hält die Kids jedoch nicht davon ab, sich am Gläserrücken zu versuchen. Susan ertrinkt schließlich und begegnet ihrer Mutter als Geist. Der plötzlich aktiv werdende Brunnen entpuppt sich als Alptraum Johns, auf den hin er aber dem mit ihm befreundeten Experten für Paranormales, Dr. Elliot West (Robert Joy, „Ragtime“), gestattet, das Haus zusammen mit dessen Team zu untersuchen. Eine lila Wolke als Geistererscheinung wurde digital eingefügt und ist als Spezialeffekt schlecht gealtert. Und dann spielt der Brunnen wirklich verrückt…
Nein, „Amityville 3“ schwingt natürlich keine Gore-Keulen oder ist generell sonderlich grafisch explizit ausgefallen, wuchert auch nicht mit sonstigen Schauwerten. In seiner ungekürzten Fassung versteht er es aber durchaus, einige böse Spitzen zu setzen. Dass diese irgendwann auf Blu-ray erhältlich wurde, nahm ich zum Anlass, mir diesen Film, der mich seinerzeit auf VHS enttäuscht hatte, noch einmal aufmerksam anzusehen. Nun ja, den Bootsunfall, bei dem Susan ums Leben kommt, spart auch der vollständige Film kurzerhand aus und behauptet ihn lediglich, obwohl es sich um eine entscheidende Wendung handelt. Die Neusichtung änderte auch generell nichts am unausgegorenen Drehbuch, das etliche Motive des ersten Teils aufgreift und wiederholt, diese aber mit Versatzstücken aus „Poltergeist“ anreichert. Dazu, weshalb das alles passiert und wo dieser Dämon herkommt, schweigt es sich aus. „Amityville 3“ erweckt den Eindruck, sowohl 3D-Neuverfilmung als auch Fortsetzung sein zu wollen und setzt sich damit zwischen die Stühle.
Aufgrund seiner Darstellerriege, die unter anderem mit einer jungen Meg Ryan aufwartet, ist „Amityville 3“ dennoch interessant, wenngleich sich das Ensemble zuweilen etwas verloren vorzukommen scheint. Irgendwie passt das aber auch zu diesem Spukhaus-Aufguss, der, erwischt er ein Genre-affines Publikum auf dem richtigen Fuß, als atmosphärisch entrückter und beunruhigend entspannter (diese Formulierung ist wohl verwandt mit „geil langweilig“) Genrebeitrag mit restauriertem Bild schon ein bisschen was hermacht und durchaus angenehme Unterhaltung beschert. Mittlerweile empfinde ich „Amityville 3“ als leicht überdurchschnittlich.