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Auf Independent-Festivals von Nominierungen und Preisen überschüttet, feiert Debütant Geoffrey Cowper gemeinsam mit Hauptdarsteller und Co-Autor Jesús Lloveras einen erfolgreichen Start in die Filmbranche, der wahrlich nicht nach dem Mini-Budget von einer halben Million Euro aussieht.

Mark (Jesús Lloveras) saß fünf Jahre im Knast, nun darf er fürs Wochenende erstmals wieder hinaus. Da erlebt er den Überfall auf einen Geldtransporter, verfolgt kurzerhand die Räuber und schafft es, ihnen einen Teil der Beute abzuluchsen. Doch ohne seine Bekannte Mia (Sara Casasnovas) dürfte er nicht weit kommen…

Tatsächlich ist das überaus geringe Budget nichts gegenüber der Tatsache, dass es kleine Actioneinlagen zu verzeichnen gibt und immerhin ein Auto in Brand gerät. Aufgrund der grundsoliden Kamera, vieler Ortswechsel und des überwiegend guten Timings kommt das Geschehen in der ersten Hälfte wie ein Road-Movie mit etwas Heist und Dramenanteilen rüber, was aufgrund der ständig wechselnden Situation der Hauptfigur eine ordentliche Dynamik entwickelt. Speziell eine Polizeikontrolle und der Überfall auf die Gangster sind spannend in Szene gesetzt.

Das Flair der spanischen Landschaften ist definitiv ein Pluspunkt, auch der zurückhaltende Score vermag zu überzeugen, allerdings tritt das Drehbuch ab dem Mittelteil ein wenig auf der Stelle. Hinzu gesellen sich zahlreiche arg konstruierte Begebenheiten, die der Erzählung ein nicht unerhebliches Maß an Glaubwürdigkeit rauben, als es im letzten Drittel nach Frankreich geht und eine schlichte Verkleidung ausreicht, um eine ganze Kompanie zu täuschen. Auch mangelt es an spannenden Einlagen, diverse Konfrontationen laufen zu glatt ab und das Finale wirkt beinahe ein wenig überhastet und gleichermaßen weichgespült.

Darstellerisch ist demgegenüber nichts auszusetzen, denn der weitgehend unerfahrene Lloveras baut gekonnt eine geheimnisvolle Aura um seine Figur auf, von der man lange Zeit nicht weiß, wie diese moralisch einzuordnen ist. Casasnovas geht immerhin als Eye-Candy durch und fungiert eher als Stichwortgeber, der Rest performt zumindest passabel.

Auch wenn das Cover satte Action mit Einsatz von Helikoptern und einem Großaufgebot an Polizei suggeriert, - Schauwerte halten sich in Grenzen und eine Materialschlacht ist bei so geringen Produktionskosten ohnehin nicht zu erwarten. Dennoch sieht das Make-up (Rückenverletzung) erstklassig aus und schrammt, neben einigen blutigen Einschüssen eher knapp an einer FSK18 vorbei.

Die Mischung aus Thriller, Road-Movie, Action und ein wenig Romanze liefert inhaltlich nicht viel Innovatives, sie unterhält in der ersten Hälfte jedoch ausgezeichnet, flacht in der zweiten jedoch ein wenig ab und übertreibt es mit einigen Unwahrscheinlichkeiten.
Dennoch ein mit 80 Minuten Laufzeit kurzweiliges Debüt, welchem Genrefreunde eine Chance geben könnten.
6,5 von 10

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