Review

Eigentlich möchte Jen nur ein nettes Fick-Wochenende mit dem gutgebauten Richard verbringen, in der Luxusvilla draußen in der Wüste. Aber zuerst kommen mit Stan und Dimitri Richards Geschäftspartner und nerven rum, und dann wird Jen von Stan vergewaltigt. Richard bietet Geld an damit sie den Mund hält, aber das lehnt Jen ab. Sie will, dass Stan sich entschuldigt. Woraufhin sie zur Lösung der Situation ganz einfach eine hohe Klippe hinabgestoßen wird, damit die Geschichte nicht publik wird. Als die drei Männer die Leiche aufräumen wollen erleben sie eine böse Überraschung: Jen ist nicht tot. Jen ist extrem schlecht gelaunt. Sie will Rache! Und in Jen steckt außer einem Stück Baum auch noch eine ganze Menge mehr als nur eine süße und dumme Fickmaus …

Das einzige, was man dem Film ernsthaft vorwerfen könnte ist, das er Babes-with-big-Guns-Phantasien befriedigt. Wenn Matilda Lutz, bekleidet mit Messer, Riesenwumme, Patronengurt und schwarzer Mini-Unterwäsche, durch die Wüste läuft, dann werden alle Waffenfetischisten zwischen El Paso und Daytona geil. Aber zum einen ist REVENGE von einer Frau gedreht, was diese Argumentation zumindest ein Stück weit entkräften könnte. Und zum anderen muss man auch sagen, dass das, was Jen dort so treibt, die gleichen Waffenfetischisten ziemlich abtörnen dürfte. Der Film ist eine Symphonie in Blut-Dur, hat einige ausgesprochen herbe Schockeffekte (Glasscherbe!), und der Showdown ist sowohl filmisch wie auch inhaltlich entschieden härterer Stoff der (wortwörtlich) herausragenden Sorte. Eine ausgesprochen gelungene Mischung aus gleichzeitiger Erfüllung und Destruktion männlicher Sexualfantasien, mit Bildern garniert die ich bei Michael Ballhaus oder Tonino delli Colli erwarten würde, und oft mit suggestiver Drone-Musik hinterlegt um die Wirkung noch zu steigern. Ein Feuerwerk an Bild und Splatter, eine Tour de Force der Penetration (ist schon jemandem aufgefallen, dass nicht nur Jen penetriert wird, sondern dass im Gegenzug auch Jen alle drei Männer penetriert?), ein nervenaufreibendes Blutgemälde, das so schnell und raffiniert gefilmt daherkommt, dass die vielen vielen Löcher und Logikfehler einfach ignoriert werden können. Und müssen. Denn der Schlachtzug fährt einfach immer weiter und weiter, und reißt den Zuschauer genauso mit sich wie die exquisiten Darsteller.
Die nämlich sind ganz große Klasse. Wenn Vincent Colombe als Stan wissen möchte, warum Jen ihn gestern angemacht hat und heute nichts mehr von ihm wissen will, dann steht die Gänsehaut förmlich im Raum. Seine Ausstrahlung wechselt ununterbrochen von unschuldiger Heiterkeit zu eiskalter Aggressivität, und der Zuschauer spürt wie sich hinter den lustig schauenden Augen eine Gewalteruption anbahnt die sich gewaschen hat. Jen spürt das ebenfalls und wird immer unruhiger, bekommt aber die Situation offensichtlich nicht mehr unter Kontrolle. Stan gibt eindeutig den Ton an, und die Tonart heißt Du-wirst-gleich-gefickt.
Guillaume Bouchède als Dimitri steht dem in nichts nach. Eindrücklichst die Szene, wie er Kekse kauend in der Tür steht und ungläubig die Vergewaltigung beobachtet. Und kaut. Und kaut. Und kaut. Aber auch seine Stunde wird kommen, wenn er Jen im nächtlichen Fluss foltert. Was seine Augen und sein Gesichtsausdruck aussagen ist nichts anderes als gigantische Schauspielkunst.

Interessanterweise stehen die beiden Hauptdarsteller da ein wenig zurück. Knackarsch Kevin Janssens meistert das blutige Showdown komplett nackt (Wir erinnern uns: Der Film ist von einer Frau gedreht! Diese Umkehrung der üblichen männlich-sexualisierten Sichtweise einer blutbeschmierten Frau in Unterwäsche die um ihr Leben kämpft ist allein schon ziemlich genial.)) und lässt das Alphatier (und in ein paar kurzen Szenen auch das kleine Tierchen) verdammt realistisch raushängen. Eine starke Performance ohne große Entwicklungsmöglichkeiten, aber mitreißend. Und Matilda Lutz gibt das erwähnte Babe-with-Gun mit viel Überzeugung und Schmackes, aber vielleicht hat das Drehbuch da auch einfach nur ein paar Abstrusitäten zu viel bereit gelegt um endgültig zu überzeugen. Oder anders ausgedrückt: Wenn ich nach rund 24 Stunden mit Vergewaltigung, schwerster Verletzung, Flucht, Folterung, wieder Flucht, Peyote-Rausch und Selbst-Operation am eigenen Leib, 24 Stunden ohne Nahrung oder Flüssigkeit aber mit extrem viel Schmerz und Anstrengung, wenn ich danach aufwache, aufstehe, mich bewaffne und topfit und ohne Anzeichen von Aua oder Weh in die Wüste marschiere, dann weiß ich zumindest, das ich offensichtlich endlich das richtige Frühstücksmüsli gefunden habe …

Aber über solchen Dingen muss man einfach drüber stehen und Spaß haben. Genauso wie an dem Bauchadler oder der 1-2-3-vorbei-vernarbten Rückenpartie. Das Gesamtbild zählt hier einfach mehr als irgendwelche Erbsenzählereien. Dass die arrivierte Kritik mit sowas vielleicht ihre Probleme hat kann ich mir schon denken (seltsamerweise weniger als erwartet). Aber für alle, die Freude daran haben wenn schwanzorientierte Männer ordentlich ihr (Stückchen) Fett weg kriegen, sowie für alle Freunde gepflegter Metzelei, möchte ich hier eine große und unbedingte Empfehlung aussprechen!

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