Viele bekannte Theaterstücke wurden bereits für die große Leinwand adaptiert, doch bei einigen ist die Herkunft unübersehbar. Wie etwa bei Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“, dessen Handlung sich bis auf den Vorspann in nur einem Raum abspielt und dennoch für zahlreiche Spannungsmomente sorgt. Das von Anton Chekhov verfasste Bühnenstück taugt hingegen nicht als Filmumsetzung, zumal Regisseur Michael Mayer es versäumt, seinen Figuren Tiefe zu verleihen.
Irgendwann in den 1920ern am Rande von Moskau in einer Seeresidenz: Die alternde Schauspielerin Irina (Annette Bening) ist mit dem erfolgreichen Schriftsteller Boris (Corey Stoll) liiert, welcher sich neuerdings für Nina (Saoirse Ronan) interessiert, eine junge Frau, die auch von Irinas Sohn Konstantin (Billy Howle) begehrt wird…
Ein paar Irrungen und Wirrungen, die allesamt im Zeichen der unerwiderten Liebe stehen. Im überschaubaren Figurengeflecht ist jeder in den oder die verschossen, die scheinbar unerreichbar sind. So ist etwa ein Lehrer in Masha verknallt, die wiederum Konstantin anhimmelt, der aber kein Glück bei Nina hat. Eine Weile verläuft das recht drollig, zumal Annette Bening mit einigem Augenzwinkern und einer guten Portion Selbstironie die vermeintlich begehrte Diva mit viel Präsenz verkörpert, doch auf Dauer ermüdet das Spiel, weil rasch alles gesagt ist und kaum neue Facetten hinzukommen.
Erschwerend gestaltet sich zudem, dass kaum jemand sympathisch erscheint. Allenfalls der kränkelnde Sorin (Brian Dennehy) sorgt für minimale Abwechslung, doch der Rest mutet eher holzschnittartig und unnahbar an, wodurch es mit der Empathie nicht weit her ist.
Zudem zeugen viele Handlungsweisen von Passivität. Es gibt keine Intrigen, keine fiesen Spielchen, aber bis auf eine Ausnahme auch keine offene Aussprache. Alles dümpelt vor sich hin und jeder wartet auf sein Schicksal.
Was die Chose entsprechend aufwertet, sind die überwiegend versiert agierenden Mimen, allen voran Bening und Ronan. Auch der Score ist passend gewählt und erzeugt hin und wieder eine ansprechende Nuance von Melancholie. Ferner kann sich die detaillierte Ausstattung sehen lassen, denn zumindest beim Interieur des Hauses gehobener Klasse wurde ein wenig investiert.
Ansonsten verläuft die Posse staubtrocken und frei von Überraschungen. Immer gleichgültiger steht man den Belangen der Charaktere im Verlauf gegenüber und da von denen anscheinend niemand auch nur ansatzweise glücklich erscheint, interessieren etwaige Techtelmechtel allenfalls im Ansatz. Unterm Strich ein ermüdendes Hin und Her ohne erwähnenswerte Pointe.
Knapp
4 von 10