Noch bevor der Giallo in den 70er-Jahren so richtig zum Fliegen kam, hat ihm Regisseur, Popart-Künstler und Kapitalismuskritiker Giulio Questi 1968 ein veritables Kuckucksei ins Genrenest gelegt: Sein Film trieb damals schon sämtliche Stilmittel des Giallo auf die Spitze und darüber hinaus. Atonale Musik. Extreme Kamerawinkel. Ungewöhnliche Einstellungen. Wilde Montagen. Stakkato-Schnitte. Plötzliche Zooms. Hunderte Hühner.
Moment, was? Ja genau, auch die Story des Films ist extrem, ja geradezu surreal: Marco und Anna (Jean-Louis Trintignant und Gina Lollobrigida!) führen eine gigantische vollautomatisierte Hightech-Hühnerfarm sowie eine Dreiecksbeziehung mit ihrer Assistentin Gabri. Weil Marco beruflich nicht ausgelastet ist, übt er eine Nebentätigkeit als Serienkiller aus, quält und ermordet Prostituierte. Viel mehr Raum nehmen im Film jedoch die Bemühungen des nationalen Hühnerverbands (?) ein, das Huhn als Grundnahrungsmittel unter das Volk zu bringen, wobei eifrig u. a. an knochenlosen Mutationen geforscht wird.
Eine stringente Story brütet der Film aus diesen Versatzstücken nicht aus, türmt hingegen ein Mysterium aufs nächste, selbst die Dialoge sind oftmals kryptisch und völlig unzusammenhängend. Doch das macht nichts, denn hier ist keine Szene langweilig, man bekommt entweder spannende Bildkompositionen, bunte Farben, absurde Einfälle oder kaum bekleidete Frauen geboten – oder alles zusammen. Man kann das wahlweise für großen Unsinn oder große Kunst halten, immerhin schrieb Ko-Autor Franco Arcalli später u. a. an den Drehbüchern zu LAST TANGO IN PARIS, 1900 und ONCE UPON A TOME IN AMERICA mit.
Für einen Giallo ist der Film im Übrigen überraschend unblutig, unglaublich brutal sind allerdings die Einblicke in die ganz offensichtlich reale (!) Hühnerhaltung und -weiterverarbeitung in den 60er-Jahren.