Review

Staffel 1 - 9/10

Staffel 1


Anders als alle anderen

„Atypical“ auf Netflix erzählt von Sam Gardner, einem autistischen Highschoolschüler und seiner Familie... Was als kurze Handlungsangabe erstmal (abgesehen von der geistigen Besonderheit des Protagonisten) kaum auf sich aufmerksam macht, ist eine der schönsten, eher versteckten Perlen im Programm des großen, roten N. 

Dieses Jahr findet die Serie ihren Abschluss - Zeit eine Lanze für die sehr spezielle und super sympathische Dramödie zu brechen. Hier ein paar Argumente, warum ich „Atypical“ eigentlich ausnahmslos jedem ans Herz legen kann: 

+ ein einmaliger und vielschichtiger Protagonist 
+ Gilchrist spielt (als „normaler“ junger Mann) den Autisten Sam sagenhaft gut und authentisch 
+ man bekommt ungewöhnliche, nachvollziehbare, witzige und herzliche Einsichten in das Seelenleben eines „geistig Behinderten“
+ inklusiver und natürlicher geht eine Serie kaum 
+ ein toller, etwas experimenteller Score
+ bizarre und witzige Sidekicks
+ auch die andere Figuren (der Familie) und ihre Erzählstränge sind nicht langweilig (obwohl Sam natürlich/zum Glück im Mittelpunkt steht)
+ Folgen sehr kurz, knackig und leicht zu gucken 
+ oft schmerzhafte Themen sehr dezent und locker verpackt 
+ eine sich sehr echt anfühlende Ehe der Eltern
+ Brigette Lundy-Paine ist jetzt schon anbetungswürdig und ein kommender Star 
+ bringt einem mehr Verständnis und Einsicht in „das Spektrum“
+ viel mehr als nur eine weitere „Highschool-Dramödie“
+ genau die richtige Balance aus Humor und Melancholie, Lachen und Traurigkeit, Härte und Leichtigkeit des Seins
+ Jennifer Jason Leigh geht immer (selbst in einer etwas schwierigen, oft richtig nervigen Rolle!) 
+ macht neugierig, wie es mit allen (!) Figuren weiter geht 
+ fliegt unter dem Radar - und dann umso höher! 
+ noch immer ein Geheimtipp 
+ offbeat, trotzdem natürlich und stolz drauf 
+ nie gekünstelt oder zu dick aufgetragen 
+ selbst Comedic Reliefs werden nicht nur zur reinen Lachnummer
+ apropos: Zahid ist der Hit! 
+ Michael Rapaport kann man nur mögen; definitiv der heimliche Star der Show 
+ eine (oder gleich mehrere) Coming-of-Age-Story wie keine Zweite
+ kommt auch bei echten Autisten stark an
+ oft sehr nah an der Realität 
+ mit echten autistischen Darstellern in Nebenrollen 
+ noch immer ein Geheimtipp 
+ es werden nicht immer die leichtesten Auswege genommen 
+ übergreifende Storylines
+ starke Bingemöglichkeiten
+ witzige Fakten aus der (meist antarktischen) Tierwelt 

Fazit: „Atypical“ wird seinem Titel spektakulär gerecht, hat ungewöhnliche Figuren, universellen Humor und genug Gefühl, kann lockerleicht an der unterhaltsamen Oberfläche genauso wie in den ernsteren Ecken darunter genossen werden. Tolle Serie! (9/10)

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