Staffel 2 - 9/10
Staffel 2
Alles, außer gewöhnlich
Normal zu sein ist langweilig, manche haben aber gar nicht die Wahl,
Sam Gardner sieht seine geistige „Behinderung“ allerdings völlig zurecht nicht unbedingt als Qual.
„Atypical“ in seinem zweiten Jahr lässt mein Herz weiterhin überschwappen,
feiert diese Serie doch ganz besonders Einschränkungen und „Macken“.
Eine schrecklich normale Familie - hier aber mit Twist,
bin ich noch immer der erste der für diesen Netflix-Gem die Fahne hisst.
Selten sah man bei einem Autisten tiefer ins Leben und Denken,
da kann man sich manch ein ödes Hollywooddrama schenken.
Von quirligen Nebenfiguren bis hin zu diesem ganz intimen Einblick,
fehlt es dieser modernen, erweiterten „Sitcom“ nur ganz selten am Feinschliff.
Schnell schließt man die Figuren ins Herz, schnell weiß man auch Eigenheiten zu schätzen,
ich kann mir nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die gegen diesen Geheimtipp hetzen.
In Staffel 2 kriselt die Ehe der Eltern und das College naht,
schön, wenn sich Sams Selbstbewusstsein immer weiter aufklart.
Keir Gilchrist spielt den (oft ungewollt) witzigen Autisten weiterhin gnadenlos gut,
das erfordert neben Können und Einfühlungsvermögen auch eine Menge Mut.
Zahid bringt einen zuverlässig zum Lachen,
auch in Sachen starken weiblichen Figuren lässt die kurzweilige Show es gut krachen.
Familiäre Konflikte, heranwachsende Menschen,
werden hier behutsam und ganz natürlich gesprengt einige Genregrenzen.
„Atypical“ sieht unscheinbar aus, trumpft dadurch nur umso mehr auf,
wie Sams toughe Schwester - diese Serie hat einen Lauf!
Von Pinguinen und plötzlichen Handjobs im Iglu,
abgesehen von „Freaks & Geeks“ traf eine „Highschool-Serie“ so nice selten bis nie zu.
„Atypical“ taugt als hochwertige lockere Unterhaltung genauso wie als tiefergehender Exkurs,
und in jeder Minute merkt man besonders, den Machern sind ihre Figuren und deren Schicksale alles andere als Wurst.
Das überträgt sich auch auf uns Zuschauer, man gleitet zwischen lautem Lachen und kleiner Träne im Auge,
das ist zu pflegen und zu schätzen, wie eine gänzlich handgemachte Laube.
Nie Karikatur, nie zu seicht, nie wie schonmal geseh’n,
dagegen haben es andere Teenagerserien enorm schwer zu besteh'n.
Fazit: ein ganz besonderer Protagonist, eine ganz besondere Serie. Auch Staffel 2 punktet mit genug Herz, Humor und unheimlich interessanten Einsichten in autistische Ansichten und Gefühlswelten, auf die ich in meinem Leben nicht verzichten will, die definitiv bereichern. (9/10)