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Kinderattentäter, Hassprediger und Terrorcamps, - an derartige Themen trauen sich nicht viele Filmemacher heran, zumal eben die Gefahr besteht, sich rasch Feinde zu machen. Autor und Regisseur Maninder Chana versteht es durchaus, eine bedrückende Atmosphäre zu genieren, was allerdings nicht frei von Klischees bleibt.

Der dreizehnjährige Samih lebte einige Zeit in Amerika, was ein Terrorcamp unter der Leitung von Zafar ausnutzen will. Sie unterziehen den Jungen einer Gehirnwäsche, damit er mit einem Sprengstoffgürtel die amerikanische Botschaft in Delhi in die Luft jagt. Als der amerikanische Journalist Steve ins Camp verschleppt wird, versucht dieser auf Samih einzuwirken…

Chana steigt mit einem gescheiterten Selbstmordattentat an einer Schule ein. Noch bevor die Bombe hochgeht, wird der Mann erschossen, - Samihs älterer Bruder, wie sich kurz darauf herausstellt. Samih gilt unter den Rekrutierten im Camp als Außenseiter, er wird der amerikanische Junge genannt und kämpft tapfer um die Anerkennung von Zafar, welcher Osama bin Laden in vielen Belangen sehr ähnlich sieht. Einige Schergen im Camp sind ohnedies sehr eindimensional eingebunden, manche wirken geradezu psychopathisch, andere grenzdebil, was sich insgesamt jedoch kaum auf die realistisch erscheinenden Vorgänge im Camp auswirkt. Speziell die einseitigen Predigten über Feinde, Gerechtigkeit, Märtyrer und Gehorsamkeit verfehlen ihre Wirkung nicht.

Obgleich Chana über weite Strecken einen Hass gegenüber islamische Fundamentalisten schürt, schert er beileibe nicht alle Moslems über einen Kamm. Als Samih schließlich bei einer Gastfamilie als Vorbereitung für den Terrorakt einquartiert wird, versuchen zwei Figuren das Attentat zumindest infrage zu stellen, während sich anderweitig zwei amerikanische Soldaten als Rassisten entlarven.

Ausschließlich in Indien gedreht, kommen die exotisch anmutenden Schauplätze durchaus authentisch rüber und auch ein Großteil der Mimen performt solide. Die Kamera arbeitet weitgehend unauffällig, es gelingt ihr speziell bei den wenigen Gewalteinlagen, die notwendige Distanz zu finden und den Fokus auf die Protagonisten zu richten.

Ein Blick hinter die Kulissen des Terrors stimmt natürlich nachdenklich und obgleich viele Begebenheiten nicht frei von Klischees sind, kommen die meisten Herangehensweisen plausibel daher. Chana gelingt es gut, Ambivalenzen in den Vordergrund zu rücken, ohne zu verharmlosen oder ins Melodramatische abzudriften, während im letzten Drittel merklich an der Spannungsschraube gedreht wird. Und so banal die Message am Ende auch klingen mag, - nicht Politik oder religiöse Zugehörigkeit stehen im Vordergrund, sondern das Handeln eines jeden Individuums im entscheidenden Moment.
7 von 10

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