Review

Erfüllung eines persönlich optionierten, initiierten, auch finanziell zu Teilen investierten Jugendtraumes von Scott Adkins, der als Heranwachsender das (hierzulande nahezu unbekannte und auch sonstwo eher kleingehaltene) gleichnamige Comic um die Erlebnisse eines als Accident Man betitelten Auftragskillers fleißig verschlungen und die Bearbeitung der stummen Bilder für die Leinwand seitdem als 'Passion Project' und somit Herzensangelegenheit bezeichnet hat. Abgesehen von der auch damaligen Leserschaft der (von Pat Mills entwickelten, und in Zusammenarbeit mit hauptsächlich Tony Skinner beim kurzlebigen “Toxic!“ ursprünglich ab 1991 veröffentlichten) Geschichten um den “Stylophile and Professional Assassin“, die im Übrigen 2014 eine eigene Phase der Wiederbelebung bei den Getreuen und der neuen Generation in Form einer Gesamtausgabe hatten, firmiert sich der Film natürlich über den (in entsprechenden Kreisen) zugkräftigen Namen von Adkins und der Zugehörigkeit zum Actiongenre, Unterabteilung Martial Arts in das Bewusstsein des Publikums.

Hinzu kommt als Appetizer für die Anderen die seit mehreren Jahren vorherrschende Popularität des Comicfilmes (um Marvel und DC) selber, der vom Marketing gerade auch mit dem farbenreichen Poster scheinbar bedient wird, in weiten Teilen hier allerdings gar nicht nach dem gemeinen Begriff der bunten Superheldengeschichten einbezogen ist. Sowie und aber ein möglichst politisch unkorrektes, schwarzhumoriges, teilweise auch parodistisches, aber auf jeden Fall als leichte und schnelle Zerstreuung angelegtes Produkt der Konsum- und Unterhaltungsindustrie, über einen Death Merchant und dessen gehässiges und auch so behandeltes Geschäft. Eine spritzige, violente Haudrauf-Prügelplotte, frei nach dem Motto "Hurra, die Knochenbrecher sind wieder da!":

Mike Fallon [ Scott Adkins ] ist Auftragskiller. Seine Opfer und die Gage bekommt er vom Zwischenhändler Milton [ David Paymer ] zugeschanzt, der je nach Auftragslage und der für den Job benötigten und/oder vom Kunden gewünschten Art des Verbrechens aus seiner kleinen, aber feinen Riege an entsprechend bedingten Mördern wie dem rabiaten Söldnerteam Mick [ Michael Jai White ] und Mac [ Ray Park ], der mit Sexappeal wild um sich schmeißenden Jane the Ripper [ Amy Johnston ], dem Schlagmichtot Carnage Cliff [ Ross O'Hennessy ], Giftkönig Poison Pete  [ Stephen Donald ] oder dem Finesse Killer Finicky Fred [Perry Benson ], einem dicklichen, bebrillten Buchhaltertyp auswählt. Abgehalten werden die Sitzungen und auch die Entspannungen danach in der exklusiven Bar von Big Ray [ Ray Stevenson ], der auch über die Einhaltung gewissen Regeln, allen voran das Verbot des Schlagens von Milton wacht und waltet. Als Fallon eines Tages sowohl die Todesnachricht seiner Ex-Freundin Beth Carpenter [ Brooke Johnston ] erhält, als auch bei einer Geldübergabe angegriffen wird, ist er bald gezwungen, seine bisherige Umgangsart zu überdenken.  

"Always remember the three golden rules:
‘Never get angry.
Never get involved.
Most important of all:
Never get caught.

"I‘ve already broken two of them.
And now i
‘m in danger of breaking the third."

Im Budget dabei eher klein gehalten und dies auch der Vorlage entsprechend, welche sich in späteren Erzählungen phasenhaft als Panoptikum und gleichzeitig der Gegendarstellung zum James Bond darstellt und bis dato und der auch hier benutzten ersten Erzählung im britischen Nischenbereich und den entsprechenden Kleingassen, Trink-und Sporthallen und Hinterhöfen auch sichtlich wohl fühlt und den Zuschauer in die oftmals nächtliche Gosse mit hineinzieht. Verweise werden zudem zu früheren Arbeiten von Guy Ritchie gesucht und gefunden, und in der Zeichnung der eigens abgeschotteten und als kleine Enklave in der Zivilisation für sich bestehenden 'Unterwelt' auch zu den nunmehrigen Erlebnissen um den (weitaus mondänen) Kollegen John Wick und den bestehenden und einzuhaltenden Regeln des luxuriösen The Continental, bloß hier in der süffigen Variante des finsteren Pubs geknüpft. Nach allen Seiten der Popkultur hin ist man entsprechend sicher gefangen und gleichzeitig in gewissen Sinne sowohl abhängig von Vorgaben und Erwartungshaltungen – die wesentlich zahlreicher und vielfältiger sind als vor einem Vierteljahrhundert und über die geringe Kenntnis der Vorlage hinausgehen – und aufgrund der Platzierung im low Budget VoD & DtV Bereich dennoch frei von all zu großen kommerziellen Risiken der Befriedigung von Massen à la bspw. dem ähnlich zynisch sprücheklopfenden Deadpool geknüpft. [Ein ursprünglich von Mills selber unterstütztes und per Kickstarter zusätzlich gestartetes Vorhaben um 2012 herum wollte sich mit ganzen 20.000 £ Finanzierungsziel in die Bresche wagen, und wurde von privaten Sponsoren weitgehend ignoriert; überhaupt ist Adkins' Ansatz beileibe nicht der erste Versuch der Realisierung und wurde bspw. auch kurz über eine Fernsehserie in natürlich abgeschwächter Form nachgedacht.]

Adkins, der für seine  langgehegte, im November 2016 gedrehte Wunschversion auch das Skript über diese blokes & bollocks mitverfasst hat, hat für die Inszenierung des eher flott-simpel gehaltenen Erzählverlaufes im Stile eines räudigen, kurz- und schmerzlosen, mit lakonischen Kommentaren versetzten Action-‘Krimis‘ mit dergleichen zuhauf aufgefallenen Jesse V. Johnson auch gleich den neuen Mann an seiner Seite engagiert. Ein bald eingespieltes, sich wechselseitig anspornendes Team, dass sich nach dem genauso 'primitiven', dadurch und wenig 'Fett auf dem Leib' aber auch die Zuschauerbedürfnisse erfüllenden Savage Dog bereits an The Debt Collector im selben Milieu am Arbeiten und mit Triple Threat eventuell, hoffentlich und am Ehesten die Aufmerksamkeit weithin und somit die Kür nach der Pflicht erreichen ist. Grobe Flächen, kantige Schnitte, viel trockenes und gliedmaßenbrechendes Spektakel mit auch ordentlich Hohn und Spott; analog zur graphisch hübsch-hässlichen Vorlage auch hier das Eindimensionale und den Austausch von Kampfhandlungen, Gewalt, Tod und beißenden Sarkasmus, sowie den Spagat zwischen Geschmacklosigkeit und überhöhter Flapsigkeit im Blick.

I am the best.
I only use the best.

Entsprechend der Liebe zum Original und den Erinnerungen daran wird hier auch eine Werktreue angestrebt, die bspw. die ersten Szenen wie einen einleitenden Auftragsmord per vorgetäuschten Suizid durch Erhängen, die folgende 'Abkühlung' durch die Vernichtung eines lokalen Schlägertrupps in der Kneipe, das Erfahren der Todesnachrichten per Fernseher und das Aufsuchen zweier 'Sportsgenossen', dem der Murdering Mercenaries Mick & Mac während ihres Trainings plus dem anschließenden wilden Schlagabtausch im Grunde komplett bis fast sklavisch aus den Heftseiten übernommen. Inklusive des Voice Overs, der zuweilen auch wortwörtlich eingesprochen ist und die entsprechenden Szenen wie z.b. den Auftragsmord per Scharfschützengewehr und vorgetäuschten 'Unfall' an der Bushaltestelle oder das Ausschalten einer Heavy Metal Band per Strom inmitten ihres Konzertes kommentiert; wobei die cineastischen Bilder selber eine gute Wiedergabe der ursprünglichen Ideen und gleichzeitig Ergänzung zur comigalen, mehr Information und Bewegung in einem einzigen oder vielleicht in zwei Panelen zusammenfassenden Darstellung sind. Zuweilen ist der Comic da recht unübersichtlich, für ungeübte Leser zumindest; während Johnson da angenehm konventionell und ruppig bleibt und nicht versucht, auch das Formelle zu kopieren, sondern sich auf seine eigenen Stärken reduziert.

Ordentlich Rabatz also, mittig mag das Ganze in der Behandlung der Aufklärung der Hintergründe um den scheinbar zufällig geschehenen Überfall mit Todesfolge etwas durchhängen, wird aber mit einem wahrlich furiosen Finalkampf wieder über die Ziellinie gestoßen und auch vorher einiges an Leib und Material in seine Einzelteile entzweigeschlagen und sowieso gerne die nähere Umgebung in die Trümmer zerlegt. Im Gegensatz zum ‘Vorgänger‘ Savage Dog sprechen hier die Fäuste statt der Schusswaffen, und wird sich (wie auch bei Florentine) gerne in längeren Einstellungen, einer überschaulichen Montage und mit der nötigen Sorgfalt in der Choreographie gegenseitig emsig verdroschen und das ehemals hübsche Konterfei ramponiert.

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